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Claude-Oliver Rudolph: "Jetzt kann Til Schweiger ja mal Kunst machen"

Mit seiner Aussage, Til Schweiger habe bei "Honig im Kopf" von ihm abgeschrieben, hat Claude-Oliver Rudolph für viel Wirbel gesorgt. Im Interview bietet er Schweiger nun eine Zusammenarbeit an.

Claude-Oliver Rudolph könnte sich eine Zusammenarbeit mit Til Schweiger gut vorstellen - wenn der seine Filme co-produziert.

Claude-Oliver Rudolph könnte sich eine Zusammenarbeit mit Til Schweiger gut vorstellen - wenn der seine Filme co-produziert.

Herr Rudolph, sind Sie überrascht, welchen Wirbel Sie mit Ihrer Aussage ausgelöst haben, Til Schweiger habe bei seien Erfolgsfilm "Honig im Kopf" von Ihnen abgeschrieben?
Nein. Das war mir klar. Die Geschichte fing ja ganz anders an: Ich habe vor zwei Wochen einen liebevollen Leserbrief an den "Spiegel" geschrieben, nachdem ich das Gespräch zwischen Wim Wenders und Til Schweiger gelesen habe. Ich fand das sehr angeberisch von Til, wie er dem großen Wim Wenders erklärt, wie man Filme drehen muss: drei Akte, Plot-Points. Der kleine Junge, den ich in der "Lindenstraße" entdeckt habe, erklärt dem großen Filmemacher, er solle mal eine Komödie probieren. Dann stand da, Til sei 1994 zum Film gekommen. Dabei hat er schon 1993 in meinem Film "Ebbies Bluff" mitgespielt. In dem Zusammenhang habe ich auch darauf hingewiesen, dass Til beim Schreiben von "Honig im Kopf" nicht drei Akte im Kopf gehabt hat, sondern meinen Film.

Können Sie genauer erklären, wie Sie darauf kommen?
In Tils Film geht es darum: Alter Mann kriegt Alzheimer. Junge Frau rettet ihn. Dritter Plotpoint, wie Til es ausdrücken würde: Sie fliehen nach Venedig, in die Stadt seiner Träume. Bei meinem Film "Liebe mich bis in den Tod" ist es so: Älterer Boxer kriegt Alzheimer, junge Medizinerin entführt ihn. Sie fahren nach Venedig in die Stadt seiner Träume. Das ist 1:1 meine Geschichte. Das war mein Brief. Dann ist er irgendwie an die Redaktion des "OK!"-Magazins gelangt.

Es war also gar nicht Ihre Absicht, daraus eine große Geschichte zu machen?


Ich wusste schon, dass das eine große Nummer wird. Ich wollte zeigen, dass das mein Film ist. Das sage ich auch meinen Bekannten. Ich wollte damit untermauern, dass ich Trends voraussehe. Damals zum Beispiel wollte niemand Jürgen Vogel haben. Dann habe ich 1991 "Wonderbeats" gedreht mit seiner ersten Hauptrolle. Niemand wollte Til Schweiger haben, ich hab ihn 1993 besetzt. Ich habe immer was Neues gesucht. So kam ich auch zu "Liebe mich bis in den Tod". Ich wollte mal was anderes zeigen: einen schwachen Boxer. Das war ein Riesenerfolg damals. Christine Neubauer und mir sind Leute in Köln auf der Straße um den Hals gefallen.

Mein Stand ist, dass RTL eine Klage prüft, der Sie sich anschließen wollen. Ist das noch aktuell?


So ist es. Ich habe als Produzent und Autor die Rechte abgegeben, die gehören dem Sender. Die müssen das prüfen. Wenn sie genügend Anhaltspunkte haben, werden sie das machen. Wenn nicht, ist es auch egal. Mir geht es nicht um juristischen Bohei. Mir geht es darum, dass man mal die Wahrheit sagen muss. Ich bin Rebell, ich hab nichts zu verlieren. Ich habe auch keine Angst, dass Til Schweiger mich nicht besetzt. Ich habe Dieter Wedel verklagt und gewonnen. Ich habe den WDR verklagt und gewonnen.

Til Schweiger hat relativ heftig auf Ihre Vorwürfe reagiert. Bereuen Sie, ihm damals mit "Ebbies Bluff" zum Durchbruch verholfen zu haben?


Nein, ich wusste von Anfang an, dass das funktioniert und dass Til ein Frauentyp ist. Außerdem zahlt Til als einer der wenigen die Filmförderung zurück. Das ist doch auch eine tolle Sache. Ich finde, er macht das genau richtig. Die Presse hat das richtig formuliert: Er ist Helene Fischer, und ich bin Iggy Pop. So wollen wir es auch beibehalten.

Hätte es Schweiger auch ohne Ihren Film geschafft?


Nein. In Deutschland warten immer alle, bis einer den ersten Schritt macht. Mit Filmkunst hat das nichts zu tun. Es gibt keinen verrückten Schauspieler in Deutschland außer mir. Nur noch Birol Ünel.

Würden Sie Til Schweiger die Hand reichen, wenn Sie ihn sehen?


Natürlich.

Könnten Sie sich vorstellen, in einem seiner nächsten "Tatorte" mitzuspielen?


Nein, das interessiert mich nicht. Er soll lieber einen Avantgardefilm von mir produzieren. Das finde ich interessanter. Geld genug hat er, jetzt kann er ja mal Kunst machen.

Was wäre das denn für ein Film, den er produzieren könnte?


Ich mache jetzt einen Gangsterfilm, bei dem erstmals vier Schauspieler aus "Das Boot" zusammenarbeiten: Martin Semmelrogge, Ralf Richter, Heinz Hoenig und ich. Es ist eine Gangstergeschichte aus dem Ruhrgebiet, bei dem alles schief geht. Ein Gangsterfilm, bei dem man die Gangster liebt.

Was machen Sie sonst noch?


Ich habe die ganzen Rechte von Hans Albers gekauft. Biografie, Namensschutzrechte. Mit Frank Otto habe ich in Hamburg eine Firma, mit der wir das Musical vorbereiten: "Hans Albers - Der blonde Rebell". Da kann Til Schweiger jederzeit einsteigen als Co-Produzent. Mit Kusshand würde ich ihn nehmen.

Interview: Carsten Heidböhmer