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ZDF Magazin Royale "Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist scheiße": Böhmermann knöpft sich seinen Arbeitgeber vor

Jan Böhmermann
Jan Böhmermann hatte "einen richtigen Hals". Grund diesmal, der öffentlich-rechtliche Rundfunk.
© Henning Kaiser/dpa
In der neuesten Sendung seines "ZDF Magazin Royale" rechnet Jan Böhmermann mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk ab und nannte diesen einen "verfilzten Selbstbedienungsladen". Er forderte eine grundlegende Reform.

Kurz davor war gerade erst bekannt geworden, dass Jan Böhmermann dem ZDF treu bleibt und seinen Vertrag verlängert hat, da öffnete er auch schon wieder die Büchse der Pandora. Heraus kam eine Wutrede über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, denn der sei scheiße. Er, ein Kind des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wie er nicht müde wurde zu betonen, fragte: "Wie wurde aus der Idee eines transparenten, kritischen Senders für uns alle ein verfilzter Selbstbedienungsladen?" 

Die Öffentlich-Rechtlichen sahen nicht gut aus in letzter Zeit. Ein Skandal folgte dem nächsten. Ob Finanzchaos beim Bayrischen Rundfunk, Unterbindung kritischer Berichterstattung beim WDR, Rücktritt der MDR-Direktorin oder mutmaßliche Vetternwirtschaft beim NDR – die Liste der Vorwürfe, die Böhmermann präsentierte, ist lang. Die Situation gebe allen, die das Prinzip eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks schon immer schlecht fanden, nun "die Gelegenheit nachzutreten".

Böhmermann: Bei Öffentlich-Rechtlichen ist die "Kacke am Dampfen"

Die Folge? Laut Böhmermann eine übervorsichtige Strategie, die sich unter anderem zeigte, als eine Laudatio des Rappers Danger Dan vom ZDF geschnitten wurde, weil er AfD-Politiker darin Vollidioten genannt hatte. Da distanziere man sich zur Sicherheit schon mal vorab vom eigenen Programm, "damit keine Nazis einen Shitstorm starten", gab sich der Moderator entsetzt. "Mein Gott, der öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde doch genau dafür erfunden, damit Nazis Shitstorms starten, und zwar am besten jeden Tag."

Dass die Kacke, wie Böhmermann es ausdrückte, bei den Öffentlich-Rechtlichen aber tatsächlich am Dampfen ist, belegte er in Folge unter anderem am Fall der Ex-NDR-Direktorin Sabine Rossbach, die ihren Töchtern "ausgeholfen" haben soll. Der einen mit einer Festanstellung beim Sender, der anderen, in dem sie deren Kunden in Programmen des Senders unterbrachte. Oder Patricia Schlesinger. Die ehemalige RBB-Intendantin war fristlos entlassen worden, nachdem Vorwürfe der persönlichen Vorteilsnahme hochgekommen waren. Darin ging es unter anderem um Massagesitze im Dienstwagen.

Massagesitze, die im übrigen auch WDR-Intendant Tom Buhrow im Dienstwagen habe, wie Böhmermann ausführt. Eben der Tom Buhrow, der jüngst im Hamburger Übersee-Club zu einer Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aufgerufen hatte. Ein Böhmermann, der Böses dabei denkt. Schließlich habe Buhrow Jahre Zeit gehabt, etwas zu ändern.

Böhmermann fordert im "ZDF Magazin Royale" Rundfunk-Reform 

Wie konnte es mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk so weit kommen? Schließlich gibt es doch Kontrollgremien, welche die Mitte der Gesellschaft abbilden sollen. Doch wie Böhmermann sagte, seien diese nicht nur alt, sondern auch "käsweiß". Der Altersdurchschnitt liege bei gut 57 Jahren, von Diversität weitestgehend keine Spur. Wer stattdessen in den Gremien sitzt: Malu Dreyer, Reiner Haseloff und Markus Söder. "Vielleicht", stellte Böhmermann in den Raum, "sind Ministerpräsidenten nicht die allerbeste Wahl, um einen staatsfernen Rundfunk zu kontrollieren".

Böhmermann, der Wert darauf legte, als Privatmann gesprochen zu haben – ein Seitenhieb an Tom Buhrow, der seine Rede im Übersee-Club auch als Privatmann gehalten haben wollte – forderte eine Reform. Diese sei nötig, damit der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein starkes, unabhängiges Instrument für Aufklärung und Machtkritik bleibe. "Aufklärung und Machtkritik, das finden natürlich alle scheiße, die mehr Macht haben, aber nicht kritisiert werden wollen", meinte er. Aber: "Ich ertrage diese Systemerhaltungsreflexe nicht mehr, diesen Strukturfetischismus, bei dem nichts rauskommt außer frustrierte Talente, die zum fucking Privatfernsehen gehen."

Das "ZDF Magazin Royale" läuft im ZDF und ist somit Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Das ist auch Böhmermann bewusst, der eben dies mehrfach thematisiert. Daher hätten sie sich auch an die eigene Nase gefasst, seien in Innenrevision gegangen. Kritikpunkte, die er verlas: zu viel Druck, zu wenig Geld, zu viele Überstunden. Er verabschiedete das Publikum mit der Ansage, dass jetzt erst einmal eine Betriebversammlung abgehalten werde.

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