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DSDS-Finale 2007: Wie ein Geist aus der Flasche

Märchenhafter Sieg für den Favoriten: Der charismatische Mark Medlock gewann das Finale von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS). Kumpel Dieter Bohlen war fast noch erleichterter als sein Kandidat. Am Freitag erscheint schon die erste Single "Now or never".

Von Peer Schader

Zum Schluss gab es keinen bärigen Jubelschrei, keine gen Himmel gestoßene Faust wie bei Tobias Regner im vergangenen Jahr. Als die Entscheidung gefallen war, ging der Sieger bloß leicht in die Knie, drehte sich weg von der Bühne und riss dann erst mit dem Rücken zum Publikum die Arme nach oben. Bei RTL müssen sie sich ganz schön geärgert haben: Als Zeitlupe taugt dieser Siegesmoment wirklich gar nichts.

Aber Mark Medlock wird es egal gewesen sein: Um kurz nach halb zwölf am Samstagabend war das Bangen vorbei. Die Zuschauer haben Medlock mit erstaunlicher Mehrheit zum Gewinner der vierten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS), 78 Prozent der Anrufer waren für ihn. Hat wirklich ernsthaft jemand daran zweifeln können, dass es so kommen würde?

Dickes Gekumpel mit Bohlen

Allerdings! Jedenfalls nachdem in der vergangenen Woche der Rückkeherer Martin Stosch ins Finale gewählt worden war, und nicht wie erwartet Favoritin Lisa Bund. Für den Sieg hat es dem 16-Jährigen Jungstar dann aber doch an Charisma gefehlt - trotz souveräner Auftritte in dieser letzten Show mit Songs von Ronan Keating und Queen. Dazu hatte "DSDS"-Juror Dieter Bohlen keinen Hehl daraus gemacht, lieber Medlock als Gewinner zu sehen, weil die beiden inzwischen dicke Kumpel sind und Bohlen seinem Buddy sogar die erste Single komponiert hat: "Now or never" - ab diesem Freitag im Handel.

Letztlich ist es Medlock ja zu gönnen: Immer und immer wieder sind die Zuschauer darauf getrimmt worden, wie sehr er es sich wünscht, um ein neues Leben anzufangen - weil er mit dem alten als arbeitsloser Altenpfleger nichts mehr zu tun haben will. Die Eltern sind vor Jahren gestorben, seine Freunde haben den 28-Jährigen durch die Show getragen - so ist Medlock über die Show gewirbelt, am Samstag wieder mit albernem Bartaufsatz, einer langen weißen Strähne am Kinn, die ihn aussehen ließ wie einen Geist aus der Flasche in tausendundeiner Nacht.

Finale der Wiederholungen

Mit "What a wonderful world" von Louis Armstrong und "Easy" von Lionel Richie lieferte Medlock gewohnt sichere Auftritte ab und machte eine gute Figur bei "Now or never", einer harmlosen Bohlen-Nummer, die zum Schluss ins Gospelige abrutscht - und sich gar nicht so sehr unterscheidet von dem für Stosch komponierten "I can reach heaven from here", das zum Schluss ins Gospelige abrutscht.

Macht ja nichts. Für RTL war es eh das Finale der Wiederholungen: Der Sender wiederholte zwischen den Auftritten erneut die lustigsten Casting-Momente und die schönsten Szenen der Finalisten. Stosch und Medlock wiederholten ihre besten Songs aus den Mottoshows. Und Marco Schreyl kam mit Tooske Ragas überhaupt nicht mehr davon weg, ständig zu wiederholen, dass das hier nun "das spannendste und größte Duell des Jahres", "die Entscheidung des Jahres", "die spannendste Show im deutschen Fernsehen" beziehungsweise "das größte TV-Duell" sei.

"Danke, dass du meinen Song gesungen hast"

Das war natürlich Quatsch. Sicher wollte man zum Schluss wissen, wer denn nun das Rennen macht. Aber jetzt können viele Zuschauer erleichtert sein, dass es vorbei ist, weil sich die Shows zuletzt immer mehr wie Kaugummis streckten. Diesmal waren zum Schluss aber noch einmal fast 6 Millionen Zuschauer dabei, bei den 14- bis 49-Jährigen erzielte die Entscheidungsshow ab 23.10 Uhr satte 40 Prozent Marktanteil - ein großer Erfolg für RTL nach dem Ärger mit dem Aussteiger Max Buskohl, der kein Thema mehr war.

Bohlen, in der Show ungewöhnlich handzahm, sagte nach Medlocks Auftritt völlig entgeistert: "Danke, dass du meinen Song gesungen hast." Jetzt will er mit Medlock ein Album aufnehmen und hofft, dass ihn nicht dasselbe Schicksal ereilt wie die anderen "DSDS"-Gewinner, für die sich das Publikum nachher kaum noch interessierte, als es nicht mehr wöchentlich mit ihnen mitzittern musste, ob sie in die nächste Show kommen.

Stosch blieb gelassen

Ob das wirklich gelingt? Medlock ist vielleicht ein sympathischer Typ und hat eine prima Stimme, aber ein bisschen auf die Nerven gehen kann er einem schon, wenn er nie auf Fragen antwortet, sondern immer nur in breitem hessischen Dialekt brüllt: "HAMMER!", "Ich find euch so geil!", "Ich liebe euch abgedrehte Menschheit da draußen."

Mehr hat nicht einmal Frauke Ludowig aus ihm herausgekriegt, die nach der Show das "Exklusiv"-Spezial "Die Nacht der Superstars" von der Aftershowparty in Köln moderierte und so zackig Fragen stellte, dass ihre Gesprächspartner öfter mal Antworten von vorher wiederholen mussten, weil ihnen nichts mehr einfiel. Ein sichtlich begeisterter Bohlen ulkte: "Wir machen jetzt das neue Modern Talking." Medlock war kaum noch ansprechbar. Und Stosch blieb bewundernswert gelassen.

Jetzt haben sich die Zuschauer eine "DSDS"-Pause verdient. Und wer trotzdem nicht genug von der Superstarsuche bekommen kann, schaltet einfach Pro Sieben ein: Dort startet Mitte Juni die nächste "Popstars"-Staffel. Immerhin: ohne Dieter Bohlen.