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TV-Kritik

Dschungelcamp: Zickenkrieg der Kerle und die Hoffnung auf ein bisschen Bunga Bunga unter Palmen

Erleben wir endlich mal wieder ein Love-Camp? Zum Auftakt der 13. Staffel flogen zwischen Evelyn Burdecki und Domenico de Cicco die Funken. Eiszeit herrschte dagegen zwischen Currywurst-Chris und Bastian Yotta.

Von Mark Stöhr

Dschungelcamp 2019: Diese drei Neuheiten gab es beim Staffelauftakt

"Ich bin Evelyn und ich habe mich im Fernsehen verlaufen." So gehen Kurzbiografien. Ein Satz, zack, fertig. Realismus statt Rumlabern. Das ist Evelyn Burdecki. Sie weiß, dass ihre Birne bloß begrenzte Kapazitäten hat, wünscht sich aber trotzdem Fame und Bling-Bling. Also verfolgt sie konsequent den Plan B: Bachelor, Bachelor in Paradise, Bohnen mit Reis. Mehr B geht nicht mehr im deutschen Fernsehen. Danach kommt nur noch das Jobcenter.

Wir sind schockverliebt in das blondierte Aschenbrödel mit dem Chantal-Deutsch. Da steht die 30-Jährige zum Auftakt der 13. Staffel Dschungelcamp auf einem Hochhaus, von dem ein wackliger Steg ins Nichts ragt – und fragt allen Ernstes, ob die Kandidaten denn gesichert seien bei der Überquerung des Parcours in ungefähr 150 Metern Höhe. Da wird ihr beim obligatorischen Klamottendurchwühlen durch die Ranger ein Zungenreiniger aus dem BH gezogen. Ein Zungenreiniger, das kann man sich gar nicht ausdenken. Bahnbrechend auch ihre Pluralbildung von "Anus" ("Anüsse"), die nur noch getoppt wurde von ihrem aberwitzigen Englisch ("Do you have Serviettes?").

Die sexuelle Spannung zwischen Domenico und Evelyn war bereits an Tag 1 im Dschungel nur schwer zu leugnen

Die sexuelle Spannung zwischen Domenico und Evelyn war bereits an Tag 1 im Dschungel nur schwer zu leugnen

Domenicos Hormone und liebenswerte Hohlheit

Die Burdecki ist eine Bombe. Kein Wunder, dass Domenico de Cicco bereits wieder leise hechelt. Die beiden verband ja eine Liaison in "Bachelor in Paradise", bis herauskam, dass auf Domenico zuhause eine hochschwangere Freundin wartete. Tränen, Drama, alles aus. In Australien trafen sie sich nun zum ersten Mal wieder.

Dschungelcamp 2019, Tag 1: Schleim, Tränen, Badenixen - die Spiele haben begonnen
Dschungelcamp 2019

"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!": Die 13. Ausgabe des Dschungelcamps hatte gerade erst begonnen, da rief Gisele Oppermann diesen Satz und signalisierte damit, ihre erste Dschungelprüfung abbrechen zu wollen. Erstmals in der Geschichte der Show fand eine Prüfung außerhalb des Dschungels statt. Acht der zwölf Kandidaten mussten einen Wolkenkratzer in "Surfers Paradise" besteigen. In rund 100 Metern galt es, eine schmale und wacklige Planke zu besteigen. Gisele brach jedoch schon vorher in Tränen aus und stieg aus. 

Domenico verläuft sich auch gerne mal. Vorzugshalber in der Syntax seiner Sätze und im weitverzweigten Kanalsystem seiner Hormone und liebenswerten Hohlheit. Gestern brachte sich der 35-Jährige recht treffend selbst auf den Punkt. "Ich bin Italiener", sagte er, "ich habe Feuer, und da lässt man das Feuer ab und zu mal in freier Laufbahn laufen." Evelyn wirkte jedenfalls schon reichlich angesengt, als ihr der Filou aus dem hessischen Linsengericht nach viel Rumgedruckse und einer Kunstpause zuraunte: "Ich habe Angst, dass ich wieder mit dir so weit komme."

Vielleicht erleben wir ja mal wieder ein Love-Camp, mit versteckten Botschaften, heimlichen Berührungen und ein bisschen Bunga Bunga unter Palmen. Das würde Peter Orloff möglicherweise Stoff geben für eine Comeback-Schnulze und ihn aus seinem rastlosen Rentnerdasein befreien. Rüstigkeit im hohen Alter kann auch eine Last sein. Der Körper will noch, doch der Mund sagt Sätze wie: "Gefühle können nie falsch sein." Orloff wird noch ein paar Tage eifrig Brennholz sammeln und Geschirr spülen und dann den Abflug machen.

Sybille Rauch: Ein vom Leben zerbombtes Wrack

Was ist vom Rest der Lagerfeuertruppe zu erwarten? Es gibt die üblichen Rollenfächer. Gisele Oppermann erfüllte schon am ersten Tag alle Erwartungen als Nervenbündel und Phobikerin und bedient den Sadismus des Publikums perfekt. Sie wird mindestens die nächsten sechs Dschungelprüfungen absolvieren, bis sie komplett am Boden ist oder plötzlich mutig wird. Halb aufregend ist auch die Besetzung des "GZSZ"-Darstellers Felix van Deventer als jugendlicher Held. Er putzte gestern ein Fischauge mit Schweinesperma und Kuhurin wie Götterspeise weg und wird es weit bringen.

Dschungelcamp 2019 : Ein Pornostar, ein Ex-Pärchen und die Stimme von Alf – diese Kandidaten sind dabei

Die Rolle als vom Leben zerbombtes Wrack nimmt Sybille Rauch ein. Ihre Darbietung ist eine Spur zu authentisch. Die 58-Jährige ist schon auf eine kaum aushaltbare Art kaputt. Schrecklich ihr beständiges Kokettieren mit ihrer längst vergangenen Sexbomben-Existenz, weil ihr Leben offenbar nie einen anderen Leim hatte. Zu Peter Orloff sagte sie: "Ich kenne viele Sachen von dir – und du, hihi, von mir." Hoffentlich wird sie schnell von den Zuschauern erlöst oder zieht selbst die Reißleine. Noch vage blieb die andere Sex-Akteurin im Camp, Leila Lowfire. Die Bitch-Feministin packte ein paar vorbereitete Bonmots aus ("Wenn Goethe heute noch leben würde, dann in meiner Vagina"), präsentierte sich ansonsten aber eher zugeknöpft. Könnte eine coole Person sein.

Wann kracht es zwischen Currywurst-Chris und Bastian Yotta?

Ein gewisses Potential für dramaturgischen Zunder hat der Beef zwischen dem Currywurst-Selfmade-Rheinländer Chris Töpperwien und Bastian Yotta. Noch gingen sich "die kleine Wurst" (Yotta über Töpperwien) und "Pipi" (Töpperwien über Yotta) aus dem Weg. Als Yotta, in seiner Funktion als "Lifestyle-Coach", einen Teil der Camper zum "Miracle Morning" verdonnerte ("I‘m strong! I‘m healthy! I‘m full of energy!"), zischte Töpperwien ein "Isch krieg‘ den Affen". Könnte noch richtig schön krachen zwischen den beiden.

Evelyn Burdecki wird das wahrscheinlich nur am Rande mitkriegen. Wegen ihrem feurigen Italiener aus Linsengericht. Außerdem ist ihre Weltwahrnehmung generell sehr speziell. Zu Tom Pieper, der in einem Safari-Outfit zum Kick-off-Treffen erschienen war, sagte sie: "Du siehst so fresh aus." Tom Pieper – "fresh". Er war mal die Stimme von Alf. Jetzt ist er vor allem nur noch eins: alt.

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