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"Germany's next Topmodel": Heidis Döner und Wolfgangs Kotze

Macht Döner doch schöner? Heidi Klum stopfte sich zum Start der neuen Staffel mit Fleisch voll. Das sollte bodenständig rüberkommen. Für ihre Models ist zu viel Dürüm Dürüm jedoch nach wie vor tabu.

Von Mark Stöhr

Auch in der zehnten "GNTM"-Staffel folgen Tausende Mädchen Heidi Klums Aufruf zum Massencasting in Deutschlands Multifunktionshallen

Auch in der zehnten "GNTM"-Staffel folgen Tausende Mädchen Heidi Klums Aufruf zum Massencasting in Deutschlands Multifunktionshallen

Da kommen sie also wieder angeschlackert, die blassen Hungerhaken mit ihren riesenlangen Beinen, und hängen sich vor lauter Powackeln fast die Hüften aus. Wir haben sie schon ein bisschen vermisst. Allein wegen der Namen: Solimata, Jelena, Jovana, Maya, Cecilia, Jüli. Haben alle dieselben Frisuren. Ziehen alle dieselbe Fluppe beim Posen. Sind alle irgendwie Kinderzimmer-Kopien der Catwalkerinnen auf den internationalen Fashion Weeks. Aber ihre Namen sind besonders. Natürlich ist auch eine Sandy aus Stuttgart dabei, die genauso gut eine Mandy aus Magdeburg sein könnte. Und natürlich gibt es auch wieder die ganz tragischen Fälle: "Hi, ich bin die Whitney und ich komm' aus Eschweiler."

Auch die zehnte Staffel von "GNTM" begann mit einem Massencasting. Das heißt jedes Mal komplette Vollkrise. Vor allem für uns Zuschauer. Ein chaotisches Gewimmel in deprimierenden Multifunktionshallen breitet sich vor unseren Augen aus, die doch schon konfiguriert sind für eine Pool-Landschaft auf der Dachterrasse eines 50-stöckigen Luxushotels in Singapur. Zur Jubiläumsausgabe kam es sogar noch dicker: Heidi Klum tourte mit einem Bus durch die deutsche Provinz und startete an deren dunkelstem Punkt: in Bergisch Gladbach.

Klaustrophobisch und kotzübel im Bus

Was dieser Bus soll, weiß kein Mensch. Außer der Klum. Wahrscheinlich handelt es sich um so ein Rock-Ding. Back to roots, nah an der Basis, mitten im Leben. Sich abends zusammen einen Döner reinziehen und sich morgens mit der Zwiebelfahne gegenseitig wecken. Thomas Hajo, der Jury-Vize, passt perfekt in diese Szenerie mit seiner zerlatschten Frisur und den Fusselhaaren ums Kinn. Aber das Multimillionen-Model Klum? Bei ihr wirkt die Zerwühltheit beim Erwachen doch arg bemüht. Frage an die Regie: Wo duschen die eigentlich? Im örtlichen Hallenbad?

Wolfgang Joop, der Alterspräsident im Auswahlgremium, ließ sich – so wurde es zumindest erzählt – auf diesen Tourquatsch gar nicht erst ein. Er leide unter Klaustrophobie, erklärte der 70-Jährige, der ja ursprünglich Landwirt werden sollte und eine wahrscheinlich 5.000 Euro teure, "computer-ausgedruckte" Hightech-Sonnenbrille auf hatte. Als er doch ein paar Meter mitfahren musste, wurde ihm vom Geruckel schlecht. Er nutzte diese missliche Lage für eine erste Kostprobe seines metaphorischen Könnens: "Meine Professionalität hält nur die dicken Sachen der Kotze zurück", ließ er seine Mitfahrer wissen, "das Dünne lasse ich abfließen."

Doch zurück nach Bergisch Gladbach, wo für die Klum damals alles begann und wo nun ein Aschenputtel in der Wäscherei ihrer Eltern auf die Beförderung zur Laufsteg-Prinzessin wartete. Die 18-Jährige hieß mit Vanessa eigentlich noch ganz zivil und konnte alles natürlich überhaupt nicht fassen. Dann latschte sie mit Busen raus ein paar Mal zwischen der Wäsche hin und her und erhielt das Go für die nächste Runde. Messerscharfe Analyse von Thomas Hajo, pfeilschnell und noch dazu im Gehen generiert: "Die müssen wir uns nochmal im Bikini angucken, aber das Gesicht ist echt süß."

Joop, der Aristokrat unter den Lifting-Leichen

Beim Bikini-Walk entscheidet sich, welches Beauty-Ensemble in die glänzende Welt des Jetsets aufbricht und von dem Verrückten Kristian Schuller "geshootet" wird. Schon beim Massen-Walk in der gestrigen Show hatten einige Bewerberinnen kaum was an. Viele scheiterten an einer rotierenden Scheibe, die vor dem Jurorenpult aufgebaut war, und knickten auf ihren Beinchen weg wie frischgeborene Giraffenbabys. Die ganz Cleveren sprühten ihre High Heels mit Haarspray ein. Was die Frise in Form hält, gibt auch der Sohle den notwendigen Grip, so die Logik. Allein: Es brachte nüschte.

Die üblichen Freaks – Typen mit Frauenperücken, 39-jährige Angelikas und eine Ganzkörpertätowierte mit dem Bauchtattoo "Marry me" – wurden von der Jury freundlich hinauskomplimentiert (Klum: "Es ist schon manchmal erstaunlich, was sich alles zum Casting meldet"). In die Vorauswahl schaffte es die bewährte Mischung aus blond, bieder und ethno. Darunter eine wirklich bezaubernde Halbtunesierin und eine nicht weniger beeindruckende Transgender-Frau, die schon im Vorfeld für Raunen in der Boulevardecke gesorgt hatte.

Eine Kandidatin wurde zum Abschminken zurück in die Kulissen geschickt. Zudem verbot ihr Joop, der immer gut gebräunte Aristokrat unter den Lifting-Leichen, höchstpersönlich den Besuch im Bräunungsstudio ("Sonnenbank is forbidden forever"). Natürlichkeit ist Trumpf, da ist "Germany's next Topmodel" inzwischen so grün wie McDonald's. Und im Food-Segment könnte denn auch die Zukunft des einen oder anderen Nachwuchsmodels liegen. Jana Beller, die Gewinnerin von 2011, zum Beispiel arbeitet jetzt in einem Backshop im Münchener Hauptbahnhof.