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Erstlingswerk von Alice Brauner: Deutsch-jüdische Liebesbeziehung in "So ein Schlamassel"

"So ein Schlamassel", die erste eigene Produktion von Alice Brauner, zeigt deutsch-jüdische Konflikte auf eine leichte Art.

Die jüdischen Eltern sind verzweifelt. Die Tochter liebt einen Nicht-Juden, einen Goi! "Die sind so anders als wir." Die Tochter: "Die Glücklichen!" Und: "Einer kann hässlich wie ein Affe sein - Hauptsache, er ist Jude, nicht wahr?"

Produzentin Alice Brauner lächelt dazu: "Ein wenig war das ja auch mein eigenes Schicksal. Ich habe mir mit Rücksicht auf meine Eltern die Augen nach einem geeigneten jüdischen Partner ausgeschaut. Dann ist es doch ein Katholik geworden, und ich bin sogar sehr glücklich mit ihm." An diesem Freitag (20.15 Uhr) läuft in der ARD ihre schon bei den Hofer Filmtagen und beim 11. Jewish Jerusalem Festival gezeigte erste eigene Produktion - "So ein Schlamassel".

Die Tochter der Produzentenlegende Artur Brauner hatte als Kind im Film ihres Vaters über den im Konzentrationslager ermordeten Pädagogen und Arzt Dr. Korczak mitgewirkt: "Es war gut, dass mein Vater solche Filme produziert hat, alle sehr ernst und düster. Aber die Zeit heute ist anders", sagt sie.

In ihrem Film über eine deutsch-jüdische Auseinandersetzung geht es, trotz einiger ernsthafter Einschübe, ausgesprochen heiter zu, mit manch boshaft witziger Stichelei sowohl gegen jüdische Traditionsbesessenheit wie gegen den oberflächlichen Philosemitismus bestimmter deutscher Kreise.

Jil, von ihrem jüdischen Freund enttäuscht, will nur noch für ihren Beruf leben, praktisch, ehrgeizig, karrierebewusst. Sie trifft auf Marc, leicht versponnen, nicht so tüchtig. Man ergänzt sich, man liebt sich, wo ist das Problem? Dass Marc kein Jude ist. Also verdonnert ihn Jil, sich als Jude auszugeben. Und er büffelt bis an den Rand der Verzweiflung jüdisches Brauchtum: "Schabbes ist Sabbat, aha, und Massel tov heißt "Viel Glück" und ..."

Natalia Avelon, die Uschi Obermaier im Film um die Kommunenikone, ist die Jil, "ganz anders als die Uschi, nicht wild und egoistisch und mir im Wesen viel näher". Ihr Partner: Johannes Zirner. Beide haben jüdische Wurzeln, geben aber zu, sich erst durch diesen Film mit ihrem eigenen Judentum auseinandergesetzt zu haben. Zirner: "Ich wusste nicht einmal, was ein Goi ist.

Seinen nicht-jüdischen Filmvater spielt sein richtiger Vater August Zirner, dessen Vater wiederum seinerzeit aus Wien emigriert war: "Ich hoffe, dass dieser Film etwas zur Normalisierung der deutsch-jüdischen Beziehung beiträgt, habe aber kleine Zweifel, ob es je eine solche normale Beziehung geben wird", meint er.

Zum prominenten Ensemble des von Dirk Regel nach einem Buch von Daniel Wolf inszenierten Films gehören Marianne Sägebrecht, Gudrun Landgrebe, Michael Mendl. Rolf Hoppe spielt den jüdischen Großvater, der den Holocaust noch vor Augen hat. "Eigentlich ist das, von der Generation her, mein eigener Vater", sagt Alice Brauner. Der hatte für das Erstlingswerk der Tochter nur ein lakonisches Urteil: "Leider gelungen."

DPA / DPA