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Serien-Finale: Der lange und unvorhersehbare Weg zur Krone in "Game of Thrones"

Nach acht Staffeln "Game of Thrones" ist endlich entschieden, wer nun auf dem Thron Platz nehmen darf. Der Weg zur Krone war lang – und alles andere als vorhersehbar.

Die Krone aus der Serie "Game of Thrones"

Achtung: Dieser Text verrät Inhalte der aktuellen achten Staffel von "Game of Thrones" und aus allen bisherigen Staffeln. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier wirklich aufhören zu lesen.

Seit in der ersten Staffel Robert Baratheon von einer Wildsau niedergestreckt wurde, war klar: Der Kampf um den Thron ist eröffnet. Mit dem großen Finale wurde nun endlich entschieden, wer über Westeros herrscht: Es ist Bran, der Gebrochene, vormals Stark. Kein anderer hätte eine solche Geschichte zu erzählen, behauptet Tyrion Lennister. Tatsächlich hat Bran in den letzten Jahren viel erlebt – aber wenig, was auf seine Thronbesteigung hingedeutet hätte.

+++ Eine Ende mit Schrecken: Lesen Sie hier unsere Kritik des Finales von "Game of Thrones" +++

Reise ohne Beine

Der Anfang von Brans langer Reise ist das Ende der ersten Folge von "Game of Thrones“. Der kletterwütige Stark-Jüngling erklimmt einen der Türme der Heimat Winterfell und schaut ausgerechnet durch das Fenster, hinter dem Jaime Lennister gerade seine Schwester - die Königin - beglückt. Als wäre dieser Anblick nicht prägend genug, schubst ihn Jaime auch noch mit einem lapidaren "Was tut man nicht für die Liebe“ aus dem Fenster – und bringt damit nicht nur Bran in den Rollstuhl, sondern beginnt auch Catelyns Fehde gegen die Lennisters. Das Spiel der Throne beginnt.

Für den jungen Stark ist das aber zunächst egal. Er muss erstmal mit dem Schicksalsschlag zurechtkommen, seine Beine nicht mehr benutzen zu können. Dass beide Eltern dem Jungen mit seinem kleineren Bruder Rickon die Burg Winterfell alleine überlassen, macht die Lage nicht besser – vor allem, weil Theon seine Treue zu den Graufreuds ausgerechnet damit beweisen will, dass er seine ehemalige Heimat für sie erobert. Zum Glück freundete sich Bran mit der gefangengenommenen Wildlings-Frau Osha an. Die erweist sich als echte Freundin und rettet Bran, seinen Bruder und den Knecht Hodor in die Wildnis.

Der lange Weg fort vom Selbst

Dort beginnt langsam Brans Weg zu seinem heutigen Ich. Als er Jojen und Meera Reet kennenlernt, erfährt er endlich, warum er ständig von einem Raben mit einem dritten Auge träumt: Bran ist ein Warg und kann Tiere kontrollieren. Schnell stellt sich heraus, dass er zu weit mehr in der Lage ist: Auch Menschen wie den großen Hodor kann er übernehmen. Von Jojen erfährt Bran zudem das Ziel seiner Reise: Er muss in den Norden und den Dreiäugigen Raben treffen.

Nach langer Reise und vielen Opfern, wie der Gefangenschaft in Crasters Burg sowie dem Verlust von Jojen im Kampf gegen Untote, kommt Bran endlich in der Höhle des Raben an – und muss Abschied von seinem bisherigen Leben nehmen. Bran wird der nächste Dreiäugige Rabe, das Wissen der Welt.

Und gerät so auch ins Visier des Nachtkönigs: In einer Vision kommt er dem Bösewicht zu nah, wird von ihm markiert. Als der König der Weißen Wanderer die Höhle in der Folge angreift, kann nur Hodor die Horden der Untoten zurückhalten. Durch eine irre Verstrickung der Zeitebenen treibt Bran Hodors jüngeres Ich in den Wahnsinn und schafft damit erst den Hodor, der ihn retten kann. "Halte das Tor“ ruft der immer wieder als Kind, während er in der Zukunft stirbt – bis es sich zu "Hodor“ verkürzt.

Abschied vom Jetzt

Durch dieses Opfer gelingt Bran die Flucht. Getragen von Meera und mithilfe seines Onkels Benjen schafft es Bran wieder in den Süden, nach Winterfell. In der Zwischenzeit wird Bran immer mysteriöser. Als Sansa ihn zum Herrn von Winterfell machen will, lehnt er ab. Als Dreiäugiger Rabe könne er kein Herr sein. Für den Thron reicht es später dann aber doch. Auch den Namen Bran will er eigentlich ablegen. Zumindest sagt er das Meera, als die ihn zu erinnern versucht, wer alles für Bran Stark gestorben ist. Immerhin nimmt der Rabe aber den Dolch von Kleinfinger an, mit dem ein Meuchelmörder ihn einst umbringen sollte.

Ansonsten treibt er sich in der Zwischenzeit lieber in der Vergangenheit herum. Dort sieht er unter anderem, wie sein Vater Ned den vermeintlichen Bruder Jon aus den Armen seiner sterbenden Schwester Lyanna übernimmt. Als erster weiß er: Jon ist ein Targaryen. Dass Lyanna und Jons Vater Rhaegal auch verheiratet waren, erfährt er aber von Sam. Erst danach kann er die Hochzeit in einer Vision beobachten. Und erfährt auch Jons wahren Namen Aegon. Und er darf es sogar den Stark-Schwestern erzählen, damit Jon sein Versprechen nicht brechen muss.

In der drohenden Schlacht gegen den Nachtkönig nutzen diese Visionen dem Anschein nach aber wenig. Bran warnt zwar vor dem Fall der Mauer und dem anstehenden Angriff, während der Schlacht zieht er sich aber lieber in einen Schwarm Raben zurück, statt etwas Nützliches zu unternehmen. Indirekt hilft er dann ja doch beim Tod des Nachtkönigs: Ohne ihn hätte Arya nicht die passende Waffe gehabt.

Was wusste Bran?

Wollte Bran wirklich König werden? Man weiß es nicht. Er sei nun etwas anderes, erklärt er nur wenige Folgen vor dem Amtsantritt, nimmt dann aber doch den Titel Bran, der Gebrochene ohne Proteste an. Er wäre ja nicht den weiten Weg gekommen, wenn er die Krone nicht gewollt hätte, erklärt er Tyrion, als ob er genau gewusst hätte, was kommt. Seinen Bruder Jon oder Tyrion auf das kommende Massaker von Königsmund aufzuklären, fiel ihm dann aber doch nicht ein. Stattdessen sprach er mit dem Gnom lieber über Rollstühle.

Ob Bran tatsächlich die Zukunft kennt, ist ohnehin unklar. Brans Kräfte werden erstaunlich wenig erklärt, wenn man ihre Wichtigkeit für die Handlung bedenkt. Viele Dinge aus Vergangenheit und Gegenwart scheint er zu wissen, zeigt aber andererseits große Lücken in der Gegenwart. Etwa wo sich der Drache Drogon herumtreibt. Wozu ein allwissender Seher Berater braucht, steht noch auf einem ganz anderen Blatt. Aber vielleicht sollen die auch einfach nur das Tagesgeschäft übernehmen. Er lebe vor allem in der Vergangenheit, hat uns Bran ja gerade erst gesagt. Ein interessantes Lebensmotto für einen Herrscher.

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