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TV-Doku "Mein Freund Rockefeller": Cooler Hochstapler und kaltblütiger Mörder

Er zählt zu den raffiniertesten Betrügern aller Zeiten. Christian Gerhartsreiter zog von der bayrischen Provinz in die USA und führte dort als Clark Rockefeller ein ausschweifendes Leben. Eine Doku erinnert an den Hochstapler.

Chris Rockefeller

Der junge Christian Gerhartsreiter, der später als Hochstapler Clark Rockefeller bekannt wurde.

Dieser Stoff ist in jeder Hinsicht filmreif. Wenn es sich nicht wirklich so zugetragen hätte, müsste man die Geschichte erfinden: 1978 reist ein unscheinbarer 17-jähriger Deutscher namens Christian Gerhartsreiter in die USA - damit nimmt eine der spektakulärsten Hochstapler-Geschichten ihren Lauf. Dass er als einer der raffiniertesten Betrüger in die Geschichte eingehen würde, damit hat er wohl selbst nicht gerechnet. Denn eigentlich strebte der junge Bayer eine Karriere in Hollywood an. 

Doch er scheiterte, und so fantasierte sich der junge Mann aus dem Chiemgau im fernen Amerika Identitäten zusammen, denen sein Umfeld willig auf den Leim ging und die ihm einen Aufstieg in die Oberschicht ermöglichten. Schon damals agierte er unter falschem Namen. Nannte sich Christopher Chichester, Abkömmling eines englischen Adelsgeschlechts. Später startete er unter dem Alias Christopher Crowe eine Karriere als Börsenmakler an der Wall Street. Schließlich gab er sich als Clark Rockefeller aus, behauptete Spross der berühmten Milliardärs-Familie zu sein und heiratete eine Harvard-Absolventin, deren Jahresgehalt von über einer Million Euro ihm ein Leben auf großem Fuße ermöglichte.

Gerhartsreiter hat zwei Menschen getötet

Auf allen seinen Stationen gelang es ihm, sein Umfeld zu täuschen, alle ließen sich von dem Deutschen an der Nase herumführen. Es ist eine Geschichte, so unglaublich, dass man so etwas wie Bewunderung für den Betrüger empfinden könnte. So findet es eine Schulfreundin Gerhartsreiters "so was von cool, dass der in Amerika die Leute verarscht hat".

Doch das ist nur die eine Seite von Christian Gerhartsreiter, der in die weite Welt gezogen ist. Zur Wahrheit gehört auch: Er hat auf seinem steilen Aufstieg in die High Society zwei Menschen getötet.

Die Dokumentation "Mein Freund Rockefeller", die der BR am Dienstag um 22.30 Uhr zeigt, schildert beide Seiten dieser schillernden Person: den einnehmenden Menschen, dessen viele Freunde ihm noch heute nicht richtig böse sein können. Und den Psychopathen, der sich irgendwann in all seinen Rollen verloren hat.

"Er hat ein Stück Glitzern in das Leben der Leute gebracht"

Verantwortlich für Drehbuch und Regie ist die Journalistin Steffi Kammerer. Sie hat bereits mehrfach über den Fall Rockefeller geschrieben. Das erwies sich als großer Vorteil: "Die größte Schwierigkeit war es, meine Gesprächspartner dazu zu bringen, sich vor der Kamera als Rockefellers Freunde zu outen", sagt sie dem stern. "Dabei hat es mir geholfen, dass ich sie von den damaligen Recherchen schon kannte."

Kammerer verzichtet in ihrer Doku auf jeden Off-Kommentar, einzig alte Freunde und Weggefährten kommen hier zu Wort und versuchen zu erklären, wieso sie sich alle so bereitwillig täuschen ließen. "Er hat ein Stück Glitzern in das Leben der Leute gebracht. Offenbar hat das gereicht, um Zweifel zu unterdrücken", sagt Kammerer.

In vielen Ländern ist dieser Film bereits seit Juli bei Netflix erhältlich, etwa in den USA, Australien, Japan oder Großbritannien. Nun macht der BR diese Dokumentation auch den deutschen Zuschauern zugänglich. Zwar zu später Stunde, doch wach bleiben lohnt sich. Der Film zeigt einmal mehr: Die verrücktesten Geschichten schreibt immer noch das Leben.

Die Dokumentation "Mein Freund Rockefeller" ist am Dienstag, 27. September, um 22.30 Uhr im BR zu sehen.