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TV-Kritik Promi-"Wer wird Millionär?": Telefonjoker Waldi verhaut es wieder

Mit Frau Holle hatte Waldemar Hartmann nicht gerechnet. Bei der Märchenfrage scheiterte der Kult-Moderator. Der größte Verlierer der 29. Promiausgabe von "Wer wird Millionär" aber war die Show selbst.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Ein Blick auf die Kandidaten des 29. Prominentenspecials bei "Wer wird Millionär"

Ein Blick auf die Kandidaten des 29. Prominentenspecials bei "Wer wird Millionär"

Es war einmal ein Waldi. Und Waldi trank gerne Weißbier und sah den Hübschen des Landes hinterher. Er hätte ein beschauliches Leben führen können. Doch Waldi drängte es nach mehr. Weil er sich für den klügsten Kopf weit und breit hielt, wollte er dies auch dem Volke demonstrieren. Und so geschah es, dass er in einer Fernsehsendung namens "Wer wird Millionär?"(WWM) einen Posten als Telefonjoker erhielt. Das aber ging gründlich schief. Schimpf und Schande brachen über ihn herein. Das war im November 2013. Ein Jahr verging. Für Waldi gab es kein Weißbier mehr. Aber er sollte dennoch eine neue Chance erhalten.

Ein Mann, der Matze Knop hieß, aber als Fußballtrainer Jürgen Klopp verkleidet war, ersuchte ihn beim 29. Prominentenspecial von WWM um Rat. Um 500.000 Euro sollte es gehen bei der Frage: "Wie im gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm nachzulesen ist, hat Frau Holle ...?" A: große Zähne, B: wirres Haar, C: knochige Hände, D: eine Warze auf der Nase. Die richtige Antwort wäre A gewesen, doch Waldi tippte auf "B" – "aber nur mit 40 bis 50 Prozent". Und so endet die Geschichte von Waldi ähnlich wie das Märchen von Frau Holle: "Das Pech aber blieb fest an ihm hängen und wollte, solange er lebte, nicht abgehen."

Promis erspielen 439.000 Euro

Aber auch Statistiken machen den Kandidaten das Quiz-Leben oft schwer. So hatte etwa Sandra Maischberger, die ebenfalls auf dem Ratestuhl Platz genommen hatte, an der Frage zu knabbern, wie viele Kilometer der Deutsche im Durchschnitt jährlich mit dem eigenen Pkw unterwegs ist. Maischberger bekannte, dass sie selbst fast nie Auto fahre. Erst mit einem 50/50 Joker hangelte sie sich zu der richtigen Antwort vor: 14.000 Kilometer. Ihr Telefonjoker rettete sie dann bei der Frage, was auf dem Bild der Mona Lisa im Hintergrund zu sehen sei: Eine Landschaft mit Bergen. "Hier gar nichts zu wissen, ist ja auch blöd", kommentierte Maischberger ihr Durchlavieren. Immerhin: Auch sie schaffte es bis auf 125.000 Euro.

Der so genannte Extremreporter Jenke von Wilmsdorff hingegen hätte die Joker, die er eingesetzt hatte, gar nicht gebraucht und es weiter schaffen können als bis zu seiner Gewinnsumme in Höhe von 64.000 Euro. Doch da auch er, wie alle anderen Prominenten dieser Sendung, sich für die Vier-Joker-Variante entschieden hatte, wäre er bei einer falschen Antwort auf 500 Euro runtergefallen. Das insbesondere dann zu riskieren, wenn es um den guten Zweck geht, muss nicht sein. Dieses Mal erspielten die Promis einen Gewinn in Höhe von insgesamt 439.000 für den parallel laufenden RTL-Spendenmarathon.

Anstrengend und langatmig

Dass sich auch WWM wie ein Marathon anfühlte, anstrengend und langatmig, war gewiss nicht im Sinne des Erfinders. Man musste schon sein ganzes Durchhaltevermögen aufbringen, um nicht vorher abzuschalten. Drei Stunden lang saßen die Kandidaten mehr oder weniger uninspiriert herum und lieferten brav ihre Antworten ab. Aber ein erfrischendes Wortgeplänkel, das Jauch im Umgang mit seinen nichtprominenten Kandidaten so perfekt beherrscht und ihn zu Höchsttouren auflaufen lässt, wollte irgendwie nicht aufkommen.

Dass die Show nicht restlos zu einer spröden Angelegenheit verkümmerte, war einzig Matze Knop zu verdanken, der als Doppelgänger von Jürgen Klopp und Franz Beckenbauer für einige Lacher sorgte. Auch Wigald Boning machte Hoffnungen darauf, dass es lustig werden könnte. Wurde es aber nicht. Sandra Maischberger wenigstens hatte das Glück, schon früher aufbrechen zu dürfen. "Sie muss ihren Flieger noch kriegen", erklärte Jauch. Und setzte in Anspielung auf die stets früh flüchtende Hollywood-Prominenz aus einer bekannten ZDF-Show noch nach: "Jetzt sind wir schon im 'Wetten dass..?'-Bereich."

Auch in Sachen Langeweile war da das "Wetten, dass..?"- Niveau längst erreicht. Irgendwann im Laufe der Sendung fuhr sich Jauch durch sein Haar und verstrubbelte es dabei unabsichtlich. Weil das Studiopublikum lachte, ließ sich der Moderator zu weiteren Frisurexperimenten hinreißen. "So einfach geht Fernsehen", kommentierte er dabei fröhlich. Ach, Herr Jauch, so einfach geht Fernsehen eben nicht.

  • Sylvie-Sophie Schindler