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Zurückgetretene Intendantin Patricia Schlesinger äußert sich erstmals zum RBB-Skandal – und erkennt kaum eigene Fehler

Patricia Schlesinger, zurückgetretene Intendantin des RBB
Patricia Schlesinger war seit 2016 Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB)
© Britta Pedersen / DPA
Die zurückgetretene RBB-Intendantin Patricia Schlesinger hat mit ihrer Affäre auch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in eine Krise gestürzt. Im Interview mit der "Zeit" drückt die 61-Jährige darüber Bedauern aus - eigene Fehler sieht sie dagegen kaum.

Sie hat in den vergangenen zwei Monaten die Schlagzeilen bestimmt wie neben ihr nur Winnetou und Layla: Anfang August trat Patricia Schlesinger zunächst als ARD-Chefin zurück, wenige Tage später auch als Intendantin des RBB. Zuvor waren zahlreiche Vorwürfe bekannt geworden, von Vetternwirtschaft, angeblichen Luxusanschaffungen und mutmaßlichen Compliance-Verstößen war die Rede.

Im Gespräch mit der "Zeit" hat sich Schlesinger nun erstmals ausführlich zu der Affäre geäußert, die auch das Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk schwer erschüttert hat. Erschüttert, das ist auch Schlesinger, wie sie gleich zu Beginn des Interviews sagt. Allerdings nicht über sich selbst und ihre Handlungen - wie die "Zeit" zur Präzisierung nachfragt. Sondern über den Verrat, dem sie zum Opfer gefallen sei: "Meine Türen standen fast immer offen, ich wollte, dass meine Mitarbeiter mitbekommen, was ich tue", klagt die 61-Jährige. "Die Anschuldigungen kommen aus meinem engsten Umfeld. Das hat mich besonders getroffen, es schmerzt mich bis heute."

Patricia Schlesinger: Reue nur in homöopathischen Dosen

Damit ist der Ton gesetzt. Fehler hat sie zwar auch gemacht, das gibt sie hin und wieder durchaus zu. Doch wenn sie sich selbst etwas zur Last legt, dann sind es meist Kleinigkeiten. Petitessen, wie sie jedem von uns mal unterlaufen können. "Ich habe den großen Unmut, die Wut der Leute beim RBB unterschätzt." Als sei eine unzufriedene Belegschaft hier das Problem - und nicht etwaige eigene Verfehlungen.

Ansonsten hat sie für alle Vorwürfe eine schnelle Erklärung. Die luxuriösen Abendessen, die sie bei sich zu Hause auf Senderkosten ausgerichtet hat? "Habe ich mitnichten heimlich veranstaltet." Dass sie einen Audi A8 für weit über 100.000 Euro fuhr? "Mein Auto lag da eher im mittleren Bereich." Die feudalen Massagesitze? "Überflüssiger Klimbim". 

Einiges wurde im Laufe der erhitzt geführten Debatte um Schlesingers Ära beim RBB in den Medien sicherlich überzogen widergegeben. Die frühere Intendantin bekommt hier die Gelegenheit, Dinge aus ihrer Sicht darzustellen. Den legendären Massagestuhl, der zum Symbol der Verschwendung wurde, habe sie weder bestellt noch benutzt. Er habe zudem nicht in ihrem Büro gestanden, stellt Schlesinger klar.

Ihre Sicht der Dinge

Auch über den Umbau ihres Büros sei falsch berichtet worden. Er habe lediglich die Hälfte der kolportierten 1,4 Millionen Euro gekostet. Zudem sei damit die gesamte Intendanz renoviert worden. Das Interview gibt ihr ausführlich Gelegenheit, die Geschichte aus ihrer Perspektive zu erzählen. Das ist gut und richtig so.

Doch nicht immer gelingt es ihr, die Vorwürfe überzeugend zu widerlegen. Dass sie sich italienisches Eichenparkett für 16.783,82 Euro legen ließ und dabei völlig den Kostenrahmen sprengte, sei ihr nicht bewusst gewesen. Warnungen des Controlling hätten sie nicht erreicht. Kann das wirklich sein? Hat sie ihren Laden nicht im Griff gehabt? Auch hier sieht Schlesinger nur einen Fehler ihrerseits: "Ich hätte mich einfach mehr um solche Dinge kümmern müssen."

Tatsächlich stellt sie sich an vielen Stellen eher als Opfer dar denn als ein Mensch, der dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufgrund eigener Verfehlungen schweren Schaden zugefügt hat. Auf den Hinweis der Interviewer, dass eine Zeitlang jeden Tag neue Vorwürfe aufgekommen seien, erwidert sie etwa: "Geschlafen habe ich nicht viel in der Zeit."

So dürfte es allerdings auch unzähligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des RBB gehen, die jeden Tag für ihren Sender auf den Straßen ihr Gesicht hinhalten und täglich den Unmut der Gebührenzahler zu spüren bekommen. Und die nichts falsch gemacht haben.

Geradezu skurril wird das Interview am Schluss. Wie die Leute auf der Straße reagierten, wollen die Interviewer wissen. "Es gibt einige, vor allem Frauen, die sagen: 'Halten Sie das bitte durch'", lautet Schlesingers Antwort. Die "Zeit"-Journalisten finden umgehend die richtige Erwiderung auf diese Anmaßung: "Bei allem Respekt, Sie sind ja keine Jeanne d’Arc, die durchhalten müsste im Kampf für Gerechtigkeit." 

Als Leser schüttelt man da längst sprachlos den Kopf.

Quelle: "Die Zeit" (Bezahlinhalt)

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