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Neues Talkformat im ZDF: Peter Hahne will lächelnd Biss zeigen

Peter Hahne wechselt die Rolle. Vom Brandenburger Tor in Berlin aus präsentiert er eine nach ihm benannte Talksendung. Dabei hat der Nachrichtenmann Zeit für ausführliche Gespräche - und wird auch weiterhin alles Böse weglächeln.

Elf Jahre war Peter Hahne stellvertretender ZDF-Hauptstadtstudioleiter. Jetzt wechselt der wertkonservative Journalist seinen Arbeitsplatz. Künftig steht Hahne nicht mehr als Reporter vor dem Kanzleramt, sondern moderiert am Sonntagmittag eine Talksendung in einem Studio direkt am Brandenburger Tor. Dort bespricht der 57-Jährige mit ein oder zwei Gästen ein Aufregerthema der Woche. Die Sendereihe heißt "Peter Hahne" und beginnt an diesem Sonntag um 13 Uhr im ZDF.

Zur Premiere kommt die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann. Das Gespräch wurde bereits am Samstag aufgezeichnet. Gefragt, ob sie nach ihrem Rücktritt als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in die Politik wechseln woll, sagte Käßmann: "Das ist nicht mein Feld. Ich bin ganz und gar Frau der Kirche". Auf Hahnes Frage, wie sie im Februar mit 1,54 Promille Alkohol im Blut geradeaus durch Hannover gekommen sei, sagte Käßmann: "Weiß ich auch nicht". Sie deutete Zweifel an dem Kontrollwert an. "Aber ich strenge hier kein Verfahren an und werde nicht über Blutwerte streiten." Wer an diesem Abend im Auto neben ihr saß, verriet die 57-Jährige auch dem ZDF-Moderator nicht. "Was geht Sie es an, mit wem ich im Kino war?"

Hahne, der knappe Schaltgespräche und kurze Anmoderationen gewohnt ist, freut sich auf sein neues Format. "Eine halbe Stunde Sendezeit am Stück ist ein Geschenk. Man muss die Gäste nicht immer gleich unterbrechen und kann ein Thema vertiefen." Aber noch ein Talkformat mehr - und das ausgerechnet zur Mittagszeit am Sonntag? Hahne kennt die Skepsis. "Es werden sicher keine super investigativen, konfrontativen, scharfen Interviews", berichtet er über sein Konzept. "Aber man kann auch lächelnd Biss zeigen. Es geht um die Balance zwischen politischen und persönlichen Fragen, ohne dabei seicht dahinzuplätschern." Als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Mai ausfiel, hätte er in seiner Sendung gefragt: "Dürfen Politiker nicht krank werden?"

Hahne lächelt alles Böse weg

Jede Woche bekommt Hahne Hunderte E-Mails von Zuschauern und Lesern seiner Kolumne in der "Bild am Sonntag". Seine Bücher ("Schluss mit lustig - Das Ende der Spaßgesellschaft") haben eine Auflage von sechs Millionen erreicht. Er ist stets optimistisch, hat einen unerschütterlichen christlichen Glauben und lächelt auf dem Bildschirm alles Böse weg. Zyniker nennen ihn den "guten Menschen vom ZDF" und seinen neuen Talk "Das Wort zum Sonntag". Hahne bringt das aber nicht aus der Ruhe und stellt sich auf den einen oder anderen bissigen Kommentar ein. "Ich bin lieber Gutmensch als Giftzwerg", kontert er. "Und ich habe was gegen den Grauschleier-Journalismus, bei dem es immer fünf vor zwölf ist - und wenn die Sendung zu Ende ist, müssten sich alle umbringen."

Zu seinem Wechsel meint Hahne: "Ich bin ein Typ, der eine Tür zumachen kann und fröhlich nach vorne blickt." Mit einem Bein bleibt er aber im Regierungsviertel verankert. So setzt er die ZDF- Sommerinterviews fort und befragt Politiker in der Reihe "Was nun...?". Seine Rolle sieht er als "Dienstleister am Zuschauer" und betont: "Ich stelle Fragen im Namen der Leute, die keine Gelegenheit haben, mit dem Staatsoberhaupt oder der Kanzlerin zu sprechen."

Direkt nach dem "ZDF-Fernsehgarten"

Einen Wunsch-Gast hat Hahne nicht. "Es gibt fast niemanden - außer dem Papst - den ich noch nicht interviewt habe." Die Sendezeit nach dem "ZDF-Fernsehgarten" hält er für erfolgversprechend und will an die Quote der Show anknüpfen - im Durchschnitt waren das 2009 rund 2,2 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 21 Prozent). Dass das ZDF ein Studio von "Spiegel TV" nutzt und nicht aus den eigenen Räumen wenige Meter entfernt sendet, finden im Sender jedoch nicht alle gut.

Seine Karriere begann der gebürtige Westfale (Minden) beim Saarländischen Rundfunk. Von 1991 bis 1998 moderierte er die "heute"-Hauptnachrichten. Sein aktueller Wechsel hängt mit einer größeren Rochade zusammen. Der Berliner Studioleiter Peter Frey wurde ZDF-Chefredakteur, seine Nachfolgerin ist Bettina Schausten, ihr Vertreter ist Thomas Walde; Hahnes Vertrag lief aus.

Er ist Mitglied der EKD-Synode und erhielt zahlreiche Auszeichnungen unterschiedlicher Kategorien: So ist er Ehrenkommissar der Bayerischen Polizei, Goldener Winzer und hat das Närrische Steckenpferd erhalten, aber auch einen Bambi, den Goldenen Gong und den Preis für Evangelische Publizistik. Entspannung findet er beim Fahrradfahren im Spreewald und Skifahren im Wallis.

Rolf Westermann/DPA; DPA / DPA