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Nostalgie Da geht einem das Herz auf: Kinderserien von früher, die uns noch immer glücklich machen

Eine Szene aus "Luzie, der Schrecken der Straße"
Eine Szene aus "Luzie, der Schrecken der Straße"
© Leonine / WDR Media Group
Manche Kinderserien von früher schaffen es auch heute noch, uns direkt wieder zu unbeschwerten Sechsjährigen zu machen. Wir haben deshalb einmal unsere zehn liebsten zusammengestellt.

Wir sind mittlerweile erwachsen, seriös, haben Berufe, verdienen Geld. Wir ziehen uns "anständig" an, räumen freiwillig auf und versuchen, uns gesund zu ernähren. Hätte das jemand unserem sechjährigen Ich erzählt – das wäre womöglich ziemlich überrascht davon. Das Kind in uns wird im stressigen Alltag meistens ignoriert. Pflicht kommt nun mal vor Spaß. Aber manchmal, manchmal reicht es, die Melodie aus dem Vorspann einer alten Kinderserie zu hören – und plötzlich sind wir wieder sechs.

Natürlich kann man heute nicht mehr mit genau derselben Begeisterung, Offenheit und Geduld in den Serien von früher versinken, wie man es als Kind konnte (danke, ruinierte Aufmerksamkeitsspanne durch soziale Medien...), aber es gibt eine ganze Reihe Kinderserien-Klassiker, die auch heute noch gut dastehen. Wir haben einmal die zehn Serien aufgezählt, die uns besonders geprägt und beeindruckt haben. Dass es noch viele mehr gibt, wissen wir – aber das würde hier den Rahmen sprengen.

1. "Es war einmal ... das Leben"

Wenn ich eines über den menschlichen Körper weiß, dann, dass durch unsere Adern freundliche, pummelige rote Blutkörperchen spazieren, die pflichtbewusst einen Haufen Sauerstoffbläschen von A nach B tragen. Oder? Diese französische Zeichentrickserie, die in Deutschland 1990 zum ersten Mal zu sehen war, machte uns schlauer, ohne dass wir das bemerkten. Plötzlich kapierte ich beispielsweise, wie Augen funktionieren, und warum Leukämie so eine schlimme Krankheit ist. Und das alles wird kindgerecht, mit putzigen Figuren und einem eigenwilligen Humor, erklärt.

2. "Die Mumins"

Sie erinnern etwas an Hobbits, allerdings sehen sie auch ein wenig aus wie Nilpferde: Die Mumins. In der ersten Folge der Serie kommt der Frühling ins Mumintal und Mumin, Snufkin, Sniff und Klein-Mü bekommen schreckliche Lust darauf, Abenteuer zu erleben. Also ziehen sie los und finden einen großen Zylinder in den Bergen, der Zauberkraft besitzt. Alles, was sie hineinwerfen, verwandelt sich auf wundersame Weise. In den weiteren Folgen erleben die Freunde immer neue Abenteuer: Sie fahren mit einem Floß, entdecken Schiffswracks oder werden auf dem Meer von den "Hattifnatten" bedroht. Der liebste Charakter der Serie war für mich immer "Klein My", ein freches, kleines Mädchen – wegen ihrer autonomen und egoistischen Art. Sie hat die Gabe, jede Situation schnell zu durchschauen, und mischt sich gerne mal ein. Die Geschichten der Mumins, auf die ich als Kind in den 90ern stieß, sind im Original übrigens schon mehr als 70 Jahre alt! Im Jahr 2020 wurden sie noch einmal neu animiert und auf Kika ausgestrahlt. 

3. "Luzie, der Schrecken der Straße"

Langeweile in den Sommerferien kenne ich nicht wirklich, irgendwas war immer los. Luzie, der Hauptfigur aus "Luzie, der Schrecken der Straße", ging es da wohl etwas anders. Ihr ist vor dem Schulbeginn so langweilig, dass sie in Oswalds Bande aufgenommen werden möchte. Dafür muss sie aber diverse Mutproben bestehen: Bei einer soll sie Knete aus einem Laden klauen, was Luzie auch macht. Womit sie allerdings nicht rechnet: Die orange und grüne Masse verwandelt sich in zwei lebendige Figuren. Friedrich und Friedrich nennt Luzie die beiden.

Wie es Knete nun mal als Eigenschaft mitbringt, können die Friedriche ihre Form verändern, als Kugel umherrollen, Arme und Beine ausfahren. Sie haben aber auch noch eine Art Zauberkraft: Sie bauen im Sommer eine Eisbahn oder holen die sieben Weltmeere in Luzies Wohnzimmer. Auch wenn bei dem ganzen Quatsch, den die Figuren machen, mal etwas zu Bruch geht, sind Friedrich und Friedrich liebenswerte Kerlchen, die mich mit ihren fantasievollen Einfällen als Kind immer begeistert haben. Letztendlich muss Luzie trotzdem eine schwierige Entscheidung treffen ... Die Serie hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel – 40 sind es. Trotzdem bringt sie jede Menge nostalgischen Charme mit sich!

4. Neues vom Süderhof

Erinnert ihr euch an Molle, Bimbo und Daniel? An den kleinen Ben? Bestimmt. Erinnert ihr euch daran, warum all diese Kinder zusammen auf dem idyllischen Hof lebten, zwischen Küken, Pferden und grünen Wiesen? Vermutlich nicht. Dass die Eltern von Daniel, Peggy und Ben gleich in der ersten Folge bei einem Flugzeugabsturz für immer aus der Geschichte katapultiert werden und die drei Kinder deshalb als Waisen bei den anfangs ungeliebten Verwandten auf dem Land unterkommen, vergisst man bei lauter Bauernhofgemütlichkeit ziemlich schnell. Die Erlebnisse der Teenager und ihrer Tiere (Pony Klärchen oder Schildkröte Sybille zum Beispiel) bleiben einem im Endeffekt weniger in Erinnerung als das heimelige Gefühl und das schmissige Titellied von Rolf Zuckowski – und die Tatsache, dass nach der ersten Staffel einmal alle Schauspieler (bis auf Oma Hertha) rigoros ausgetauscht wurden ...

5. "Karlsson vom Dach"

Ich kann gar nicht genau sagen, was für ein großer Kindheitstraum es immer von mir war, einen ausfahrbaren Propeller auf dem Rücken zu haben, mit dem man fliegen kann – über die Dächer des Heimatorts. Heute würde das wegen meiner ausgeprägten Höhenangst gar nicht mehr in Frage kommen ... Die Serie handelt von Karlsson, der alleine auf einem Hausdach lebt. Da gibt es keine Eltern, die nach ihm schauen, er kann machen, was er möchte. Er ist dabei ziemlich besserwisserisch unterwegs. Der fliegende Junge lernt eines Tages den kleinen Lillebror kennen. Die beiden werden Freunde und spielen von da an den Nachbarn Streiche oder machen Ausflüge in Karlssons Haus. Der etwas selbstsüchtige, aber doch liebenswerte Karlsson bekommt von Lillebror Schokolade oder Fleischklößchen – der schüchterne Lillebror bekommt von seinem fliegenden Freund gezeigt,  wie man die Ellenbogen ausfährt. 

6. "Als die Tiere den Wald verließen"

Ja, wir wissen, dass diese Serie ihre verstörenden Momente hat. Aber habt ihr schon mal eine Natur-Doku gesehen? So weit hergeholt ist das alles nicht! Igel werden nun mal leider regelmäßig auf Straßen überfahren, und Menschen wollen den Tieren nicht immer Gutes. Diese hübsch gezeichnete Trickserie erzählt die Geschichte der Tiere aus dem Thalerwald, die aus ihrer Heimat flüchten müssen, da Menschen den Wald abholzen (Menschen, ey!). Sie machen sich auf den Weg in ein Reservat – und müssen nun gemeinsam die weite Reise dorthin überstehen. Das gelingt, wie schon erwähnt, nicht allen Tieren, dennoch lernt man beim Zusehen jede Menge über das Leben von Füchsen, Dachsen und Feldmäusen – und auch, dass man eine Menge erreichen kann, wenn man zusammenhält.

7. "Anna"

Wenn man den Inhalt der Serie noch einmal Revue passieren lässt, gibt es da streng betrachtet eigentlich nicht viel, was es nicht auch schon in anderen Serien gegeben hat. Doch damals waren Tanzfilme neu für mich – und etwas Besonderes. Die Kurzfassung: Ein Mädchen mit einer Rückenverletzung wird wieder gesund, rappelt sich auf und möchte schließlich Tänzerin werden – was sie auch schafft. Dabei muss sie Höhen und Tiefen durchleben. Als junge Zuschauerin fiebert man mit, versetzt sich in die Lage Annas und fühlt auch ihr Heimweh, als sie in Paris ist. Als sie dort auf professionelle Musicaltänzer trifft und zum Lied "My Love is a Tango" tanzt – eine wahnsinnige Szene. Hach – jeder Zuschauer will wahrscheinlich so tanzen können. (Spoiler: Ich hab es nie gelernt.) 

8. "Die Gummibärenbande"

Also eigentlich ... ganz ernsthaft betrachtet ist die Grundidee hinter dieser herzigen Disney-Zeichentrickserie ziemlich bekloppt. In einer halb realistisch, halb märchenhaft wirkenden Mittelalterwelt leben einerseits normale Menschen, aber auch eine Sippe bunt gefärbter Teddybären, die nach Einnahme eines mysteriösen Trankes herumhüpfen können wie Gummibälle. Das Gute: Als Kind hinterfragt man solche Dinge überhaupt nicht. Da hat man die Gummibären einfach gern, genauso wie ihren Menschenfreund, den schmächtigen Jungen Cavin, der als Knappe arbeitet und Ritter werden will. Oder die hübsche Prinzessin Calla. Die Abenteuer sind, typisch Disney, immer spannend erzählt – und der Bösewicht der Serie, Sir Igzorn, hat ja wohl einfach mal den besten Namen!

9. "Mila Superstar"

Schon, wenn die Titelmusik die Serie ankündigte:

„Mila kann lachen, wie die Sonne überm Fujijama, 
Mila kann machen, was sie will und was noch keiner tat.
Mila kann fliegen, wie die Schwalben über Fujijama,
Mila kann siegen, wie ein Bundesligasuperstar!“

(die ich natürlich jedes Mal mitgesungen habe), schlug mein Herz ein wenig schneller. Obwohl ich nichts mit Volleyball anfangen konnte, bis dahin, fand ich die Manga-Serie trotzdem richtig gut. Sie handelt von einem 12-jährigen Mädchen, welches eine Lungenkrankheit überwinden musste, um danach ihrer Leidenschaft – dem Volleyball – nachzugehen. Sie hat so viel Ehrgeiz, dass sie die beste Spielerin der Welt werden will. Und nachdem sie die Mannschaftskollegin Midori auf ihre Seite bekommt, holen sie durch gutes Zusammenspiel und Teamwork immer in letzter Sekunde noch einen Sieg für ihr Team. Die beiden konnten alles schaffen. Das hat motiviert, Kampfgeist geweckt und so manchen Mitschülern Lust auf echten Volleyball gemacht. Schmetterball!

10. "David der Kabauter"

Was... "Kabauter"? Den Klabautermann auf Schiffen kennt man, aber worum soll es bitte hier gehen? Diese Frage muss man wohl der deutschen Synchronisation dieser liebevollen, kleinen Zeichentrickserie stellen, denn im spanischen Original heißt sie schlicht "David, el gnomo", und tatsächlich sieht der freundliche Tierarzt mit dem weißen Rauschebart aus wie ein lebendiger Gartenzwerg. Obwohl es nur zwei Staffeln gibt und nur eine davon wirklich von David handelt, der die Tiere im Wald rettet und behandelt, ist der Serienkosmos dicht und detailverliebt. In der heimelig-mythischen Welt der Kabauter a.k.a. Zwerge geht es um die Erhaltung der Natur, die Freundschaft zu den Waldtieren und überhaupt darum, ein guter Mensch, sorry, Kabauter zu sein. Sehen konnte man die Folgen ab 1989 unter anderem als Teil der Show "Li-La-Launebär" auf RTL.


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