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Katholiken wütend Klagen gegen Gottesdienstverbot eingereicht – auch Peter Hahne fordert: "Macht Ostern die Kirchen auf!"

Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke hält einen Gottesdienst in einer leeren Kirche vor einer Kamera ab
Mittlerweile werden vermehrt Gottesdienste übertragen: Wie hier aus der St. Aegidien-Kirche mit dem Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke 
© Swen Pförtner / DPA
Wegen des Kontaktverbots dürfen Kirchen in der Corona-Krise keine Gottesdienste mit Besuchern abhalten. Einige Katholiken aus Deutschland sagen jetzt, sie fühlten sich in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt – und klagen.

Der Propst des römisch-katholischen Instituts St. Philipp Neri in Berlin, ein Anwalt aus München, ein Katholik aus Hessen – sie alle fordern dasselbe: Die Kirchen sollen wieder für Gottesdienstbesucher öffnen. Auch der frühere ZDF-Moderator und Theologe Peter Hahne verlangt, zumindest an Ostern die Kirchen zu öffnen. Wegen der Corona-Krise sind Gottesdienste mit Besuchern nicht gestattet.

Probst Gerald Goesche aus Berlin hält eine gerichtliche Überprüfung des Verbots für notwendig. Die Religionsfreiheit gehöre zu den grundgesetzlich verbrieften Rechten, und das Verbot wegen der Corona-Krise sei ein schwerwiegender Eingriff in die Grundrechte, kritisierte Goesche am Sonntag. "Deshalb hat sich der Freundeskreis unseres Instituts dazu entschlossen, den Rechtsweg zur Überprüfung zu beschreiten und einen entsprechenden Antrag beim Verwaltungsgericht eingereicht."

Ein Sprecher des Gerichts erklärte, der Antrag sei eingegangen. Es soll im Lauf der Woche über ihn entschieden werden. Goesche erläuterte, mit diesem Schritt solle geklärt werden, ob es gerade in der Karwoche und zu Ostern öffentliche Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmern geben könne. "Vor drei Wochen hat es noch diese Möglichkeit gegeben. Wir haben seinerzeit den Berliner Vorgaben entsprechend Listen geführt und alle Gottesdienstbesucher erfasst. In der Kirche selbst konnten und können wir den geforderten Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Gläubigen gewährleisten. Darin haben wir Übung", sagte Goesche.

Probst: "Es muss einen Mittelweg zwischen Verbot und Freigabe geben"

Der Propst betonte, dass man sich vor Infektionen mit dem Covid-19-Virus schützen müsse. Auch unter den Gläubigen gebe es die Furcht vor Ansteckung. Deshalb seien Vorsichtsmaßnahmen wichtig. "Es muss jedoch einen Mittelweg geben zwischen einem totalen Verbot und einer kompletten Freigabe."

In Hessen hatte in den vergangenen Tagen bereits ein Katholik Klage gegen das Gottesdienstverbot eingereicht. Er fordert, dass das Verbot von Zusammenkünften in Kirchen, Moscheen und ähnlichen Einrichtungen aufgehoben wird. Laut dem Verwaltungsgerichtshof Kassel beabsichtigt der zuständige Senat, noch vor Ostern über den Antrag zu entscheiden.

Auch ein Anwalt aus München hatte geklagt. "Das absolute Verbot verletzt mich in meiner Religionsfreiheit. Ähnlich den Regelungen zu lebensnotwendigen Dienstleistungsbetrieben wäre eine Erlaubnis mit strengen seuchenhygienischen Auflagen das mildere Mittel gewesen", sagte der Anwalt am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in München.

Ebenso plädiert der Bestsellerautor Peter Hahne dafür, die Kirchen an Ostern für Besucher zu öffnen. Er sagt: "Ein Verbot des Staates, sogar mit Strafen, ist ein Angriff auf die Religionsfreiheit."

Kirchen finden bereits Alternativen für Besucher

Kirchen werden bereits aktiv, um Menschen trotz des Verbots an Gottesdiensten teilhaben zu lassen. Immer mehr Kirchen übertragen Gottesdienste ins Internet. Das ZDF überträgt erstmals einen katholischen Gottesdienst in der Osternacht: die Katholische Osternachtsfeier am Samstag, 11. April 2020 um 23.00 Uhr, mit Bischof Peter Kohlgraf aus dem Mainzer Dom.

ame dpa

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