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TV-Kritik

Dschungelcamp 2019, das Finale: Erst gekotzt, dann gekrönt - Evelyn besteigt den Thron

Ein Dschungelfinale wie ein Kamelpenis: Etwas zäh, aber irgendwie muss man das Teil ja runterbekommen. Für jedes "Oh mein Gott" einen Euro - und man wäre selbst mit 100.000 Piepen nach Hause gegangen.

Von Ingo Scheel

Dschungelkönigin Evelyn Burdecki

Es bleibt dabei: Die ratlosen Gesten und Gesichter der Manager, der besten Freunde oder Hundesitter, die die Geschassten im Hotel empfangen, sind unbezahlbar. Wenn der frisch Entlassene dann noch auf Turbo läuft wie der Mann mit der schiefen Brille, dann hört man die Sollbruchstellen von Down Under bis nach Kölle knirschen. Chris Töpperwien war längst im Hotel angekommen, hätte sich edle Speisen, ein neues Nasenfahrrad und ein Eimerchen Witwe Klicko aufs Zimmer kommen lassen können, stattdessen sprühte der Curry-King immer noch Funken wie ein angeritztes Starkstromkabel.

Dschungelcamp 2019: Das Finale

Sein Kumpel-Betreuer konnte da noch so dezent versuchen, ein wenig an der Selbstdarstellung zu schmirgeln, Chris tiradierte über die Hackfresse, den Kackvogel, den Gillmeier, wie Bastian Yotta im richtigen Leben, so es denn eins gibt, heißt, und spuckte die Silben aus wie ein gut geöltes Schnellfeuergewehr. Da bleibt abzuwarten, mit welcher Aromatherapie hier wieder eine Art Mitte gefunden wird. Das Objekt seiner Beschwerde nahm es da deutlich leichter, zumal für ihn sowieso klar war: "Im Finale stehen nicht die Richtigen."

Im Duden unter "gute Verlierer" also eher kein Porträtfoto von Bye-stian. Gespannt darf man aber durchaus sein, was da noch kommt, denn Yotta alias Gillmeier, der sich stilecht in einem Gebüsch am Straßenrand eine Scheibe Schinken als heißersehnten ersten Snack reinfegte, während Sandra lüstern ein "Magnum" zerknackte, hat große Pläne: "Für mich beginnt das Leben erst nach dem Dschungelcamp!" Nun denn.

Peter Orloff hat sein Leben gelebt

Wer dagegen Peter Orloff auf den letzten Metern beobachtete, hätte auf die Vermutung kommen können, dass es sich bei ihm genau anders herum verhält. "Ich habe mein Leben gelebt", entfuhr es ihm, als der Dschungelprinz, wie er sich selbst nannte, mit der Bronzemedaille das Camp verlassen musste. Man weiß ja, was gemeint ist. "Es geht jetzt erst richtig los", schob er denn auch eifrig hinterher. Na also. Freuen wir uns drauf.

Ansonsten lief das Dschungelfinale so wie ein Dschungelfinale eben läuft. Sie kamen als Stars und gingen als Menschen, brachte es Daniel Hartwig auf den Punkt und musste dabei nicht mal kichern. "Leaving Meckerland" hieß das Realitydrama, das vor der Krönung schnell abgehandelt war. Yotta war nicht mal mehr Willens, ein paar nette Grüße von Evelyn mit nach draußen zu nehmen - "Ne, ich denk an andere Sachen, aber bestimmt nicht an sowas" - und hatte dabei einen seiner eigenen Kalendersprüchlein wohl schon wieder vergessen: "Karma siegt immer". An anderer Stelle gab Torsten Legat ihm im Geiste bestimmt recht, für seine Dienste als exhumierter Ex-Insasse bekam der Kasalla-Kamerad einen Hoden-Orden ans T-Shirt gebappt. Fürwahr ein feierlicher Moment.

Evelyn kotzt und wird gekrönt

Weniger feierlich dagegen die Dschungelprüfung. Die Bilder der kotzenden Evelyn dürften die Zeit überdauern: Im hohen Bogen schwallerte die spätere Monarchin das schwerverdauliche Lammhirn über den Tisch. Beeindruckend jedoch, wie schnell sie sich erholte, anschließend Pimmel-Snack und Skorpion relativ souverän knabberte, um am Ende drei Sterne zu ergattern. Peter hatte zuvor in beeindruckender Manier fünf Sterne eingesackt, Felix musste anschließend mit der Zunge die Sterne losschrauben, erinnerte dabei entfernt an diesen Typen, der neulich vier Stunden an einem Klingelschild geleckt hatte, und sackte ebenfalls fünf Sterne ein.

Der Lohn der Angst: das traditionelle Dschungeldinner der drei Finalisten. Es zeugt vom ungebrochenen Humor des RTL-Teams, dass hier rohes Fleisch, Oktopus-Ärmchen und Bohnen serviert wurden. Nun gut, vielleicht wollte man die prüfungswunden Gaumen der Gefangenen nicht gleich überfordern, immerhin gab es auch noch Spaghetti mit Tomatensoße. Vom Miracle Morning zum Miracoli Evening, da konnte sich Evelyn denn auch kaum noch im Zaum halten und stieß "Oh mein Gott"-Schreie in den Nachthimmel, so dauerhaft, so nervenzersetzend, man konnte sich direkt vorstellen, wie der Angerufene irgendwo da oben saß und sich die Ohren zuhielt.

Evelyn will Brunnen bauen

Dann war es relativ zügig vorbei. Peter kippte seinen Metaxa und erzählte auch nochmal irgendetwas vom Allmächtigen. Felix bekundete, vom möglichen Preisgeld etwas an ein Hundeheim spenden zu wollen und Evelyn halluzinierte eine letzte Verbalwolke, in der es um Brunnenbau, Kinder und Brot auf dem Tisch ging. Was das genau ist, was sie da mit ihren 100.000 Euro Preisgeld anstellen will, kann sie ja vielleicht auf einer ihrer Dienstreisen nochmal erklären. Am Ende holte sie, nicht so ganz überraschend, die Dschungelkrone und tritt damit die Nachfolge der Vorjahreskönigin Jenny Frankhauser an. Evelyns Botschaft ans Volk: "Ich liebe euch, ich versuche, euch alles zurückzugeben!" In diesem Sinne: I’m Strong, I’m Hilti und bis zum nächsten Jahr!

Woher kennt man eigentlich Evelyn Burdecki?