Am 24. Februar 2022 begann Russland unter Präsident Wladimir Putin (73) seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Seitdem hält der Konflikt die Welt in Atem und inspirierte zahlreiche preisgekrönte Dokumentarfilme. In diesem Jahr erhielt "Ein Nobody gegen Putin" den Oscar. 2024 wurde "20 Tage in Mariupol" ausgezeichnet, eine erschütternde Doku über den Überlebenskampf der Menschen in der ostukrainischen Hafenstadt.
Bereits ein Jahr zuvor gewann "Navalny", das Porträt des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, den Academy Award. Auch die Filmwelt greift das Thema im fiktionalen Bereich auf: So versucht "Der Magier im Kreml" den Machtapparat um Putin filmisch zu beleuchten, bleibt jedoch trotz namhafter Besetzung hinter den Erwartungen zurück.
Worum es in dem Film geht
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman des italienischen Autors Giuliano Da Empoli. Die Hauptfigur Vadim Baranov ist an Wladislaw Jurjewitsch Surkow angelehnt - ein russischer Intellektueller, Theaterregisseur und Autor, der als ideologischer Architekt von Wladimir Putins Machtapparat gilt.
Ein US-amerikanischer Journalist, verkörpert von Jeffrey Wright, trifft den zurückgezogenen Machtstrategen auf dessen abgelegenem Landsitz. Dort erzählt ihm Baranov, wie er sich zu einem der vertrauenswürdigsten Berater Putins entwickelt hat.
Ambitioniert, aber unausgewogen
"Der Magier im Kreml" erzählt Baranovs Lebensweg, von seinen Anfängen an der Kunsthochschule in den 1980er Jahren bis zu den 2010er Jahren, in denen er aktiv an der politischen und kulturellen Restauration des modernen Russlands mitwirkte. Der Film ist ein ambitioniertes Werk, das versucht, die unterschiedlichen Epochen russischer Geschichte eindrucksvoll einzufangen, jedoch mit wechselndem Erfolg.
Während der Einstieg schleppend verläuft, gewinnt der Film deutlich an Fahrt, sobald die Handlung in den 1990er Jahren ankommt. In dieser Phase arbeitet Baranov für den einflussreichen Oligarchen Boris Berezovsky (Will Keen) und gerät zunehmend ins Visier von Wladimir Putin (Jude Law). Gemeinsam ebnen sie den Weg für Putins Aufstieg zum Präsidenten und läuten damit eine neue politische Ära ein, die sich klar von der Zeit Boris Jelzins abgrenzt.
Drehbuch mit Schwächen
Der französische Regisseur Olivier Assayas liefert eine handwerklich tadellose Inszenierung, doch das unausgewogene Drehbuch bleibt die größte Schwäche des Films. "Der Magier im Kreml" ist ein dialoglastiges Drama, das stark auf erklärende Dialoge setzt. Statt der Geschichte und den Figuren zu vertrauen, führt der Film sein Publikum ständig an der Hand und erklärt, was ohnehin sichtbar wäre - ein Stilmittel, das bald ermüdet.
Auch die Liebesgeschichte zwischen Baranov und der narzisstischen Ksenia (Alicia Vikander) wirkt nie wirklich überzeugend. Der Film ist dann am stärksten, wenn politische Akteure über die Zukunft der Demokratie verhandeln. Besonders eine Szene aus den 2010er Jahren, die die Manipulation durch Online-Bots und Desinformation illustriert, ist beeindruckend. Zwar steht Putin nicht im Zentrum der Handlung, doch seine Auftritte gehören zu den Momenten, in denen der Film besonders fesselnd ist.
Starke Besetzung
Jude Law überzeugt als Wladimir Putin auf ganzer Linie: Mit verächtlich vorgeschobener Unterlippe beobachtet er jene, die er missachtet, während er gemeinsam mit Baranov das Fundament eines autokratischen Systems entwirft. Seine Darstellung bleibt dabei weit mehr als bloße Nachahmung - wie viele seiner Kollegen verzichtet Law auf einen russischen Akzent und trifft stattdessen den Kern der Figur. Ihm gelingt es, die kühle Distanz und den Machtinstinkt eines Mannes einzufangen, der weder an Höflichkeiten noch an Small Talk Interesse zeigt. Sein Ziel: Machtergreifung und Machterhaltung.
Paul Dano spielt den Strategen Baranov überzeugend, doch seine Figur ist nicht annähernd so vielschichtig wie Putin, daher bleibt Dano oft im Schatten des charismatischen Gegenspielers. Oscarpreisträgerin Alicia Vikander punktet in der Rolle der Ksenia, während Jeffrey Wrights Talent ungenutzt bleibt, da seine Figur wenig zu tun hat. In einer Nebenrolle liefert Will Keen als Oligarch Boris Berezovsky einen starken Auftritt.
Fazit
"Der Magier im Kreml" besitzt durchaus starke Momente, bleibt jedoch im Gesamteindruck unausgewogen. Ein präziseres Drehbuch hätte dem Film gut getan. Die schauspielerischen Leistungen überzeugen hingegen und sind das Highlight des Films.