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"Germany's next Topmodel": Die Rose im Gemüsegarten

Das Finale naht, jetzt geht's ans Eingemachte. Die Mädchen mussten zum Idiotentest und lernten, wie man sich die Beine rasiert. Nur eine meisterte die Aufgabe unfallfrei, sie qualifizierte sich für die Endausscheidung.

Von Mark Stöhr

Wenn man den ganzen Tag in der Modelvilla abhängt und sich die Fußnägel lackiert, kommt man schon mal ins Grübeln. Muss es immer die Louis-Vuitton-Tasche sein oder tut es auch der Bangladesch-Beutel von H&M? Warum auf ProSieben immer "red! - Das Promi-Magazin" gucken und nicht mal "Leute heute" im ZDF? Maria, den Haflinger auf der Heidi-Weide, ließen solche Gedanken nicht los. Sie machte daraus eine Performance des Protestes. Sie klebte die Fernsehecke mit Warnbändern ab, als hätte ein Autonomer gerade auf den Plasmabildschirm eingeschlagen. Dann fing sie wie wild an zu posen. Die Jury staunte.

Die Installation, erklärte die Nachwuchskünstlerin, stehe für den Ausbruch aus dem Konsumwahn. Wir müssten uns, so die 20-Jährige, vom Fernsehen und der Medienwelt befreien. Frage der Jury: "Von dem also, wo du rein willst?" Ganz fieses Ding. Maria wurde bleich. So hatte sie das noch gar nicht gesehen. Es war ihr letztes Foto-Shooting. Das Finale findet ohne sie statt.

Sara ist im Finale, Maria nicht. Wer muss am Dienstag noch gehen?

Schön sein allein reicht nicht für die Modelkarriere, ein bisschen Grips gehört auch dazu. Seit Wochen hämmert Heidi Klum ihren Kandidatinnen diesen Merksatz ein. Gestern ging sie wieder mit gutem Beispiel voran und formulierte punktgenau die Aufgabenstellung: "Wer ist mehr kreativ als wie die anderen?" Die Mädchen sollten sich selbst in Szene setzen und dabei knipsen lassen. Unterstützt wurden sie von Make-up-Muckel Boris Entrup ("Die Wimpern machen wir bamm!"), der dafür extra wieder ein Seminar in der Uni sausen ließ und mit dem Rad durch halb Los Angeles gefahren war.

Die kreativen Einfälle der Mädchen waren vom Allerfeinsten. Alles andere hätte überrascht. Marie spielte, sie habe einen Anruf von der Klum und bekomme darin mitgeteilt, dass sie unter den letzten Fünf sei. Das Ergebnis war ein vorgetäuschter Orgasmus, der von Frauenkenner Rolf Scheider prompt als solcher entlarvt wurde ("Hätte ihr Arzt angerufen, dass sie schwanger sei - okay. Aber so - nein").

Jessicas Szene trug den Titel "Dolce Vita - Die Lust am Leben" und hatte den mediterranen Charme einer Litfasssäule vor dem Mailänder Bahnhof. Die Kreativitätsprüfung wurde zum Idiotentest. Mandy immerhin konnte man nicht vorwerfen, sie hätte einen vorher nicht gewarnt ("Ich bin ja eher so verrückt und so und mach deshalb was Ausgefallenes."). Sie hopste in einem Meer aus bunten Luftballons umher und hinterließ sogar bei Alleswisser Peyman Amin Fragezeichen ("Feierst du Kindergeburtstag?").

Sara ("Ich will zeigen, dass ich nicht nur die Süße von nebenan bin, sondern eine ernste Frau") drapierte sich so aufreizend entspannt auf dem Badewannenrand, dass Scheider die Augen zufielen: "Das war hart an der Grenze zu schläfrig."

Das souveräne Fräuleinwunder

Es war Saras einziger Aussetzer. Sie ist und bleibt die Rose im Gemüsegarten. Von allen Kandidatinnen machte sie in den bisherigen 14 Folgen den größten Entwicklungssprung: vom schüchternen Küken zum souveränen Fräuleinwunder. Ihre Natürlichkeit und Quirligkeit bezaubern, ihr strahlendes Lächeln macht die Nacht hell. Selbst nüchterne Marketing-Fritzen, im verdrehten Mode-Monopoly immer nur die "Kunden" genannt, gehen vor der 19-Jährigen in die Knie. Der Vertreter eines Rasierer-Herstellers pries bei einem Casting Saras "Ausdruckskraft, mit der sich jedes Mädchen identifizieren kann".

Bei den Probeaufnahmen sollten die Mädchen "die Göttin aus sich rauslassen" - es ging wohlgemerkt um einen Werbespot für einen Beinrasierer. Während sich ihre vier Konkurrentinnen beim Posen fast einen Leistenbruch holten, legte Sara die Klinge an und lachte. Sie bekam den Job - und am Ende das Ticket fürs Finale gleich dazu.

Zumindest bei dieser Personalentscheidung also bewies die Jury Geschmack. Rolf Scheider vergoss gar eine Bruce Darnell-Gedächtnis-Träne und hob zu einer Laudatio an, die es in dieser Form in vier Staffeln Topmodels noch nicht gegeben hat. "Die Menschen lieben dich", sagte er, "und ich liebe dich auch. Du hast etwas Magisches."