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Nach Mitgliedervotum: "Wir sind superenttäuscht und wütend": Böhmermann will nicht mehr SPD-Chef werden

Jan Böhmermann, der erst vor wenigen Wochen in die SPD eingetreten war, um deren Vorsitzender zu werden, hat seine Pläne ad acta gelegt. Grund sei das Ergebnis der Mitgliederbefragung, wie er auf Twitter schreibt. 

#Neustart19: Böhmermann zieht Ambitionen für SPD-Vorsitz zurück

Jan Böhmermann hat nach eigenen Angaben Abstand von seinem Plan genommen, Chef der Sozialdemokraten zu werden. Der TV-Satiriker stehe nach Verkündung des Ergebnisses der Mitgliederbefragung "nicht mehr länger als Kandidat für den SPD-Vorsitz zur Verfügung", schrieb er in einem am Samstagabend auf Twitter veröffentlichten Brief voller Fehler an die SPD-Mitglieder. Das Ergebnis mache ihn und sein Team betroffen. "Wir sind superenttäuscht und wütend!", schrieb er.

Kuriose Begründung für Kehrtwende

Kurz zuvor hatte die SPD mitgeteilt, dass Finanzminister Olaf Scholz und die Brandenburgerin Klara Geywitz die meisten Stimmen erhalten hatten, dicht gefolgt von Nordrhein-Westfalens früheren Finanzminister Norbert Walter-Borjans und der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken. Die beiden Duos treten nun in einer Stichwahl gegeneinander an. 

TV-Moderator Jan Böhmermann

Satiriker Jan Böhmermann war vor wenigen Wochen erst in die SPD eingetreten

DPA

Anfang der Woche hatte Böhmermann ebenfalls in einem auf Twitter veröffentlichten Brief geschrieben, er wolle auf dem Parteitag Anfang Dezember von 50 Delegierten zum Kandidaten für den SPD-Vorsitz aufgestellt und gewählt werden. Nun begründete er seine Kehrtwende unter anderem mit der geringen Beteiligung der Mitglieder an der Befragung und damit, dass dann auch noch das Duo Scholz/Geywitz die meisten Stimmen erhalten habe – wobei er die Partnerin von Scholz allerdings als "Katja Gleiwitz" und Olaf Scholz als "Olaf Schulz"bezeichnete.

Böhmermann zieht den Schluss: "Die Rettung der deutschen Sozialdemokratie scheint eine viel größere Herausforderung zu werden, als wir befürchtet hatten." Sein Team und er sähen sich nun gezwungen "unseren Kampf für die Rettung der deutschen Sozialdemokratie ab sofort aus dem Sozialdemokratischen Untergrund heraus fortzusetzen."

Meint Böhmermann das wirklich ernst?

Ob Böhmermanns Pläne, SPD-Chef zu werden, tatsächlich ernst gemeint waren, bleibt fraglich. Schließlich ist der Mann Satiriker. Das ZDF erklärte dazu Anfang des Monats gegenüber der "Rheinischen Post": "Die Sendung ,Neo Magazin Royale' ist eine Comedy-Sendung, die die  Ereignisse des Zeitgeschehens und die mediale Berichterstattung mit  den Mitteln der Ironie und der Satire aufbereitet", sagte  ZDF-Sprecher Rainer Stumpf der Düsseldorfer "Rheinischen Post".

Auch CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak stellte die Ernsthaftigkeit des Satirikers in Sachen SPD-Kandidatur bereits im Vorfeld in Frage: "Manchmal muss man sich auch mal hinter die SPD stellen", schrieb er auf Twitter. "Was Jan Böhmermann macht, ist gebührenfinanzierte Verspottung ernsthafter politischer Prozesse. Hunderttausende engagieren sich ehrenamtlich, ernsthaft und mit viel Herzblut in der SPD. Und das ist es, was Demokratie ausmacht."

Bei der Verleihung des Deutschen Comedypreises Anfang Oktober in Köln gewann Böhmermann in der Kategorie "Beste Innovation". In einem Einspieler erklärte er damals "Völker der Welt, seht auf diese Preisverleihung", sagte der Moderator der Satireshow "Neo Magazin Royale" in einer Einspielung. "Wir vom ZDF, wir lieben Innovation." 

Und dann wäre da noch die falsche Namensnennung "Olaf Schulz". Böhmermann betreibt zusammen mit dem Musiker Olli Schulz den Podcast "Fest & Flauschig". Es würde also nicht verwundern, wenn die SPD-Kandidatur von Böhmermann vielleicht nur Teil einer großangelegten Satire ist.  

Jan Böhmermann kandidiert für den SPD-Vorsitz

Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter

Indes geht das Rennen um den SPD-Vorsitz weiter. Die erste Runde des Mitgliedervotums war am Samstag denkbar knapp ausgegangen. Finanzminister Scholz und die Brandenburgerin Geywitz erhielten knapp 22,7 Prozent der gültigen Stimmen, Nordrhein-Westfalens früherer Finanzminister Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Esken gut 21 Prozent. Beide Duos konnten sich etwas von den anderen vier Bewerberteams absetzen, die auf 9,6 bis 16,3 Prozent der Stimmen kamen. Scholz schrieb bei Twitter: "Heute überwiegt erst einmal die Freude bei uns, und auch ein bisschen die Erleichterung über das Ergebnis. Das Mitgliedervotum hat uns allen gut getan."

Scholz und Geywitz gelten als Befürworter der großen Koalition, Walter-Borjans und Esken eher als Kritiker. An der Abstimmung online und per Brief hatten sich rund 53,3 Prozent der 425.630 abstimmungsberechtigten Mitglieder beteiligt.

Die Parteimitglieder sollen nun vom 19. bis zum 29. November ein zweites Mal abstimmen, anschließend soll der Parteitag im Dezember das Ergebnis bestätigen. Die Suche nach einer neuen SPD-Spitze war nötig geworden, nachdem die damalige Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles Anfang Juni unter großem internen Druck zurückgetreten war.

jek mit DPA