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TV-Kritik Maybrit Illner: Wenn mit Angst Wahlkampf gemacht wird

Pegida radikalisiert sich und beim Thema Flüchtlingskrise ist zurzeit kein Ende in Sicht. Zerreißt der Hass Deutschland? Bei Maybrit Illner wurde zu dieser Frage diskutiert. Ergebnis: Das Unbekannte schürt Angst. Eine Angst, die der AfD gerade recht kommt.

Von Wiebke Wetschera

"Inhaltlich gibt es keine Differenzen zwischen uns", sagte die AfD-Vorsitzende Frauke Petry bei Maybrit Illner über den umstrittenen Thüringer Landeschef Björn Höcke

"Inhaltlich gibt es keine Differenzen zwischen uns", sagte die AfD-Vorsitzende Frauke Petry bei Maybrit Illner über den umstrittenen Thüringer Landeschef Björn Höcke

Die Flüchtlingskrise hat die Bevölkerung zunehmend in Angst versetzt. Eine Angst, aus der auch viel Hass resultiert. Die Flüchtlingszahlen steigen Tag für Tag an, die Regierung scheint überfordert und die Menschen wehren sich - teilweise radikal. Brennende Flüchtlingsunterkünfte, radikale Demonstrationen und Hetze im Internet stehen mittlerweile auf der Tagesordnung.

Zum Thema "Mörderische Hetze - zerreißt der Hass das Land?" lief am Donnerstagabend im ZDF die Talkshow mit Maybrit Illner, die unfreiwillig zu einem Machtkampf zwischen der CDU und der AfD wurde. Armin Laschet, stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU, gegen Frauke Petry, die AfD-Bundesvorsitzende. Nach dem Auftritt von Björn Höcke, Chef der AfD in Thüringen, waren die Augen besonders auf Frauke Petry gerichtet. Doch wider Erwarten hielt sich Petry an diesem Abend nicht zurück.

"Die CDU-Politik ist verfehlt"

Petry äußerte sich zu dem Vorfall am Sonntagabend in der Sendung von Günther Jauch mit den Worten "Höcke ist Mitglied unserer Partei, aber es gibt unterschiedliche Stile, die man innerhalb jeder Partei pflegt. Er hat eingeräumt, dass er seinen Stil ändern will."

 Auch in der CDU gibt es in den vergangenen Wochen zunehmend parteiinterne Differenzen, die Petry sogleich zum Angriff nutzt: "Sie haben genug Mitglieder, die Ihnen sagen, dass ihre eigene Politik verfehlt ist", warf sie Armin Laschet vor. Als Lösung sieht sie: "Wir müssen darauf achten, dass wir zu einer sachlichen Diskussion zurückkehren. Wir klären die Bürger auf."

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, ein Nebenklageanwalt im NSU-Prozess, sieht das komplett anders: Er ist der Meinung, die AfD lebe von der Angst und der Zwietracht. "Ich glaube, dass wir die Ängste diskutieren müssen, aber die AfD und die NPD leben von den Ängsten", erklärte er. "Anfangs war es der Euro, jetzt sind es die Asylbewerber." Die "Alternative für Deutschland" als angstschürende Partei, die enorm von der Unsicherheit der Bürger in der Flüchtlingskrise profitiert. Das konnte Petry natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Stattdessen werden, ihrer Meinung nach, zunehmend Unwahrheiten verbreitet, die zu einer "Angst vor den Menschen, die auf die Straße gehen" führen würden.

Zu lange nicht gehandelt?

Doch mehr, als mehrfach zu wiederholen, die Regierung hätte bereits handeln müssen, fiel der AfD-Chefin nicht ein. Im Gegensatz zu der aktuellen Regierung seien die Dresdner Bürger "vorausschauend" und würden auch so handeln, da sie "diese Situation nicht bei sich haben wollen." Trotz der Abgrenzung zu Höcke wird klar: Inhaltlich ist Petry konkludent zu dem Mann, der das 1000-jährige Deutschland herbeirufen will. Denn Höcke hatte schon zuvor die Sachsen als "vorausschauend und weitblickend" bezeichnet.

Auf die Frage "Was macht Seehofer besser als Petry?" hatte Armin Laschet eine ganz klare Antwort:  "Seehofer macht eine Menge besser als Frau Petry". Er bewundere Seehofer für seine Integrationspolitik in Bayern. Es sei eine Politik, "die ich mir manchmal in meinem Land wünschen würde." Womit die Gäste dann wieder beim Thema Regierung wären. Das gefundene Fressen für Frauke Petry an diesem Abend. "Sie haben viel zu lange nicht gehandelt. Und jetzt tun die so, als müssten sie mit einem Problem umgehen, dass man nicht vorhersehen konnte", sagte Petry. Laschet erklärte, nun sei der Punkt erreicht, an dem man etwas tun müsse, wie beispielsweise die Verschärfung des Asylrechts bereits beschlossen wurde. Laschet gab aber auch zu: "Da kann man sagen, das ist ein paar Wochen zu spät gekommen - vielleicht."

Die Politik hat ihre eigene Wahrheit

"Sie tun, was Politiker häufiger tun. Sie sagen den Menschen schon wieder nicht die Wahrheit", wetterte Petry gegen Laschert. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende hingegen ist der Meinung "Zahlen werden von manchen Parteien überhöht, dadurch haben die Menschen erstmal Sorgen. Und sie haben erst recht Sorgen, wenn sie das interkulturelle Zusammenleben nicht kennen." Eine Angst, die wiederum die AfD für ihre Ziele nutzen kann. Petrys Version der Wahrheit ist eine andere: "Sachsen war immer ein weltoffenes Bundesland, sie wollen nur an ihren Traditionen festhalten."