VG-Wort Pixel

ZDF Magazin Royale #ohrenkneiferschorle: Jan Böhmermann lüftet die dunklen Geheimnisse unseres geliebten Weins

Entertainer und Moderator Jan Böhmermann
Entertainer und Moderator Jan Böhmermann
© Rolf Vennenbernd / DPA
Jan Böhmermann ist bekannt für freche Sprüche und steile Thesen. In der neuen Ausgabe von "ZDF Magazin Royale" nimmt er sich mal wieder ein sensibles Thema vor: unseren heiß geliebten Wein. 

"Heute wird etwas beschimpft, das in dieser Form noch nie beschimpft wurde." Mit diesen Worten startet Moderator und Entertainer Jan Böhmermann in die jüngste Folge seiner Late-Night-Satire-Show "ZDF Magazin Royale". Er nimmt sich auf gewohnt provokante und schonungslose Art und Weise eines für viele Deutsche sehr sensiblen Themas an: unseren heiß geliebten Wein.

Sein Versprechen: "Heute zerstören wir den Wein." Und Böhmermann hält Wort. Aber von vorne: Denn was wäre eine waschechte "Weinbeschimpfung", wie der Moderator das Konzept der Sendung nennt, schon ohne eine Flasche des edlen Tropfens? Richtig, nur halb so lustig – deshalb öffnet sich Böhmermann direkt zu Beginn eine Flasche, kippt sich ein Glas – mutmaßlich Rotwein – in den Mund und feuert das Glas kurzerhand hinter sich.

Deutschland auf Platz sieben der weltweiten Weinliebhaber

Scheint ihm auf den ersten Blick zu schmecken, die "aufgeblasene Akademiker-Limonade für überpriviligierte Theaterintendanten, die 'ganz sicher' kein Alkoholproblem haben", wie Böhmermann Wein auch gerne nennt. Dass er mit seiner zur Schau gestellten Weinliebe nicht allein ist, zeigt der ZDF-Entertainer mit einer Statistik aus dem vergangenen Jahr.

Deutschland ist demnach mit 25,5 Litern Wein pro Kopf auf Platz sieben der Weinliebhaber weltweit. Spitzenreiter sind übrigens Portugal mit stolzen 51,9 Litern pro Person, Frankreich mit 46,9 Litern und Italien mit 46 Litern pro Kopf im Jahr. "Wein hat einfach ein gutes Image", resümiert Böhmermann. Es sei der beste Trick, um belesen und kultiviert zu wirken, obwohl man es vielleicht gar nicht ist.

Als Kontrast dazu dient das Bier. Es sei das Arbeitergetränk, während Wein nur in der gehobenen Klasse getrunken wird. Getreu dem Motto: Wein ist für Genießer, Bier für Arbeiter. Zwischen den Zeilen wird mehr als deutlich, dass diese gefühlten Klassenunterschiede für Böhmermann vor allem eines sind: Totaler Schwachsinn.

Deutsche geben durchschnittlich 3,64 Euro für Wein aus

Als Beispiel für das abgehobene und fragwürdige Image von Wein nennt er Günther Jauch. Der RTL-Quizmaster teile ähnlich wie TV-Größen wie Matthias Schweighöfer, Joko Winterscheid und Thomas Gottschalk eine öffentliche Liebe für die alkoholisierte Traubenschorle. Das Problem: Jauch habe zwei Weingüter – eines für seinen vorzeigbaren Edelwein. Und eines für Billigwein, den er beim Discounter vertreibt. "Der war ihm offenbar so peinlich, dass er sich öffentlich von ihm distanziert", sagt Böhmermann.

Aber warum sollte man sich von bezahlbarem Wein lossagen, dürfte sich der geneigte Zuschauer an dieser Stelle gefragt haben. Böhmermann liefert die Antwort prompt: "Wein ist nicht gleich Wein." Wirklich naturbelassenen und fair produzierten Wein könne sich in Deutschland kaum jemand leisten.

Und das stimmt: Laut einem Welt-Bericht, den der Moderator zeigt, geben die Deutschen durchschnittlich 3,64 Euro für einen Liter Wein aus.  Und der ist laut Böhmermann ähnlich naturbelassen wie das Gesicht von Jenke von Wilmsdorf nach seinem TV-Experiment zum Thema Schönheits-Operationen. Also: mehr Kunst also Natur.

Was in Wein außer Trauben noch so drin ist

Der Grund: Im Wein, wie wir ihn im Supermarkt kaufen können, befinden sich neben Trauben auch noch etliche andere Zusatzstoffe. Böhmermann zitiert in diesem Zusammenhang zum Beispiel eine Spiegel-Reportage, in der von 83 zugelassenen Spritzmitteln im Weinbau die Rede ist.

Auch das Bild der Weinlese per Hand, das der ein oder andere romantische Weintrinker wohl vor Augen hat, wenn er an seinem Weinglas nippt, zerstört Böhmermann mit Fakten. Günstige Weine werden mit sogenannten Vollerntern angebaut und geerntet. Das heißt, es fahren Maschinen durch die idyllischen Weinberge und nehmen alles auf, was neben Trauben noch so zu pflücken ist: Blätter, Zweige und Insekten. Zum Beispiel Ohrenkneifer.

Da sich Wein mit Stückchen nicht so gut verkaufen lässt, muss das Ganze im nächsten Schritt wieder herausgefiltert werden. Und jetzt erzählt Böhmermann etwas, das vor alle Veganern und Vegetarierinnen sauer aufstoßen dürfte. Denn Wein ist nicht per se vegetarisch. Wie der ZDF-Moderator anhand einer stern-Reportage zeigt, filtern Winzer ihre Produkte beispielsweise durch Gelatine aus Schweineschwarten oder Knochen und Knorpel vom Rind.

Wein: Warum Winzer mit Zusatzstoffen arbeiten

"Lecker lecker, Tiere töten und verarbeiten um aus Versehen verarbeitete Tiere aus dem Wein wieder herauszubekommen", sagt Böhmermann – und zeigt mit einigen Speckschwarten, wie gut das mit dem Filtern funktioniert – nicht. Dadurch weist er auf ein weiteres Problem hin: Die tierischen Filter sind so wirksam, dass auch die Aromen des Weins bei dem Prozess verloren gehen. Deshalb hilft die Weinindustrie nach – mit jeder Menge Geschmacksverstärkern und Zusatzstoffen.  

Und innerhalb von nur zwanzig Minuten hat Jan Böhmermann sein Versprechen gehalten: Er hat das gute und noble Image des Weins zerstört. Zumindest für all jene, die sich keinen Edeltropfen für mehrere hundert Euro leisten können, sondern ihren Wein, wie übrigens jeder zweite Deutsche, im Discounter kaufen.

Das Fazit des Moderators fällt trotzdem diplomatisch aus: "Machen Sie mit den Informationen der letzten Minuten, was Sie wollen. Es juckt mich doch nicht, ob Sie sich regelmäßig durch Schweineschwaten gefilterte Pestizidrebenrotze reinorgeln wollen, in der bis vor kurzem noch Stücke von Ohrenkneifern rumgeschwommen sind." Und dann ext Böhmermann den Rest seines eigenen Weins. In diesem Sinne: Prost!

Quelle: ZDF Magazin Royale

Mehr zum Thema

Newsticker