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TV-Kritik

"Die große Bauern-Olympiade": Watteweiche Spielchen

Bauern gegen Promis, Traktoren gegen Trizeps: "Die große Bauern-Olympiade" bei RTL klang nach einer spannenden TV-Gaudi, entpuppte sich aber als müdes Geplänkel ohne Dramaturgie – aber mit Minipony.

Von Simone Deckner

Die große Bauern-Olympiade

Das Promiteam mit Ailton,Thorsten Legat, Detlef Steves, Jürgen Milski und Sam Eisenstein (v.l.) tritt zum 'Wiesen Slalom' an

Vorweg, es war ja nicht alles Gold in Rio: Die Schwimmsportler mussten ihre Astralkörper in grünes Ekelwasser tunken; einer Radsportlerin flog während des Rennens ihre Sitzgelegenheit um die Ohren; ein Geher ließ gleich alles laufen. Rio 2016, das waren auch die Spiele von angerissenen Kreuzbändern und angeknacksten Karrieren: allen voran die des randalierenden Räuberpistoleros Ryan Lochte.

Alles nicht so schön. Aber nachdem man 120 Minuten lang "Bauer sucht Frau – die große Bauernolympiade" auf RTL gesehen hat, weiß man aber die Ereignisdichte eines Vorlaufs im Einer-Kajak erst richtig zu schätzen. Was war geschehen? RTL wollte – gar nicht so abwegig – noch ein bisschen im Windschatten der nachts zuvor beendeten Spielen in Brasilien segeln. Mit Sport musste das gar nicht zwingend zu tun haben.

Die große Bauern-Olympiade: gut gefüllte Reservebank

Wettbewerbscharakter allein reichte schon. Wie gut, dass für solche Angelegenheiten eine gut gefüllte Reservebank an Reality-TV-Prominenz irgendwo in den weitläufigen RTL-Katakomben stehen hat: Thorsten "Kasalla" Legat, Jürgen Milski, Ailton und Detlef "Deffi" Steves etwa. Wer, wenn nicht diese allzeit bereiten Bekloppten verkörpern das olympische Motto "Dabei sein ist alles" besser? Den Part des machohaften Muckimannes übernahm bei der großen Bauernolympiade ausnahmsweise nicht der Mann Aurelio, sondern ein gewisser Sam Eisenstein, Soap-Star und Stuntmann ("Alarm für Cobra 11").

Ihnen gegenüber: ein Team aus fünf "Bauern-Allstars" des RTL-eigenen Erfolgsformats " ". Schäfer Heinrich und Josef von Narumol und Josef sowie der Bruno, der Leonhard und der Gunther. Da saßen sie nun in Lederhosen und roten Karohemden (die Bauern) und Lederhosen und blauen Karohemden (die Promis) in einer nachgemachten Scheune irgendwo in Deutschland und freuten sich. Wer braucht das Girl von Ipanema oder die Christus-Statue, wenn er Inka Bause im Dirndl und den göttlichen Jochen Bendel ("Ruck Zuck!") haben kann? "Es gibt hier heute nur Gewinner", flötete die Bause mit der Hagebuttenteestimme einer Kindergärtnerin. "Wir tun auch was für den Geist heute in der Show", log Co-Moderator Bendel gut gelaunt weiter.

In Spiel 1 fuhren die Teams mit auf einer Wiese Slalom. Beim zweiten Spiel mussten sich Zwei in ein Fuchskostüm stecken lassen und Plüschhühner einsammeln, derweil die anderen Tennisbälle aus Riesen-Zwillen auf sie abfeuerten. In Spiel 3, laut Bause "ein Superspiel", mussten die Teams Strohballen auf ein rundes Brett werfen. Es klingt exakt so langweilig wie es anzusehen war.

Zwischen den Spielen spielte RTL ein "Best Of" alter "Bauer sucht Frau" Fremdschäm-Szenen ein: Ein Bauer sitzt mit nacktem Oberkörper am Frühstückstisch. Ein Bauer führt vor den entgeisterten Augen einer Kandidatin einen wirren Discotanz auf. Ein Bauer bestreicht sich sein Brötchen fingerdick mit Ketchup. Dazu sprach ein Offsprecher dummes Zeug wie "Die schlausten Bauern haben die dicksten Muskeln." Nicht mal für die sonst allgegenwärtigen Alliterationen reichte es.

Kurz kam Stimmung auf, als Nicki, kleinstes Pony der Welt, ins Studio trottete und alle ein Grinsen im Gesicht hatten, als schauten sie Videos von süßen Kätzchen im Internet. verlor komplett die Contenance beim Anblick des gefleckten Mini-Ponys: "Das ist das schönste Pferd, dass ich je gesehen habe in meinem Leben", seufzte er. "Das äpfelt wie ein großes Pferd", stellte Minipony-Betreuerin Susanne klar, außerdem sei Nicki "eher ein Weideunfall", der von seinen großen Artgenossen gemobbt werde. "Sie hat ein gutes Bein und ein tadelloses Euter", erklärte hingegen der Besitzer von Lady Gaga, einer schwarzbunten Kuh, genauer: der schönsten Kuh Deutschlands. Interessanter wurde es dann nicht mehr.

"Klappe! Ich fall' gleich in die Pisse rein!"

Man konnte noch müde dabei zusehen, wie er sich in einer Schubkarre herumkurven ließ und dabei, in einer Neuauflage einer legendären Dschungelprüfung, wütend Schreie ausstieß wie ein Papagei auf Speed: "Halb links! Fahr halb links! Halb links! Halb links! Mach! Halblinks! Fahr!" Im Finale mussten die Bauern und Promis dann gelbe Gummistiefel von einem Donnerbalken auf ein Ziel im See schleudern, direkt vom Fuß weg. "Klappe! Ich fall' gleich in die Pisse rein!", zeterte Detlef "Deffi" Steves in gewohnter "Deffi"-Art. Schäfer Heinrich demotivierte sich geduldig mit Anti-Durchhalteparolen wie: "Nein, das schaffe ich nicht, niemals. Und schwimmen kann ich auch nicht." Dann pfefferte er seinen Gummistiefel punktgenau ins Ziel. Es war wie ein zäher Kindergeburtstag, bei dem man hoffte, dass bald jemand die Spiele unterbrach, um Kuchen und Cola zu bringen.

Am Ende hatten die Promis die Bauern besiegt. Noch bevor DJ Ötzi ("A Mann für Amore") zum finalen Abgesang einsetzte, verkündete Steves, man werde 50:50 machen mit den Zweitplatzierten. Das Geld kommt wohltätigen Zwecke zugute. Sollte RTL eine Fortsetzung seiner Bauernolympiade planen, empfiehlt es sich aus dramaturgischen Gründen vorsorglich die Hahner-Zwillinge anzufragen. Oder lieber gleich Christoph Harting.

Dschungelcamp 2017: Diese Kandidaten wünschen wir uns im Urwald
Uli Hoeneß

Er ist wieder da: Nach seiner Haftentlassung ist Uli Hoeneß sicher offen für neue berufliche Herausforderungen. Da käme eine Reise in den australischen Urwald doch ganz recht. Immerhin hat der Wurstfabrikant Erfahrung mit dem Eingesperrtsein, da kann er die 16 Tage im Dschungelcamp doch an einer Arschbacke absitzen. Die Teilnahme an der RTL-Show ließe sich auch mit seinem geplanten Wiedereinstieg beim FC Bayern München verbinden: Denn "Ich bin ein Star" läuft im Januar - und da befindet sich die Fußball-Bundesliga noch in der Winterpause.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo