Deutscher Comedy Preis 2007 Wo bleibt der Sonderpreis für Gülcan?


Während die Musikindustrie über mangelnde Absatzzahlen jammert, haben die Komiker Rekorderfolge. Eine Branche feiert sich selbst bei der Verleihung des deutschen Comedy Preises 2007 im Kölner Coloneum. Doch auf dem Zenit des Erfolgs könnte bald Stagnation drohen, denn die Gesichter sind immer die gleichen.
Von Kathrin Buchner

Elf Preise galt es zu vergeben, fünf davon gingen mehr oder weniger an RTL, dort wird die Verleihung des deutschen Comedy Preises seit 1998 ausgestrahlt. Es waren die üblichen Verdächtigen, die die Preise absahnten: Hape Kerkeling setzte sich gegen Mario Barth und Oliver Pocher durch, Mario Barth bekam dafür den Preis für die beste Live Comedy, Christoph Maria Herbst wurde schon zum dritten Mal bester Schauspieler.

Bei den Damen waren die Namen ähnlich bekannt: Gaby Köster schlug Cordula Stratmann und Mirja Boes - mindestens der dritte Preis dieser Art steht bei ihr schon im Regal. Das hat sie mit Anke Engelke gemeinsam, die in der Kategorie "beste Schauspielerin" leichtes Spiel hatte gegen die noch eher unbekannteren Kolleginnen Caroline Kebekus und Josefine Preuß.

Besonders einfach hatte es sich die Jury unter dem Vorsitz von Thomas Hermanns bei der Wahl zur besten Komödie gemacht: Zur Märchen-Komödie "7 Zwerge - Der Wald ist nicht genug" gab es keine Konkurrenznominierung. Und so wackelten die Zwergendarsteller auf die Bühne, Ober-Zwerg Otto Waalkes bedankte sich per Videobotschaft, ein Zwergen-Schauspieler schrie "es ist geil, ein Zwerg zu sein" - peinliches Highlight des Abends, der ansonsten zumindest kurzweilig war.

Und das ist ja auch das Mindeste, was man von einer Verleihung des Comedy Preises erwarten kann. Atze Schröder, seit 2002 Moderator der Veranstaltung, führte wie gewohnt launig und unterhaltsam durch den Abend. Er bauchpinselte die Branche "Rock'n'Roll der Neuzeit", witzelte übers Promi-Pilgern und darüber, wie Realität Comedy überholt, "Naddel ist jetzt Volksmusikstar in Österreich". Ehrliche Freude hatte er daran, dass sein Appell der Frauenquote auf fruchtbaren Boden gefallen ist.

Deutsche Comedy-Formate verkaufen sich mittlerweile auch im Ausland gut - das griff Anke Engelke in ihrer englisch-radebrechenden Hommage auf die besten Schauspieler auf. Zumindest vielseitig waren die Reden: Laudator Johann König spielte seine Rede auf Tonband ab, Oliver Pocher ahmte Mario Barth treffsicher nach, Paul Panzer konstruierte seine Laudatio-Rede subversiv-innovativ nach dem Baukastenprinzip aus vorgegeben Satzteilen. Michael Mittermeier gab Anekdoten zum Berühmtsein zum Besten - wie es ist, wenn die Boutiquenverkäuferin partout nicht glauben will, dass er der Comedystar ist "jetzt heißen sie auch noch wie der Michael Mittermeier".

Helge Schneider mit seinen Trompeten aus Mexiko spielte Samba-Jazz. In Poncho und mit Sombrero sang er "Sexy Mexiko" und steppte dazu auf seinen Plateauabsätzen. Richtig Schwung in die Bude brachte Cindy aus Marzahn, Gewinnerin des Newcomer-Preises. Eine Wuchtbrumme mit Power und Berliner Schnauze, die da in den Kölner Klüngel mit Vehemenz einbrach "ich bin froh, dass ich in den Plastikstuhl passe".

Der Ehrenpreis ging an keinen geringeren als Vicco von Bülow, besser bekannt als Loirot. Und eigentlich hätte es auch noch einen Sonderpreis geben müssen für Gülcan und ihren Angetrauten, den Konzern-Erben Sebastian Kamps. Mit ihrer Real-Soap "Gülcans Traumhochzeit" waren sie Quell des Witzes und für flapsige Kommentar nicht nur an diesem Abend, "Döner sucht Brot" von Oliver Pocher beispielsweise. Mit gelassenem Lächeln und Spaß an Selbstkritik ertrugen Gülcan und Sebastian Kamps die Spötteleien und blieben auch noch auf der Party - diese Souveränität gehört gewürdigt!


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