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Dschungelcamp 2011 Die RTL-Hölle öffnet ihre Pforten


Rainer Langhans und zehn weitere "Stars" tauschen heute Abend ihr lauschiges Hotelzimmer gegen das entbehrungsreiche Dschungelcamp ein. Dort erwartet sie rationiertes Essen und Ekelprüfungen. Die größte Herausforderung jedoch werden sie selbst sein.
Von Carsten Heidböhmer

Die Zeit wird hart und entbehrungsreich: Auf Rainer Langhans, Eva Jacob und die neun anderen Kandidaten, die ab heute Abend (22.15 Uhr auf RTL) ins Dschungelcamp einziehen werden, warten ungemütliche Tage: Sie müssten zwei Wochen lang in einem rudimentär ausgestatteten Lager hausen, in dem es lediglich eine Feuer- und Wasserstelle, Schlafplätze sowie ein Plumpsklo geben wird. Jeder "Star" darf nur zwei persönliche Gegenstände mitnehmen.

Die Verpflegung ist streng rationiert: Es gibt lediglich Reis und Bohnen. Mehr gibt es im Tausch gegen Holzsterne, die die Promis sich in verschiedenen Dschungelprüfungen erarbeiten müssen. Jeder Stern bedeutet eine Essensration. Die Prüfungen haben es in sich: Mal müssen die Kandidaten Kleintierchen wie Kakerlaken oder Wasserspinnen in den Mund nehmen, ein anderes Mal legen sie sich mit zahlreichen Ratten in einen gläsernen Sarg legen. RTL hat nach eigenen Angaben für diese Ekel-Prüfungen rund eine Million Kakerlaken bestellt.

Wer sich der Mutprobe stellen muss, entscheiden in der ersten Woche die Zuschauer. In der zweiten Woche müssen die Camp-Insassen selbst einen aus ihrer Reihe ernennen. Die Zuschauer dürfen dafür ab dem 22. Januar entscheiden, welcher Promi die Show verlässt: Der Star mit den wenigsten Anrufen muss gehen. Jeden Tag wird es einer weniger, bis am Schluss drei übrig bleiben. Aus diesem Trio wird dann am 29. Januar der Dschungelkönig gekürt - und damit der Nachfolger der bisherigen Staffelsieger Costa Cordalis, Désirée Nick, Ross Antony und Ingrid van Bergen.

Im Camp herrscht Blutegel-Alarm

Die äußeren Umstände sind alles andere als ideal. Und damit ist nicht die Anwesenheit der beiden Moderatoren Dirk Bach und Sonja Zietlow gemeint, die sich wieder redliche Mühe geben werden, den Kandidaten das Leben noch schwerer zu machen, als es ohnehin schon ist. Auch die Witterung könnte eine zusätzliche Beschwernis werden: Das Camp liegt rund 130 Kilometer südlich von Brisbane, das derzeit wegen der sintflutartigen Regenfälle unter Wasser steht. Und auch im Camp hat die erhöhte Niederschlag-Menge seine Wirkung gezeigt: Es herrscht akuter Blutegel-Alarm. Es wartet also wieder viel Arbeit auf Dr. Bob, den schon aus früheren Staffeln bekannten Dschungelarzt.

Das größte Problem sind aber weder die Egel noch die Ekel-Prüfungen. Das größte Problem dürften die Kandidaten selbst sein. "Die Hölle, das sind die anderen", schrieb Jean-Paul Sartre einmal, und betonte damit, dass die Menschen dazu neigen, sich das Leben selbst schwer zu machen. Das gilt umso mehr, wenn elf starke Charaktere - jeder auf seine Weise im Camp gestrandet - für längere Zeit auf engstem Raum zusammengepfercht werden.

Der Nerv-Faktor ist hoch

Sie alle haben das Potenzial, sich gegenseitig - und auch den Zuschauern - gehörig auf die Nerven zu gehen. Da ist zum einen der Ex-Kommunarde Rainer Langhans, der immer noch glaubt, man könne die Menschheit verbessern, wenn man nur genug miteinander redet. Mathieu Carrière bringt dagegen eine gehörige Grund-Agressivität mit und neigt zum politischen Agitieren. Dagegen dürften "Jahrhundert-Playmate" Gitta Saxx und Ex-Topmodel Sarah Knappik mit dem gesunkenen Beauty-Standard im Urwald zu kämpfen haben. Und wer einmal das Video gesehen hat, in dem die einstige Bro'Sis-Sängerin Indira Weis ihre Zeit in der Abschiebezelle in Florida zur Horrornacht stilisiert, zweifelt daran, dass sie die zweite Woche im Dschungel erleben wird. Und ob die Kandidaten sich freiwillig an den üppigen Busen der mütterlichen Eva Jacob drücken lassen werden?

Selbst Sympathieträger wie der Schwimmer Thomas Rupprath könnten schnell unangenehme Seiten offenbaren: "Sein größtes Problem werden die Haare sein. Ohne Haargel wird er sich viele Gedanken darüber machen, wie er aussieht", lästerte Dschungelarzt Dr. Bob vorab.

Lästereien von allen Seiten

Überhaupt die Lästereien: Schon bevor's losgeht sind die Kandidaten aufeinander losgegangen. Indiras Nacktfotos im "Playboy" sorgten für Aufregung: "Ach Gott, wie schlimm! Früher war sie ein hübsches Mädchen. Jetzt sieht das aus wie ein umoperiertes Ding", ätzte Alt-Hippie Rainer Langhans daraufhin. "Der Langhans ist so ein spießiger Giftzwerg", giftete die Sängerin zurück. Doch auch Eva Jacob schlug sich auf Langhans' Seite: "Wenn SIE das schön findet - ich leider gar nicht!". Und Peer Kusmagk lästerte: "Also bei mir regt sich da gar nix".

Es werden Sticheleien wie diese sein, die den Kandidaten am meisten zu schaffen machen - und dem Zuschauer das größte Vergnügen bereiten werden. Muss man sich um den Zustand der Gesellschaft sorgen machen, wenn ein derart Schadenfreude verbreitendes Format wie "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" wieder Traumquoten einfahren wird?

Man kann es - mit Sartre - auch positiv sehen: Jedes Ehepaar, das sich am Elend der "Dschungel-Stars" ergötzt, macht sich zumindest für eine Stunde das Leben nicht gegenseitig zur Hölle.


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