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TV-Kritik

Dschungelcamp 2020: Abschlussrunde im Baumhaus: Kuscheln statt Konfro – und Danni sagt Sorry

Der Vorhang zu und alle Fragen offen. Zum Beispiel: Hat RTL bei der Reunion im Baumhaus eine Runde Valium springen lassen? Elena war völlig entschärft – und selbst Danni Büchner zeigte etwas, das man nie für möglich gehalten hätte: Selbstkritik.

Von Mark Stöhr

Die Teilnehmer vom Dschungelcamp 2020

Die Teilnehmer vom Dschungelcamp 2020: Markus Reinecke, Elena Miras, Toni Trips, Daniela Büchner, Marco Cerullo, Günther Krause, Sonja Kirchberger, Prince Damien, Raúl Richter, Anastasia Avilova, Sven Ottke (von links oben nach rechts unten

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Bevor wir wieder ein Buch lesen noch das "Große Wiedersehen": Die abschließende Feedback- und Fremdschäm-Runde im Baumhaus, bei der alle Camper ihre größten Peinlichkeiten, Ausraster und Lästereien zu Gesicht bekommen. Eine gute Gelegenheit für Crashs und kleine feine Konfros. Eigentlich. Aber ganz ehrlich, wann hat es das letzte Mal bei der Reunion wirklich gekracht? Die Show ist vorbei, die Teilnehmer wechseln vom Survival- zurück in den Marketing-Modus. Und das heißt: Vom Image retten, was zu retten ist, und den schnell verderblichen Ruhm so effektiv wie möglich ausschlachten. Großes Sorry statt Fuck You.

Am offensichtlichsten zeigte sich der Strategiewechsel von Krawall auf Kreide bei Danni Büchner. Bei wem sonst. Die Frau ist so berechenbar wie der Satz des Pythagoras. Während sie zu Beginn mit demonstrativer Kälte – man könnte auch sagen: gut angepisst – das Geschehen begleitete ("Ich will hier gar nicht viel sagen. Ich wünsche jedem das Beste für sein weiteres Leben. Und ich bleibe dabei: Man war nicht zum Freunde-Finde hier."), wurde sie mit jedem Grusel-Clip über sich weicher. Irgendwann brach ihre Deckung ein: "Ich muss über mich selber lachen, was ich für einen Quatsch erzählt habe."

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Das große Kuscheln. Dabei brachten ihre Kontrahenten durchaus den ganzen Konfliktstoff der letzten zwei Wochen aufs Tablett. Elena, die jeden Blickkontakt mit der Büchner vermied, ätzte: "Jeder, der hier rausgeht, muss sich im Spiegel angucken können. Das ist ganz wichtig. Ich hoffe, sie kann es auch." Sonja Kirchberger war weniger wolkig: "Ich war schnell genervt von ihrer negativen Art. Diese Überdosis Drama und Trauer fand ich schwierig in einem Entertainment-Format. Und ich dachte mir: Mädel, wenn du noch nicht bereit bist für den Dschungel, dann darfst du hier nicht rein." Für Markus Reinecke, den selbsternannten "Trödelfuchs", war der ganze Beef bereits kalter Kaffee: "Wir werden nie beste Freunde werde, wir werden uns auch selten sehen. Viele sind nicht einverstanden mit dem, was Danni gemacht hat. Aber das wird sie noch selber merken."

Dschungelcamp 2020: Prince Damien wird zum König gekrönt

Die gescholtene Malle-Wirtin flüchtete sich in ihr gewohntes Narrativ: Sie musste Geld verdienen für ihre Familie, weil ihr Erspartes aufgebraucht gewesen sei – räumte aber auch ein, dass der Dschungel tatsächlich noch zu früh für sie gekommen ist: "Ich war emotional noch nicht stark genug." Doch die 41-Jährige wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht auch ihr Mea culpa noch zur melodramatischen Danni-Büchner-bitte-verzeiht-mir-Show auswalzen würde, kulminierend in der lachhaftesten Entschuldigung aller Zeiten: "Sollte ich mal gelästert haben, so tut es mir leid!"

Dschungelcamp mit Sternen-Minusrekord

Die Teilnehmer holten nur 63 von 169 Sternen  Selbst Elena war im Rahmen ihrer Möglichkeiten entschärft. Ihren Streit mit Sven "Mach dich vom Acker" Ottke hatte sie schon vor der Show geklärt, trotzdem gab es von ihr noch ein offizielles Sorry ("Ich will mich bei Sven entschuldigen, meine Art ist manchmal ein bisschen drüber."). Man erfuhr, dass der Heiratsantrag ihres Lebensgefährten immer noch auf sich warten lässt. Man erfuhr nicht, was es denn nun mit der obskuren "Bombe" auf sich hat, die sie in der Causa Wendler platzen lassen wollte. Auch Claudia gab sich in der Angelegenheit vieldeutig. Nur so viel: "Laura war nicht der Grund unserer Trennung." Aha.

Bei so viel Selbstanklage und Spekulation kam fast der frisch gekrönte Dschungelkönig zu kurz. King Damien wiederholte noch einmal sein Versprechen, einen Teil seiner Siegprämie – 20.000 Euro – an die Betroffenen der Buschfeuer zu spenden, was Sonja Zietlow wieder völlig aus dem Häuschen brachte ("Warum bist du so ein guter Mensch? Warst du schon immer so gut?"). Ein bisschen Sorgen muss sich der neuer Herrscher allerdings schon machen. Sein Imperium weist eine miserable Produktivität auf. Die 63 von 169 möglichen Sternen sind so wenige wie noch nie in der Geschichte des Dschungelcamps.

Bitte spenden Sie für die Opfer der australischen Buschbrände. Wir leiten Ihre Hilfe weiter. IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01 BIC DEUTDEHH – Stichwort: "Australien"; www.stiftungstern.de


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