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Talk bei Maybrit Illner: Flüchtlingskriminalität: "Mit Statistiken bekämpfen Sie doch keine Angst"

"Ist die Willkommenskultur am Ende?", wollte Maybrit Illner von ihren Gästen wissen. Mit den zwei großen Themen Integration und Abschiebung wurde es eine weitestgehend sachliche Debatte. Im Netz hingegen hatten Hetzer Hochkonjunktur.

Rainer Wendt zu Gast bei Maybrit Illner

Rainer Wendt zu Gast bei Maybrit Illner: "Ich bin kein Experte in Abschiebepolitik, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass wir die Falschen abschieben"

Maybrit Illner lud ihre Gäste zum Thema "Flüchtlinge unter Verdacht – Willkommenskultur am Ende?". Mit dabei waren NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Freiburgs grüner Oberbürgermeister Dieter Salomon, CDU-Mann Michael Kretschmer, Autorin Emitis Pohl und Rainer Wendt von der Deutschen Polizeigewerkschaft. Zu Beginn sprach Illner allerdings erst einmal mit einem Studenten aus Freiburg über die mutmaßlich von einem afghanischen Flüchtling vergewaltigt und ermordete Maria L. Man sei "nicht mehr so überrascht gewesen", dass der Täter wohl Asylbewerber war, weil es "ein paar Vorfälle mit Flüchtlingen" gegeben habe in Freiburg in letzter Zeit, sagte der Student. Bürgermeister Salomon relativierte: "Die Freiburger können das aber schon differenzieren."

Der geflügelte Wort des Abends war "Einzelfall". Besonders Illner hob, wo es nur ging, hervor, was eigentlich jedem klar sein müsste: ein Flüchtling, der eine Frau vergewaltigt und ermordet, steht nicht stellvertretend für alle anderen Flüchtlinge. Ein Blick auf die Reaktionen bei Twitter zeigt aber, dass dieser eigentlich einfache Sachverhalt gar nicht oft genug erklärt werden kann. In dem sozialen Netzwerk reihte sich eine fremdenfeindliche und pauschalisierende Aussage an die nächste. Aus ästhetischen Gründen nur eine kleine Kostprobe:

Rainer Wendt warnt vor jungen, männlichen Flüchtlingen

Für die scharfe Rhetorik in der Sendung hatte sich die Illner-Redaktion Herrn Wendt eingeladen, dem es zwar fern läge irgendjemanden "unter Generalverdacht" zu stellen. Aber "auf die Gefahren durch minderjährige, männliche Flüchtlinge" sei man nicht gut genug vorbereitet. CDU-Mann Kretschmer meinte dazu, dass der überwiegende Teil der jungen, männlichen Flüchtlinge integrationsbereit sei, aber: "Die 3,4,5 Prozent, die sich an keine Regeln halten wollen, machen alles kaputt."

Die Deutsch-Iranerin Pohl gab zu Protokoll, dass sie "nachts Angst am Bahnhof" hätte und ihren Kinder Pfefferspray gekauft habe. Arabische Männer hätten ein anderes Frauenbild. "Wenn du als Mädchen in Afghanistan mit 15 nicht verheiratet bist, giltst du als Prostituierte." Den jungen Männern müsste man erklären, wie das hier bei uns funktioniert.

Hannelore Kraft: "Die werden wir nicht los"

Kraft betonte mehrfach, dass die Fehler in der Integration auf Bundesebene gemacht würden. In den Kommunen funktioniere Vieles gut und ohne große Bürokratie. Sie sah das große Problem darin, dass die ausreisepflichtigen Leute nicht abzuschieben sein. "Die werden wir nicht los." Kretschmer forderte daraufhin eine ausgeweitete Abschiebehaft, wie von seiner Partei angestrebt. Damit löse man das Problem nicht, entgegnete Kraft.

Eine Statistik sollte eine bessere Diskussionsgrundlage bringen: An rund 140.000 Straftaten im ersten Halbjahr 2016 seien Flüchtlinge beteiligt gewesen, wurde eingeblendet. Das sei ein Rückgang von 36 Prozent. Hier machte die Redaktion einen Fehler, wie ein Blick auf die Quelle, den BKA-Bericht dazu, zeigt. Die 36 Prozent bezogen sich auf den Rückgang von Januar 2016 zu Juni 2016, nicht zum Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2015 waren es rund 114.000 Straftaten von Flüchtlingen. Wendt befand aber ohnehin: "Mit Statistiken bekämpfen Sie doch keine Angst." 

Werden die Falschen abgeschoben?

Anschließend sprach Illner noch mit einem Flüchtling aus Afghanistan, der seit sechs Jahren in Deutschland lebt und keine Arbeitserlaubnis erhält, obwohl er arbeiten möchte. Nun soll er abgeschoben werden. Das brachte die Diskussion zu den sogenannten sicheren Herkunftsländern. Auch nach Afghanistan müsse man Menschen abschieben können, meinte Kretschmer. Autorin Pohl rührte das Schicksal des integrationsbereiten jungen Mannes. So jemand müsse hierbleiben dürfen. Wendt fasste zusammen: "Ich bin kein Experte in Abschiebepolitik, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass wir die Falschen abschieben."

fin