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Neue Sat.1-Serie "Mila": In 287 Tagen zum Traummann

Sat.1 wagt sich mit einer neuen Romantic Comedy an den Start: In "Mila" sucht Ex-"GZSZ"-Star Susan Sideropoulos die große Liebe. Leider geht's immer noch nicht ohne Klischees.

Mila

Oh Schreck - die kleine Schwester heiratet! Mila (Susan Sideropoulos) hört plötzlich die biologische Uhr ticken.

Soap-Star Susan Sideropoulos wird ab Montag auf einem mintfarbenen Roller durch ein Wohlfühl-Berlin geschickt - immer auf der Suche nach Mr. Right. Denn was wollen weibliche Großstadt-Singles Anfang 30? Natürlich einen Mann. Am besten nicht von Tinder, sondern aus dem echten Leben. Mit "Mila" startet am Montag eine neue Vorabendserie, für die Sat.1 gleich ein neues Genre erfunden hat. Der Sender will weg von der Vorabend-Telenovela, hin zur "Daily Romantic Comedy". Alles soll frecher, lustiger und innovativer sein. Aber so ganz ohne Klischees geht's dann doch nicht.

Was stimmt: Bei "Mila" spürt der Zuschauer etwas mehr Herzblut und Liebe zum Detail als bei den üblichen Vorabend-Soaps. Gedreht wird nicht in sterilen Studios, sondern in echten Locations in Berlin Neukölln. In der ersten Folge wird immerhin ganz flott in Rückblenden erzählt und auch mal kurz - in bewährter "Berlin, Berlin"-Manier - ein Comic-Pfeil eingeblendet. Und auch bei den Dialogen findet sich dank Ironie gelegentlich was zum Schmunzeln.

Mila ist tougher als andere Heldinnen

"Mila ist eine tolle selbstbewusste Singlefrau. Sie schreibt App-Kritiken für ein cooles Online-Magazin," sagt ihre kleine Schwester Luisa (Jenny Bach). "Mila ist eine unglückliche Single-Frau in einer Jogginghose und mit einem miesen, schlechtbezahlten Job," sagt Milas Mutter (Claudia Lietz). Treffender kann man die Diskrepanz zwischen so manchem Facebook-Profil und dem wahrem Leben nicht aufzeigen. Weil Mila aber die Heldin in einer romantischen Komödie ist, geht ihr die zweite Beschreibung zu Herzen. Hat die Mutter Recht und Mila landet "auf der Resterampe"? Oder noch schlimmer: Wird sie so wie die einsame verrückte Katzen-Oma von nebenan? Als die kleine Schwester ihre Verlobung verkündet, beschließt Mila jedenfalls : In den 287 Tagen bis zur Hochzeit findet sie ihren Traummann.  

Es sind die üblichen romantischen Klischees, die die Serie bedient, auch wenn sie sich stellenweise bemüht, das etwas aufzuheben. Sideropoulos' Mila ist deutlich tougher und selbstbewusster als die gängigen Vorabend-Singles. "Willst du nicht erst noch ein bisschen leben?", rutscht es ihr raus, als sie von der Verlobung ihrer 23-jährigen Schwester erfährt. Gleichzeitig hat sie die typischen Charakteristiken einer romantischen Heldin: Sie ist chaotisch, tollpatschig und ohne Mann unglücklich. Und futtert außerdem ständig mit der besten Freundin (Laura Osswald) Süßigkeiten oder Würstchen - als Identifikation für die auf der Couch lümmelnde Zuschauerin. Trotzdem spielt die Serie auch mit Milas romantischen Sehnsüchten. "Du wünscht dir einen Penis, der dir ein Reihenhaus baut? Dafür hab ich nicht die gläserne Decke durchbrochen, Fräulein!", sagt Milas Chefin (Simone Hanselmann) zum Beispiel  - deren Figur jedoch eine komplett überzeichnete Karrierefrau ist.

Wirklich anders wäre es gewesen, wenn Sat.1 eine zufriedene Singlefrau - mit oder ohne Katzen - gezeigt hätte. Oder zumindest eine Mila, deren Leben sich nicht nur um die Suche nach einem Mann dreht.  Aber das wollen die Singles, die um 19 Uhr den Fernseher einschalten, um sich während dem tindern berieseln zu lassen, vielleicht gar nicht sehen.