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"Ich bin ein Star": Und am Ende siegt immer das Tuntige

Dschungelcamp, Tag 13: So schnell geht Imagewandel. Gestern noch der proppere Dschungelbär, heute das feiste Faultier. Doch das Publikum verlangt gnadenlos nach Unterhaltung und daher ist Schluss, Aus, Ende für einen, der nur noch bräsig im Urwald herumlag. Der Sieger steht ohnehin schon fest - denn Deutschland hat ein Herz für Tuntiges.

Von Dirk Benninghoff

Sie kreischen, heulen, jaulen, stöhnen, jubeln und laufen selbst bei den profansten Dingen vor Emotionen über wie normale Menschen nicht bei der Geburt des ersten Kindes oder dem Gewinn der ersten Goldmedaille: Tunten, oder wie Wikipedia sie definiert "Schwule, die durch ein besonders affektiertes Verhalten auffallen". Oftmals, so das Online-Lexikon, werde der Ausdruck mit Transe gleichgesetzt. So soll es auch diesmal geschehen, denn bekanntlich ist Lorielle London seit kurzem eine halbe Frau.

Der frühere Castingshow-Sänger schickt sich an, im Dschungelcamp 2009 in die Fußstapfen des letztjährigen Siegers Ross Anthony zu treten, jenem sympathischen Klischeeschwulen, der seither in RTL-Shows wie "Die singende Firma" mit arg übertriebenem Gejohle, Geheule und Gehüpfe die Nerven der Zuschauer zerfetzen darf. Denn der Deutsche liebt seine Tunten. Wenigstens an ihnen kann er liberale Gesinnung und Toleranz praktizieren. Das Herz des Bundesbürgers schlägt höher, wenn Männer Handtaschen schwingen, Stöckelschuhe tragen oder schrill durch die Gegend gackern.

So erklärt sich Anthonys Dschungelsieg. So wurde "Der Schuh des Manitu" zum Blockbuster, dessen einziges witziges Element ein ultraschwuler Indianer ist. So strömen Heteros seit Jahren zum "Christopher Street Day". Auch Dschungelcamp-Moderator Dirk Bach hat seinen Erfolg vor allem der ungebrochenen Freude am Tuntigen zu verdanken.

Allerbeste Urwald-Siegchancen für Lorielle London also, die auch gestern wieder allerhand "Äääööhhhs", "Uuuhhs" und "Aaauuus" ausspuckte, sich bei der Dschungelprüfung aber erneut hartgesotten zeigte. Nachdem sie beim letzten Mal leckere Ekeldrinks vom Schlage "Penis Colada" herunterkippen musste, watete die Frau mit dem Gemächt diesmal durch einen Waschzuber voller Gülle und war hinterher so süß, dass Moderatorin Sonja Zietlow "es adoptieren" möchte. Dass LL zum ersten Mal blank zog und ihre Brüste präsentierte - freilich unter der Haarpracht - könnte zwar zu Abzügen auf der Tuntenskala führen. Zietlow verkündete dennoch vollmundig: "Die Leute lieben Dich!"

Denn "Lori" konnte auch mit der Bekenntnis aufwarten, noch nie penetriert zu haben oder penetriert worden zu sein. Und das mit 25. Es müsse erst noch der Richtige kommen. Wenn das mal Campkollegin Gundis Zámbó beherzigt hätte. Mit zwölf hatte sie zum ersten Mal Sex! Diese Kunde schockierte selbst Ossi Nico Schwanz, der mit 13 zum ersten Mal beischlief.

Schlafen, allerdings ohne Sex, war zuletzt eine Lieblingsbeschäftigung von Günther Kaufmann. Zu Beginn der Staffel war er der freundliche Brummbär, der Probleme beherzt in die Hand nahm. Im Laufe der Tage ging Meister Petz aber ein und lag nur noch bräsig im Wald rum. "Noch träger als Günther", spottete Dirk Bach, "ist nur noch Ingrids Verdauung." Superwitz des Tunten-Komikers - und äußerst zutreffend.

Auch ließ zuletzt offenbar die Körperpflege - im Dschungel ohnehin ein schwieriges Unterfangen - zu wünschen übrig. Jedenfalls hieß es vor seinem Rauswurf, der Günther würde stinken. Am Gemächt hatte sich der Schauspieler schon zuvor ausgelassen gekratzt und keinen Zweifel daran gelassen, dass er wenigstens im biologischen Sinne noch Eier hat, sich also immer mehr zum feisten Camp-Macho wandelte, der auch noch gefüttert wurde. Kaufmann mutierte zur Anti-Tunte - und hatte damit selbstredend ganz schlechte Karten beim Zuschauer.

So dürfte auch Nico Schwanz ein baldiges Ableben im Camp bevorstehen. Der letzte Kerl im Dschungel wird das nächste Opfer des Zeitgeistes werden, obwohl er sich schon jetzt alle Mühe gibt, sich unter die Mädels und die Transe zu mischen und ja nur nicht als Mann aufzufallen. Ab heute Abend wird das einzig Männliche im australischen Dschungel wohl der Schwanz sein, den Lorielle London wie ein Mahnmal seines Ex-Geschlechtes vor sich herträgt.

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