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"Bares für Rares XXL" 90 Minuten Happy Hour – nur Felix Neureuther sucht verzweifelt Rettung

Bares für Rares: Felix-Neureuther, Horst Lichter
"Bares für Rares"-Moderator Horst Lichter überreicht Felix Neureuther die Händlerkarte - mit gebührendem Coronaabstand.
© Willi Weber / ZDF
Geiz ist nicht geil: Bei der Abendausgabe von "Bares für Rares" hat selbst "80-Euro-Waldi" die Spendierhosen an. Das freut den prominenten Gast Felix Neureuther. Der bringt eine ungewöhnliche Skulptur in die Show von Horst Lichter - und erhält ein seltenes Angebot.

Eine chinesische Tempelgarnitur, die für sagenhafte 13.000 Euro weg geht. Ein Ring, der fast das Doppelte des Schätzpreises erzielt. Und eine Brosche, die zwei Studenten glücklich macht: Bei der "Bares für Rares"-Abendausgabe sind die Händler in Geberlaune. Selbst der sonst eher sparsame Walter "Waldi" Lehnertz ("80 Euro für den Prügel") greift beherzt in die Tasche. Das kommt in diesem Fall dem ehemaligen Ski-Ass Felix Neureuther zu Gute. Der bringt als prominenter Gast eine Skulptur mit einer außergewöhnlichen Geschichte in die Show.

"Alles ist wie immer", sagt Moderator Horst Lichter, als er die Zuschauer am Mittwochabend um 20.15 Uhr zu "Bares für Rares XXL" begrüßt. Dabei ist natürlich nichts wie immer. Wegen der Coronapandemie sind keine Zuschauer dabei. Die Händler sitzen zwischen Plexiglastrennwänden und dürfen die Objekte nur mit Handschuhen anfassen. Und der sonst so kontaktfreudige Lichter muss gebührend Abstand zu seinen Gästen halten. Als wäre das nicht schon genug, brannte es bei den Dreharbeiten auf Schloss Drachenburg auch noch. Doch von alle dem sollen die Zuschauer so wenig wie möglich mitbekommen. Die ZDF-Trödelshow will ein Stück heile Welt in deutsche Wohnzimmer ausstrahlen.

Keine "Bares für Rares"-Ausgabe ohne Bietergefecht

Besonders in Krisenzeiten scheint es beruhigend zu wissen, dass in Omas Schmuckschatulle, auf dem Dachboden oder in der Vitrine zwischen altem Porzellan doch noch irgendwo ein altes Schätzchen auf seine Entdeckung warten könnte. Wie bei Adriane Krippner aus München. Die kommt mit einer asiatischen Tempelgarnitur zu "Bares für Rares", die jahrelang bei ihrer Mutter stand. "Sie hat immer gesagt, dass es ganz was Besonderes ist", sagt die Verkäuferin. Recht hatte die Mama. Experte Detlev Kümmel schätzt die fein gearbeitete Keramik aus dem 19. Jahrhundert auf 9000 bis 12.000 Euro. Ein stolzer Preis. Doch der Dramaturgie der Show folgend, kommt es im Händlerraum zu einem Bietergefecht – und zu einem noch höheren Preis.

"Sowas Wunderschönes habe ich hier lange nicht gesehen", schwärmt Händler Daniel Meyer. Man muss offenbar ein Faible für alte asiatische Kunst haben, um das fünfteilige Set zu lieben. Das hat auch Susanne Steiger. Bei 7000 Euro scheint die Schmerzgrenze bereits erreicht. Doch dann bieten sich Steiger und Meyer schwindelig. Erst bei 13.000 Euro steigt der Münsteraner Kunsthändler aus. Steiger ist glücklich. Die Verkäufer auch. Dass sie eine alte Rechnung im Nachlass fanden, der belegt, dass die Mama einst stolze 14.000 Euro bezahlte - egal.

Dass am Ende sowohl Verkäufer als auch Händler zufrieden sind, gehört zum Erfolgsrezept der Show. So geht es Schlag auf Schlag: Für eine Brosche (Schätzpreis 900 bis 1100 Euro) zahlt Elisabeth Nüdling 2100 Euro. Ein altes Gemälde (Schätzpreis 1300 bis 1500 Euro) wechselt für 1300 Euro die Besitzer und ein Brillantring (Schätzpreis 3000 bis 3500 Euro) ist Susanne Steiger 5700 Euro wert. Händler im Bieterrausch. Doch Sorgen, dass sie auf der erstandenen Ware sitzen bleiben, müssen sie sich nicht machen. "Ich stelle die Objekte immer erst in den Verkaufsraum, wenn sie in der Show waren", verriet Wolfgang Pauritsch einmal im stern-Interview. Unter den bis zu fünf Millionen Fernsehzuschauern findet sich eben immer jemand, der bereit ist, noch mehr zu zahlen.

Felix Neureuther erhofft sich Liebhaberpreis

Einen Liebhaberpreis erhofft sich auch Felix Neureuther. Der ehemalige Skirennfahrer bringt eine Skulptur von Künstler Christian Peschke zu "Bares für Rares". "Das sieht aus wie ein Ei mit zwei Beinen", sagt Horst Lichter über das ungewöhnliche Objekt. Doch die Figur soll einen Abfahrer darstellen, der in der Hocke sitzt. "Das ist ein Entwurf für die Alpine Skiweltmeisterschaft 2011 in Garmisch-Partenkirchen", erklärt Neureuther. Der Künstler sei damals gebeten worden, sich eine Trophäe für die Gewinner zu überlegen. Da letztlich eine andere Skulptur eines heimischen Künstlers gewählt wurde, handle es sich um ein Einzelstück. Experte Albert Maier schätzt den Wert auf mindestens 1000 Euro. "Ich trenne mich ungern davon", sagt Neureuther. Doch er will das Objekt aus gepresstem Marmor für den guten Zweck veräußern.

Im Händlerraum beginnen die Gebote zunächst bescheiden. Julian Schmitz-Avila startet mit 200 Euro. "Waldi" legt mit 350 Euro nach. Erst bei 800 Euro von Fabian Kahl steigt die Spannung. Susanne Steiger und "Waldi" Lehnertz liefern sich ein Bietergefecht. "Bist du nervös?", fragt sie ihren Konkurrenten beim Stand von 1500 Euro. Doch der lässt sich nicht abschütteln. Schließlich macht sie Neureuther ein Angebot: "Ich gebe Ihnen 2200 Euro, wenn für mich und Lisa (Elisabeth Nüdling) noch eine Skistunde drin ist." Doch der ehemalige Weltmeister setzt auf "Waldi". "Du musst mich retten?", ruft er ihm zu und macht den für die Damen wenig charmanten Einwurf mit einem Lachen wett. "Waldi" tut wie ihm befohlen, bietet 2250 Euro und erhält damit das Unikat. Nur für einen Moment blitzt seine ihm anhaftete Sparsamkeit dann doch noch auf: "Ich hab' noch nie so viel Geld für ein Stück Marmor ausgegeben."

Die Show endet in bester Traumschiff-Manier. "Ist das nicht schade, schon wieder vorbei", sagt Horst Lichter nach der 90-minütigen Happy Hour und verabschiedet sich zu den Klängen der Louis-Armstrong-Melodie "What a Wonderful World". Eigentlich fehlt jetzt nur noch, dass eine Torte mit brennenden Kerze ins Bild gerollt wird. Eskapismus kann so schön sein.


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