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Marco Schreyls Rauswurf Die Moderiermaschine geht


Tabula rasa bei "Supertalent" und "DSDS": Auch Marco Schreyl muss jetzt dran glauben. Bringen wird das wenig. Es sei denn, die Moderiermaschine wird durch einen Star ersetzt. Der könnte Gottschalk heißen.
Von Jens Maier

Am Tag eins nach der Absetzung von Marco Schreyl will es keiner so recht gewesen sein: Thomas Gottschalk, ab Herbst neues Jurymitglied bei "Das Supertalent", beteuert, von der Personalie erst aus der Zeitung erfahren zu haben. Auch Dieter Bohlen winkt ab, behauptet: "Ich hatte nichts mit der Entscheidung zu tun." Dabei hätten ihm die Zuschauer wohl am ehesten zugetraut, den Rauswurf Schreyls vorangetrieben zu haben. Der selbsternannte "Poptitan" war mehr als einmal mit dem Moderator aneinandergeraten. Bei ihrer ersten Begegnung 2005 nannte er Schreyl fälschlicherweise "Markus". Den richtigen Vornamen hatte er sich zwar zwischenzeitlich gemerkt, doch aus der Ignoranz wurde offenkundige Abneigung. Als "gesundes Arbeitsverhältnis" bezeichnete Schreyl die Zusammenarbeit. Jetzt ist auch das beendet.

Schreyl muss seinen Moderationsposten sowohl bei "Das Supertalent" als auch bei "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) räumen. "Wir erneuern die Konzepte unserer Shows grundlegend", begründet RTL den Rauswurf. Das ist bitter nötig. Vor allem bei "DSDS" waren die Zuschauerzahlen in der vergangenen Staffel verheerend eingebrochen. In den Medien wurde bereits über das Aus für die komplette Show, die seit 2002 vergeblich nach einem deutschen Superstar fahndet, spekuliert. Die Castingshowmaschine, einst RTLs Erfolgsgarant für Quote und Umsatz, ist ins Stottern geraten.

Schreyls Aufgabe war es, Kärtchen abzulesen

Was tun?, fragen sich die Kölner. Bei "Das Supertalent" soll die Lösung Gottschalk heißen. Der einstige "Wetten, dass ..?"-Moderator sitzt in der neuen Staffel zusammen mit Michelle Hunziker in der Jury und könnte die Show auch für ein Publikum interessant machen, das sich am Samstagabend sonst lieber fürs Musikantenstadl entscheidet. Bei "DSDS" ist die Lösung kniffliger. Eine Alternative zu Bohlen gibt es nicht. Dass er viele Probleme selbst verschuldet hat, unter anderem durch fragwürdige Entscheidungen bei der Auswahl der anderen Jurymitglieder, wissen die Kölner selbst. Doch die Show steht und fällt mit Bohlen. Deshalb müssen andere dran glauben. Natalie Horner und Bruce Darnell wurden bereits geschasst, das nächste Bauernopfer ist Schreyl.

Besonders beliebt war er ohnehin nie. Als "Moderationskartenableser", "Kleiderständer" oder "Moderiermaschine" wurde der Moderator von den Kritikern beschimpft. Fragt man Jugendliche, was sie an "DSDS" mögen, sagen sie "Bohlens Sprüche" - auf Schreyl kommt niemand. Das ist ungewöhnlich für eine große Samstagabendshow, die sich normalerweise durch ihren Moderator identifiziert. Doch die Galionsfigur bei "DSDS" war und ist Bohlen. Er ist der Star, der Moderator muss farblos bleiben. Schreyl hatte die undankbare Aufgabe, Telefonnummern anzusagen und minutenlange Monologe von Kärtchen abzulesen. Seine Rolle bei "DSDS" beschrieb er selbst am treffendsten: "Ich bin der Verkäufer und dafür da, dass die Kandidaten und die Jury gut aussehen." Das hat er passabel gemacht. Doch sich ein eigenes Profil zu erarbeiten, war damit unmöglich.

Ein Star könnte das Ruder rumreißen

Auch für den oder die Neue bei "DSDS" wird die Jobbeschreibung lauten, der Ansager zu sein. Es sei denn, RTL meint es wirklich ernst damit, die Show "grundlegend" überarbeiten zu wollen. Das hieße, dass auch die Rolle Bohlens neu überdacht werden muss. Vor allem aber die des Moderators. Ein eloquenter Entertainer statt einer Moderiermaschine, einer mit Starqualitäten, könnte das Ruder rumreißen. Im RTL-Universum fallen einem dazu jedoch kaum Namen ein. Inka Bause? Zu bieder. Oliver Geißen? Ausgelutscht. Sonja Zietlow und Dirk Bach? Eine lustige Idee, mehr aber auch nicht. Bliebe Allzweckwaffe Daniel Hartwich, der bereits "Das Supertalent" alleine übernehmen soll. Neue Impulse oder Starqualitäten sind von ihm jedoch nicht zu erwarten.

Doch dann gibt es da noch ein bewährtes Duo, das sich im vergangenen Jahr aus der Samstagabendunterhaltung verabschiedet hatte, aber seit kurzem bei den Kölnern unter Vertrag steht: Michelle Hunziker und Thomas Gottschalk. Hunziker ist "DSDS"-Veteranin, hat die Show bereits von 2002 bis 2004 moderiert und sich damit die Karrieretür weit aufgestoßen. Was läge näher, als die blonde Schweizerin erneut zu verpflichten und Gottschalk, dem ab nächstem Jahr die Arbeits- und Bedeutungslosigkeit droht, gleich mit? In der "Supertalent"-Jury sitzen sie ab Herbst bereits gemeinsam. Auch das hätte noch im Frühjahr, als Gottschalk die große Hoffnung der ARD-Vorabendunterhaltung war, kaum jemand für möglich gehalten.

Zu Personalien will sich RTL derzeit nicht äußern. Ob es Anfragen oder Verhandlungen mit Gottschalk gibt? Kein Kommentar. Alle Neurungen zu "DSDS" würden rechtzeitig zum Start der neuen Staffel, die 2013 startet, bekannt gegeben, heißt es aus Köln. Es könnte also gut sein, dass die neue "DSDS"-Troika Hunziker, Gottschalk, Bohlen heißt, die Zusammenarbeit in der "Supertalent"-Jury der große Testballon ist. Funktioniert das Trio vor der Kamera könnte es gut sein, dass Gottschalk auch im nächsten Jahr auf seinem angestammten Sendeplatz am Samstagabend zu sehen sein wird. "Warum soll ich nicht in ein Mikrofon quatschen, solange man mir eins hinhält?", hatte Gottschalk nach seinem Wechsel im Interview mit dem Magazin "Spiegel" gesagt. "Unser Geschäft ist ein Wanderzirkus, und ich bin nun mal Clown von Beruf." Wo könnte er das besser sein als bei "DSDS". Dann eben mit Luca Hänni statt Brad Pitt auf dem Sofa.


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