Der Moderatorencheck Beckmann bleibt Beckmann


Reinhold Beckmann ist mit seiner Talkshow aus der Sommerpause zurück - mit bewährtem Konzept und neuen Chefs. Seine Sendung mit Jopi Heesters bewies aber vor allem Eines: Beckmann ist in jeder Hinsicht ganz der Alte geblieben.
Von Michael Rossié

Das "wir" in dem Satz "WIR sind aus der Sommerpause" betont Reinhold Beckmann so heftig, dass man glaubt, er werfe anderen vor, immer noch am Strand zu liegen. Er ist wieder da - mit zwei neuen Chefs. Olaf Köhne und Peter Käfferlein sind die beiden neuen Redaktionsleiter. Ansonsten hat sich allerdings nicht viel verändert: Beckmann ist in jeder Hinsicht ganz der Alte.

Die abgelesenen Ansagen und Zwischentexte werden immer noch wie von einer Stewardess vom Blatt gesungen und mit jeder Menge unsinniger Pausen garniert ("sorgt weltweit - für Schlagzeilen"). Und er sitzt noch immer mit jungenhaftem Charme vorne auf dem Stuhl, bestens informiert, eine Handvoll Zettel vor sich, und reißt mit jeder neuen Frage ein ganz neues Thema an. Dazu schaut er vor allem in die Kamera und weniger seine Gäste an.

Fiebriger Ehemann

Dabei sind die Fragen manchmal ein bisschen sehr schlicht. Ein "Sie stehen mit 102 auf der Bühne. Was bedeutet das für Sie, dass das noch möglich ist?" für Herrn Heesters, ein "Wie ist das, jemand gegenüber zu sitzen, den Sie schon als Kind bewundert haben?" für Herrn Karasek und ein "Wenn du andere Männer getroffen hast, wie fiebrig war dein Ehemann?" für Frau von Kürthy. Bin ich froh, dass mir niemand eine dieser drei Fragen gestellt hat.

Aber vor lauter Quotendruck soll man ja in einer Sendung von 75 Minuten nicht nur 45 Minuten einer lebenden Legende zuhören können (Zielgruppe älter), Hellmuth Karasek muss auch noch einen bösen Verdacht zu Herrn Grass äußern dürfen (Zielgruppe intellektuell) und Ildikó von Kürthy darf auch noch 15 Minuten ihr Baby erwarten (Zielgruppe jung und weiblich). Damit wären dann alle möglichen Zuschauer angesprochen.

Aber um alle Zielgruppen bedienen zu können, dürfen die Gäste nur nicht zu lange reden. Manchmal werden sie von Herrn Beckmann schon unterbrochen, bevor sie die Antwort gegeben haben, und er leitet zu etwas anderem über. Eine Geschichte von Herrn Heesters wird mit einem kurzen "So ist das Leben!" abgebrochen, um ihn nach seinen Stimmübungen zu fragen. Oder Frau Rethel-Heesters erzählt gerade von Verehrerinnen ihres Mannes, die kurz danach im Krieg umgekommen sind. Nächster Satz Beckmann: "Das sind natürlich alles Dokumente einer unglaublichen Zeitgeschichte, die Jopi Heesters gestaltet hat." Nächstes Thema.

Zuhören ist nicht seine Stärke

Und wenn er "Das ist großartig!" vor sich hinmurmelt, glaubt man zu wissen, dass er bereits bei der Formulierung der nächsten Frage ist. Denn Zuhören ist nicht so ganz seine Stärke. Zum Beispiel sagt Beckmann zu Frau Rethel-Heesters: "Er war 63. Sie waren 15 und fest entschlossen!" Rethel-Heesters: "Was heißt entschlossen?" Beckmann irritiert: "Ihn nicht nur kennen zu lernen, sondern äh, äh... NOCH näher kennen zu lernen." Möglicherweise war er da nicht so ganz bei der Sache. Denn heiraten wollte sie ihn mit 15 sicher noch nicht.

Mal erklärt er, was Frau von Kürthy sagen will, mal verhindert er, dass Frau Rethel-Heesters ausredet und spricht solange zeitgleich mit ihr, bis sie aufgibt. Man springt von Grass zu Eva Herman, von Hitler zu Peter Alexander, vom Altern in Würde zu Alzheimer und dann zum Fitnessprogramm von Herrn Heesters.

"Sie müssen wiederkommen"

Dazwischen dann ein paar Wortgebilde, die auch nach mehrmaligem Hören nicht so ganz zu verstehen sind. Beckmann: "Wie ist das in der Schwangerschaft bei dir? Ist das so diese Essgefühle, Geruch, all was da so ne Rolle spielt?"

Beim "Tschüss" am Ende küsst Beckmann dann fast die Kamera und verspricht, dass der bunte Reigen an Themen nächste Woche fortgesetzt wird. Also alles beim Alten. Der neue Beckmann ist der Alte. Um es mit seinen Worten zu sagen: "Sie müssen wiederkommen. Das kann irgendwie nicht beim letzten Mal gewesen sein." ARD, Montagabend.


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