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"Neo Magazin Royale": Verlässt Jan Böhmermann das ZDF?

Wie lange wird Jan Böhmermann noch im ZDF zu sehen sein? Eine Aussage im "Neo Magazin Royale" nährt Gerüchte, der Moderator könne den Sender verlassen. Er hätte gute Gründe dafür.

Jan Böhmermann: Seine Zukunft beim ZDF ist ungewiss

Jan Böhmermann: Seine Zukunft beim ZDF ist ungewiss

Jan Böhmermann ist eines der Aushängeschilder des ZDF. Kaum ein Moderator bindet so viele junge Zuschauer wie er, dazu verschaffte der 35-Jährige dem Sender jede Menge Renommee: Er gewann seit 2013 drei Grimme-Preise sowie den Deutschen Fernsehpreis. Vor allem aber scheint der Satiriker zu belegen, dass auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen in der Lage ist, ein aufregendes, lustiges und relevantes Programm zu produzieren.

Doch damit könnte bald Schluss sein. Nach drei Staffeln der Vorläufer-Sendung "Neo Magazin" sowie zwei Staffeln des "Neo Magazin Royale" ist die weitere Zukunft Böhmermanns beim ZDF ungeklärt. Es verdichten sich die Anzeichen, dass der gebürtige Bremer den Mainzer Sender komplett verlassen könnte. Zuvor hatte er sich bereits aus dem öffentlich-rechtlichen Radio zurückgezogen: Seine zusammen mit Olli Schulz moderierte Sendung "Sanft & Sorgfältig" hat er nach vier Jahren eingestellt, seit einigen Wochen ist das Nachfolgeformat "Fest & Flauschig" auf dem Streamingportal Spotify verfügbar.

Zieht sich Jan Böhmermann komplett zurück?

Am Donnerstagabend gab Böhmermann Gerüchten über einen kompletten Rückzug aus dem gebührenfinanzierten Rundfunk weitere Nahrung. Im Gespräch mit seinem Studiogast Steven Gätjen sagte er im "Neo Magazin Royale": "Du hast gerade den Sprung geschafft vom Privatfernsehen zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Ich hab ja demnächst vor, das andersrum zu machen."

Ganz überraschend kommt diese Aussage nicht. Bereits am Donnerstagmittag hatte die Schriftstellerin Sibylle Berg Gerüchte über ein Ende der auf ZDFneo ausgestrahlten Talkshow "Schulz & Böhmermann" gestreut. Auf die Frage einer Userin, ob es eine zweite Staffel der Sendung geben werde, antwortete Berg: "Vermutlich. Ohne Olli. Und Jan. Und mich. Und ZDF."


Zusammen genommen weist das daraufhin, dass die Beziehung zwischen Böhmermann und dem ZDF derzeit nicht sonderlich harmonisch zu sein scheint. Nach möglichen Ursachen für ein Zerwürfnis muss man nicht lange suchen: In der Affäre um das Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdogan hatte der Sender dem Moderator in keiner Weise den Rücken gestärkt. Im Gegenteil: Das ZDF begründete die Löschung des Gedichts aus der Mediathek damit, der Beitrag entspreche "nicht den Ansprüchen, die das ZDF an die Qualität von Satiresendungen stellt".

"Die Grenzen der Satire in Deutschland"

Dass sich Böhmermann in dieser Sache von seinem Sender verraten fühlt, verriet ein Eintrag auf seiner Facebook-Seite: "Ich denke, wir haben heute am 1. April 2016 gemeinsam mit dem ZDF eindrucksvoll gezeigt, wo die Grenzen der Satire bei uns in Deutschland sind. Endlich!", hieß es da. "Sollte ich bei der gebührenfinanzierten Erfüllung meines pädagogischen Auftrags die Gefühle eines lupenreinen Demokraten verletzt haben, bitte ich ergebenst um Verzeihung."

Die für das "Neo Magazin Royale" und "Schulz & Böhmermann" zuständige Produktionsfirma Bildundtonfabrik wollte sich nicht zu einem möglichen Abschied vom ZDF äußern und verwies auf die ZDF-Pressestelle. Auf stern-Anfragen sagte der Sender, man plane weiterhin mit dem "Neo Magazin Royale". Zudem wies der Pressesprecher darauf hin, dass das vollständige Böhmermann-Zitat lautet: "Ich habe ja demnächst vor, es andersrum zu machen - Nein, ist ein Spaß." Tatsächlich hat Böhmermann diese Distanzierung hinterhergeschoben. Aber war sie auch ernst gemeint?

Zumindest einmal wird Jan Böhmermann noch im "Neo Magazin Royale" zu sehen sein: Mit der am kommenden Donnerstag ausgestrahlten Sendung verabschiedet sich der Satiriker in die Sommerpause. Dem Vernehmen nach soll es dort musikalisch zugehen. Sollte es sich dabei um den Abschiedsgesang handeln - es wäre ein extremer Rückschlag für das ZDF, das eine Verjüngung des Publikums so dringend nötig hat.