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Bundestagspräsident klagt über TV Bitte einschalten, Herr Lammert!

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) mag das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht besonders. Wir versuchen, ihm ARD und ZDF wieder schmackhaft zu machen.
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) mag das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht besonders. Wir versuchen, ihm ARD und ZDF wieder schmackhaft zu machen.
© Bernd von Jutrczenka/DPA
Der Bundestagspräsident ist mit der Qualität im öffentlich-rechtlichen TV unzufrieden. Wir geben ihm Programmtipps: zehn tolle Sendungen in sechs Tagen. So hat Norbert Lammert ARD und ZDF wieder lieb.
Von Carsten Heidböhmer

Einen Qualitätsverfall im deutschen Fernsehen will Bundestagspräsident Norbert Lammert erkannt haben. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gehe es nur noch um "Quote, Quote und nochmals Quote", sagte Lammert am Samstag. Der eigentliche Auftrag der Medien sei seriöse Information, dem kämen sie immer weniger nach. Für Lammert stellt sich damit die Frage, inwieweit das System der staatlichen Rundfunkgebühren noch gerechtfertigt sei.

Mit diesen pauschalen Aussagen steht er in einer langen Reihe von Kritikern des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die kein gutes Haar an den Angeboten von ARD und ZDF lassen wollen.

Dabei gibt es Woche für Woche zahlreiche Beispiele dafür, wie hochwertig das Programm ist - sofern man unter Qualität mehr versteht als das Abfilmen von Bundestagsdebatten. Damit Herr Lammert ARD und ZDF wieder lieb hat, verraten wir ihm zehn Sendungen, für die sich in dieser Woche die Gebühren gelohnt haben:

Montag:

"Blutgeld" (ZDF), ein Film über Blutkonservenskandal, der Deutschland in den 80er Jahren erschütterte
=> Zeitgeschichte und Unterhaltung aufs Beste verknüpft, was kann man an einem Montagabend mehr erwarten?

Dienstag:

"Die Mondverschwörung" (3Sat), eine Dokusatire, die in die unappetitliche Schnittmenge zwischen Esoterik und Nazi-Weltsicht führt
=> Selten war Aufklärung so witzig: Der Amerikaner Dennis Mascaranas führt anschaulich vor, wie falsches Bewusstsein entsteht. So ein Inhalt muss auch in Lammerts Interesse sein.

Dienstag:

"Walulis sieht fern" (EinsPlus). Und noch mal Aufklärungsfernsehen: Philipp Walulis führt vor, nach welch stumpfen Mechanismen Fernsehgenres funktionieren.
=> Wenn sich Norbert Lammert das anschaut, wird seine Kritik am Fernsehen beim nächsten Mal vielleicht differenzierter.

Mittwoch:

"Komasaufen" (ARD), ein Fernsehfilm, der ein gesellschaftliches Problem anschaulich aufbereitet
=> Bewirkt mehr als 100 Stunden Bundestagsdebatte und die Extra-Steuer auf Alcopops.

Mittwoch:

"Drei" (ARD), Filmdrama von Tom Tykwer über eine pikante Dreiecksbeziehung
=> Europäisches Autorenkino frei Haus - wurde dafür nicht die Rundfunkgebühr erfunden?

Donnerstag:

"Luther" (ARD), Historienfilm über das Leben des deutschen Reformators
=> Eine deutsche Geschichtsstunde made in Hollywood, lehrreicher als zehn parlamentarische Gedenkstunden zur Reformation.

Donnerstag:

"Neo Magazin" (ZDFneo), das neue Satire-Magazin mit Jan Böhmermann
=> Eine lebendige Demokratie braucht intelligente Satire.

Freitag:

"Borgia" (3Sat), Historienserie um den legendären Renaissance-Papst
=> Nach "Luther" eine weitere Lehrstunde in europäischer Geschichte.

Freitag:

"Mad Men", US-Serie über eine Werbeagentur in den 60er Jahren
=> Wie es um die Gegenwart steht, erfahren wir oft erst im Blick zurück. Diese Serie hält uns einen Spiegel vor - und ist dabei auch noch sexy. Davon kann sich der deutsche Bundestag eine dicke Scheibe abschneiden.

Sonntag:

"Druckfrisch" (ARD), das Literaturmagazin mit Denis Scheck
=> Damit Herr Lammert weiß, was er lesen kann, sollte er sich mal wieder übers TV-Programm ärgern.


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