HOME

Stern Logo Dschungelcamp

TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 13: Neues von der Legastheniker-Truppe - achja und: Kader rechnet "knallhart" mit RTL ab

Deutsche Sprache, schwere Sprache: Den Dschungelcampern fehlen in der „Honey-Gedächtnis-Prüfung“ komplett die Worte. Frauen-Solidarität tschüssikowski: Kader Loth und Hanka Rackwitz entzweien sich. Ist das noch High Class?

Von Simone Deckner

Tag_13_Dschungelcamp

"Words", sang der gute F.R. David (was macht er eigentlich heut'?) vor langer Zeit, "don't come easy to me". Die Worte, sie wollten ihm nicht so recht über die Lippen kommen. Die Dschungelcamper, sie wissen seit Tag 13, wie leer man sich nach so einem verzweifelten Ringen nach Worten fühlen kann. Wie sprachlos. Und sinnentleert.

Wenn man etwa Worte wie das wirklich hässliche "Fäkalsprache" buchstabieren soll. An alle Camper: Jeder bitte nur einen Buchstaben! Und wenn man dann eben Thomas "Icke" Häßler heißt und direkt anfängt Fäkalsprache mit V zu buchstabieren. Dann ist das halt blöd. Oder wenn man "Arachnophobie", also die Angst vor Spinnen, auseinander klamüsern soll und felsenfest davon überzeugt ist, dass sich das halt mit G schreibt. So wie Florian Wess. Oder man nennt sich Mallorca-Jenser. Dann kann man ja von Berufs wegen eigentlich nur Worte wie Schalalala unfallfrei artikulieren. Da denkt man dann schon mal, dass Teppichpython irgendwie Teppichopython geschrieben werden muss. "Pardon", sagt Jens Büchner nach seinem linguistischen Lapsus. "Oh je, eine Legasthenikergruppe", sagt Hanka und hat die Situation wieder einmal am besten erfasst.

Die sechs verbliebenen Dschungelcamper brauchen nicht mal einen Alexander "Honey" Keen, um die "Honey-Gedächtnis-Prüfung" kollektiv zu versemmeln. Nachdem sie als menschliche Ausstellungsstücke in Setzkästen (Halskrause zu, Ekelgetier rein) kein einziges Wort korrekt buchstabieren, bleibt das Ergebnis genau so mager wie dereinst mit Hilfe der proaktiven Business-Sprech-Labertasche Honey: null Sterne.

Kader total genervt von Hanka

Aber was sind schon Sterne? Was ist schon die Dschungelkrone? "Die ist nicht mal echt! Das sind nur ein paar Blätter, davon gibt es hier genug", rechnet Kader Loth in einer ihrer unterhaltsamen Wutreden knallhart mit RTL ab. Alles nur schnöde Pflanzen! Nix Bling-Bling! Komplett wertlos! Sie, Kader, habe mittlerweile auch überhaupt kein Interesse mehr an dieser so genannten Dschungelkrone. Was die Gier nach diesem dämlichen Kopfschmuck bei anderen so anrichte, das sehe man ja. Ganz furchtbar sei das! Besonders bei einer bestimmten Person, die hier sowieso alle nerve.

Denn die "größte Herausforderung für alle" sei gar nicht der Dschungel, die Ekelprüfungen, der olle Reis und die ollen Bohnen. "Die größte Herausforderung", spricht Kader und guckt dabei bedrohlicher in die Kamera als "Game of Thrones"-Bösewicht Ramsay Bolton, sei eine andere: die Hanka. "Die redet den ganzen Tag. Die singt den ganzen Tag. Die muss von morgens bis abends im Mittelpunkt stehen."

Kader stützt sich bei ihrer Analyse vorsichtshalber nur auf eigene Statistiken. "Ich habe die Hanka menschlich mal ein bisschen unter die Lupe genommen". Die erschütternde Erkenntnis: Hanka hat es auf die Krone abgesehen. Furchtbar! "Wir sind nur Statisten in ihrem Spiel", so Kader.

Wir erinnern uns: Es ist noch keine zwei Tage her, da schienen die beiden letzten Frauen im Camp sich zu einer soliden Zweckgemeinschaft auf Zeit verschwestert zu haben. Solidarisch im Kampf gegen den einen ätzenden und den anderen adipösen, ätzenden Altherren. Thomas "Icke" Häßler und Jens Büchner schien zuvor mit den Glimmstängeln auch der letzte Rest Anstand abhanden gekommen zu sein. Am Lagerfeuer machten sie sich lautstark über die von ihnen verhasste Hanka lustig.

Stand Kader ihrer Geschlechtsgenossin da noch zur Seite, änderte sie an Tag 13 ihre Taktik radikal. Denn als altes Reality-TV-Schlachtross weiß sie, um einmal mit Marc Terenzi und Heidi Klum zu sprechen: "It's the Regels. Nur eine kann Dschungelkönigin werden." Hanka ihrerseits nennt die Konkurrentin verniedlichend "mein Hase" oder "kleine Powermaus" und fährt ihr regelmäßig über den Mund. Sie solle sich doch bitte nicht so haben, etwa bei der Dschungelprüfung: "So kleene Schlangen, die tun doch nichts."

Der Dschungelcamp-Spruch schlechthin? High Class!

Ist das noch High Class oder schon unterste Schublade? Man sollte Florian Wess fragen. Nicht nur, dass er seinen Spruch unentwegt euphorisch in den Dschungel ruft, der Arme hat ja auch sonst nicht viel, worüber er sich freuen kann. Okay, sein lange entfremdeter Bruder hat ihm einen Brief geschrieben, aber sonst? Wieso kann er eigentlich "nie mal irgendetwas gewinnen?"

Dschungelcamp 2017: Das bedeuten die Tattoos der Dschungelstars

Womöglich muss er sich einfach mal anschauen, wie der Malle-Jens das immer so macht. Schließlich hat der das Jammern zum Beruf gemacht. "Ich bin unfassbar", griente er vergnügt in die Kameras, als es darum ging, Anrufer für seine Wahl zu kobern. Was er uns vermutlich damit sagen wollte: "Ich fasse das alles nicht." Dass er immer noch im Dschungel dabei sei, voll super. Toll. "Ich liebe euch alle." Am Ende musste das BH-Männchen aus Bad Schmiedeberg dennoch gehen. Und mit ihm seine schon hundertmal aufgewärmten Leidensgeschichten.

Aber kein Ding! Die Frau wartet. Und Mallorca. Da wird es dann auch wieder weniger stressig werden für den Jens. Die Besoffenen am Ballermann haben es ja auch nicht so mit dem Buchstabieren. Oder wie F.R. David sang: "It isn't easy. Words don't come easy."

Simone Deckner