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Eurovision Song Contest 2013: Engländer wetten Cascada auf Platz drei

Deutschland schickt eine dralle Rampensau mit Europop-Röhre und viel zu kurzem Kleid zum Eurovision Song Contest: Doch wie stehen die Chancen für Cascada in Malmö? Besser, als viele denken.

Von Jens Maier

Cascada sind die Sieger des deutschen Vorentscheids für den Eurovision Song Contest 2013. Viele Fans hätten sich eine mutigere Entscheidung gewünscht, favorisierten den Retro-Gute-Laune-Pop von Betty Dittrich oder den innovativen Elektrosound von Ben Ivory. Doch warum sollte nach dem görigen Fräulein Meyer-Landrut und Knopfauge Roman Lob nicht eine Disco-Dampfwalze wie Cascada an den Start gehen? Ihre Chancen auf eine gute Platzierung stehen besser, als viele denken.

In einer Online-Umfrage von stern.de, an der bis zum Freitagabend mehr als 8000 Stimmen abgegeben wurden, gaben 62 Prozent der User an, das Lied "peinlich" zu finden. Nur elf Prozent halten die Teilnahme der etablierten Künstlerin für "gut". Ganz anders das Bild in Großbritannien. Bei den englischen Buchmachern wird Cascada seit Freitag auf Platz drei gewettet. Das mag noch nicht viel heißen, da nur wenige Teilnehmer für den ESC am 18. Mai bereits feststehen. Aber ein Gradmesser für die Einschätzung ihrer Chancen, europaweit reüssieren zu können, ist es allemal. Die Briten trauen der 31-Jährigen offenbar wesentlich mehr zu, als ihre deutschen Landsleute.

Im Ausland ist Horler ein Star

Nun könnte man sagen, in England wird auch darauf gewettet, wer beim Eurovision Song Contest womöglich von der Bühne fällt. Ein bisschen crazy eben. Aber auf der Insel erinnern sich noch viele an die vorlaute Blondine aus Germany. Natalie Horler landete 2009 im Land der Beatles mit "Evacuate The Dancefloor" einen Nummer-eins-Hit und verdrängte sogar den verstorbenen Michael Jackson von der Chartspitze. Doch Cascada sind nicht, wie von vielen behauptet, ein One-Hit-Wonder, sondern eine Hitmaschine mit über 30 Millionen verkauften Tonträgern und über 1,8 Millionen Facebook-Fans.

Horler ist gebürtige Britin, wuchs aber in Bonn auf. Die Musik wurde ihr bereits in die Wiege gelegt. Ihr Vater ist Jazz-Musiker, ihre Mutter Englisch-Lehrerin. Wer glaubt, die Rheinländerin könnte sich mit einem breiten Akzent in Malmö blamieren, der irrt sich gewaltig. Sie spricht perfektes Englisch. Ihre rheinische Frohnatur und ihre Professionalität werden es ihr leicht machen, den Pressekonferenzmarathon auf dem Weg zum Finale in Malmö mit Bravour zu meistern. Horler ist ein alter Hase im Showgeschäft, ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

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Alles andere als Top Ten wäre eine Enttäuschung

"Ich bin die deutsche Madonna", sagte Horler 2009 zur "Bild"-Zeitung. Mit derlei Höhenflügen hielt sich die selbstbewusste Sängerin am Donnerstagabend nach ihrem Sieg bei "Unser Song für Malmö" zurück. Über ihre Chancen oder Wünsche für eine Platzierung in Malmö gefragt sagte sie, sie wolle "so gut wie möglich" abschneiden. Klar ist aber, dass das Ziel sein muss, mindestens unter die Top Ten zu kommen. Alles andere wäre ein Misserfolg.

Und wie stehen nun ihre Chancen auf einen Sieg? Trotz ihrer großen Bekanntheit nicht sonderlich hoch. Dazu wirkt ihr Song "Glorious" zu sehr nach Vorjahressiegerin Loreen und "Euphoria". Da sind etablierte Künstler schon mit ganz anderen Songs gescheitert - zum Beispiel 1968 der haushoch favorisierte Cliff Richard mit seinem Geburtstagslied "Congratulations". Doch der ESC ist immer für eine Überraschung gut.