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Nach Promille-Tour: Käßmann drohen üble Konsequenzen

Ihre trunkene Tour durch Hannover hat für Bischöfin Margot Käßmann ein Nachspiel. 1,54 Promille ergab die Blutprobe. Ab 1,1 handelt es sich um eine Straftat. Die möglichen Konsequenzen sind vielfältig. Vorsorglich hat die Kirchenfrau alle Termine für die kommenden Tage abgesagt.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, hatte bei ihrer Trunkenheitsfahrt am vergangenen Samstag sogar 1,54 Promille Alkohol im Blut und nicht 1,3 wie zunächst angenommen. Dies habe ihre Blutprobe ergeben, sagte Staatsanwalt Jürgen Lendeckel am Dienstag in Hannover. Der Bischöfin drohen ein einjähriger Führerscheinentzug und eine Geldstrafe von einem Monatsgehalt. Ob Käßmann bei der erneuten Beantragung des Führerscheins eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung - den so genannten Idiotentest - absolvieren muss, wird die Führerscheinstelle entscheiden müssen.

Viel gravierender für Käßmann: Die EKD kann noch nicht sagen, ob die Alkoholfahrt von ihrer Seite aus Folgen haben wird. Es werde beraten, erklärte die Kirche. Für die kommenden Tagen hat Käßmann erst einmal alle Termine abgesagt. Sie war am Dienstag ursprünglich in Osnabrück zum Jubiläum der evangelischen Fachschulen und am Abend in Hildesheim im Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst erwartet worden. Hannovers Bischöfin hatte das Spitzenamt erst vor vier Monaten vom Berliner Bischof Wolfgang Huber übernommen, der aus Altersgründen ausschied.

"Ich bin über mich selbst erschrocken"

Käßmann selbst gibt sich reuevoll. "Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler gemacht habe", ließ Käßmann über die EKD mitteilen. "Mir ist bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist. Den rechtlichen Konsequenzen werde ich mich selbstverständlich stellen." Der Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers sagte der Nachrichtenagentur DAPD, Käßmann sei auf einem privaten Termin gewesen. Grundsätzlich könne die Bischöfin für Termine einen Fahrer anfordern, doch der habe "auch irgendwann mal Feierabend".

Einige Äußerungen der Kirchenfrau aus dem vergangenen Jahr dürften die trunkene Fahrt zur Fastenzeit für Käßmann noch peinlicher machen als ohnehin schon. Im März 2009 hatte sie "Spiegel Online" gesagt, dass das Fasten "eine Chance für einen neuen Blick auf das Leben" bringe. Man habe in der Fastenzeit den Raum, sich mit existenziellen Fragen zu beschäftigen wie "Was bedeutet Gott für mich?". Käßmanns Rat: "Nur Mut, versuchen Sie es!". Auf diesen Versuch hat EKD-Vorsitzende in diesem Jahr offenbar verzichtet. Schon 2009 hatte sie gesagt, dass der Verzicht auf Alkohol während der Fastenzeit schwer falle. "Ich merke auf einmal, wie sehr ein Glas Wein am Abend zur Gewohnheit werden kann."

Betrunken über eine rote Ampel

2010 fiel es ihr dann offenbar so schwer, dass die dem alkoholischen Genuss nicht mehr widerstehen konnte. Aufgefallen war die Trunkenheit am Steuer nur, weil Käßmann eine rote Ampel überfahren hatte. Polizisten hatten sie daraufhin in der Hannoveraner City gestoppt. Bei der Kontrolle hatten die Beamten dann Alkohol gerochen und Käßmann einem Atemalkoholtest unterzogen. Das Ergebnis hatte beim ersten Check laut "Bild"-Zeitung bei etwa 1,3 Promille gelegen.


Die ersten Reaktionen auf die Alkoholtour fielen am Dienstag moderat aus. Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer nahm die EKD-Ratsvorsitzende in Schutz. "Das ist ein Blackout, der leider immer wieder Leuten passiert, die in öffentlichen Ämtern unter Dauerstress stehen", sagte er der "Leipziger Volkszeitung". Gleichwohl sei die Alkoholfahrt eine Verfehlung, die nicht einfach zu rechtfertigen sei. Der Vorsitzende der konservativen Protestanten, der Hamburger Pfarrer Ulrich Rüß, erklärte in derselben Zeitung, es sei jetzt nicht angebracht, von außen einen Rücktritt zu fordern. Käßmann sei "sensibel genug" die entsprechenden Konsequenzen selbst zu ziehen. Die Unions-Kirchenpolitikerin Maria Flachsbarth bezeichnete Käßmanns Alkoholfahrt zwar als "klare Verfehlung". Sie glaubt aber nicht, "dass ihr Amt Schaden daran nimmt. Sie ist und bleibt eine herausragende Theologin."

DAPD/DPA / DPA