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Meinung

Serien-Hit: Verzogene Prinzessin, fiese Zicke, dummes Opfer - Sansa wird in "Game of Thrones" stets unterschätzt

Sansa Stark kommt bei "Game of Thrones"-Fans meist eher schlecht weg. Dabei ist die rothaarige Intrigantin eine der spannendsten Figuren der Serie.

Sansa Stark hat sich seit dem Anfang als Möchtegern-Prinzessin ziemlich verändert

Sansa Stark hat sich seit dem Anfang als Möchtegern-Prinzessin ziemlich verändert

Okay, ich gebe es zu: Als wir Sansa Stark in der ersten Staffel von "Game of Thrones" kennenlernten, hasste ich sie genauso, wie es die meisten Fans des Serien-Hits wohl immer noch tun. Die weinerliche Möchtegern-Prinzessin himmelte hemmungslos den Widerling Joffrey an, zickte gegen quasi jede Lieblingsfigur und heulte den Rest der Zeit herum. Doch von dem nervigen Teenie von einst ist längst kaum noch etwas zu spüren. Und Sansa hat sich längst zu meiner absoluten Lieblingsfigur entwickelt.

Kaum eine Figur hat soviel durchgemacht wie die von Sophie Turner großartig gespielte Sansa. Nach dem Tod ihres Vaters und der Flucht ihrer Schwester war sie jahrelang allein unter Feinden in Königsmund, musste die ewigen Sticheleien und Demütigungen ihres sadistischen Verlobten ertragen und die Intrigen der fiesen Königin überleben. Die Zwangsehe mit dem Gnom Tyrion war da fast schon ein Highlight - immerhin respektierte der sie. Doch die Tortur begann erst richtig, als sie von Kleinfinger verleitet wurde, den Bolton-Bastard Ramsey zu heiraten. Die brutale Vergewaltigung in der Hochzeitsnacht war wohl eine der schlimmsten Szenen der ohnehin oft grausamen Serie. Auch Sophie Turner gibt zu, über Sansas Schicksal geweint zu haben. Doch Sansa hat all das überlebt - und ist daraus nur stärker geworden.

Aus Leid geboren

Wie sie in den letzten Staffeln Kleinfinger an Jon vorbei zu Hilfe bei der Schlacht von Winterfell überredete, die Nordlinge hinter Jon vereinte und schließlich Kleinfinger selbst in die Falle laufen ließ, gehört zu den wichtigsten Entwicklungen der Serie. Dass sie dabei nicht vor Liebling Jon zurücksteckt, nehmen ihr viele Fans übel - dabei bewahrte sie ihn nur vor falschen Entscheidungen.

Dass die von Sophie Turner genial gespielte Stark-Tochter viel mehr drauf hat, als zu quengeln, war eigentlich schon früh zu sehen. "Was für eine dumme Frage. Natürlich kämpft Ihr in der Vorhut" - mit diesen beiläufigen Worten brachte sie den verhassten Joffrey dazu, an der gefährlichsten Stelle gegen Stannis' Eroberung von Königsmund zu kämpfen -  und sich dann dort öffentlich als Feigling zeigen zu müssen.

Umgeben von Cersei und Kleinfinger hat Sansa im Laufe der Staffeln nur noch dazu gelernt. So lässt sich durchaus argumentieren, dass sie Ramsey dazu brachte, seine Familie umzubringen. Als er ihr stolz erklärt, dass er durch einen Befehl des Königs zum Bolton-Erben erklärt wurde, antwortet Sansa schnippisch: "Von König Tommen. Einem weiteren Bastard" - und sät damit Zweifel in Ramsays Kopf, ob er tatsächlich das Reich seines Vaters übernehmen wird. Als der dann einen ehelichen Sohn erwartet, löscht Ramsey die ganze Familie aus.

Dass Sansa tatsächlich schlecht über den Bastard Tommen denkt, ist indes fast ausgeschlossen. Sie liebt ihren vermeintlichen unehelichen Bruder Jon, auch gegenüber Tommen zeigte sie sich stets freundlich. Weil der als einziger Lannister neben Tyrion ein gutes Herz zeigte.

Mensch Sansa

Überhaupt schafft es Sansa angesichts der Umstände auf beeindruckende Art ihre Menschlichkeit zu bewahren. Klar, das naive Mädchen vom Anfang der Serie ist sie längst nicht mehr. Doch obwohl sie jahrelang niemandem trauen konnte, hat sie sich immer Wärme für die wenigen freundlichen Geister und die Kinder um sie herum behalten, behandelte selbst den nervigen Robin Arryn zu Anfang sehr freundlich.

Zu Anfang der letzten Staffel ist nun Sansa erstmals seit Jahren umgeben von Freunden. Ob sie nun endlich das intrigante Gehabe aus Königsmund ablegen kann und sich ganz der Sache ihres Königs Jon verschreibt, wird sich zeigen müssen. Immerhin hat der mit Daenerys schon das nächste mögliche Feindbild in seiner Begleitung. Ich bleibe gespannt, wie die ehemalige Möchtegern-Prinzessin mit einer echten Königin zurechtkommen wird.