Spenden-Chaos um Ross Antony Ich bin ein Star - das Geld ist aus


Es war eine Aussage, die bundesweit für Schlagzeilen sorgte: Gerade aus Australien zurück, kündigte Ross Antony, der Gewinner der RTL-Show "Ich bin ein Star - holt mich hier raus", im stern.de-Interview an, einen erheblichen Betrag für einen Tier-Gnadenhof zu spenden. Jedoch: Die versprochene Summe kam nie bei den Tieren an.
Von Jörg Isert

Am 31. Januar gab der frisch gebackene RTL-Dschungelkönig Ross Antony stern.de ein Interview. Antony, der gerade aus Australien nach Deutschland zurück gekehrt war, hatte Großes zu verkünden: "Ich spende den Gewinn, 30.000 Euro - und einen Teil meiner Gage - einem Gnadenhof bei Stuttgart namens 'Animal Hope'. Da werden ausgesetzte und alte Tiere gepflegt, vom Waschbären bis zum Schwein." Der Grund für Antonys Engagement war ein edler: "Ende des Jahres endet der Pachtvertrag. Wenn die Tiere bis dahin kein neues zu Hause finden, werden sie geschlachtet. Ich möchte alles dafür tun, dass es nicht dazu kommt."

Zwei Monate später ist bei "Animal Hope" die Ratlosigkeit groß. Der Grund: Das Geld kam nie an. Nur ein Schreiben der "RTL Stiftung" trudelte Ende Februar bei dem Verein ein. Darin war davon die Rede, dass man sich freue, "Animal Hope" 8.000 Euro spenden zu können. 8.000 Euro? Genau: Eigentlich war doch die Rede von 30.000 Euro. Irgendwas ging schief.

Selbst die deutlich geringere Summe kam nie bei "Animal Hope" an

Schief ging sogar ziemlich viel: Selbst die deutlich geringere Summe kam nie bei "Animal Hope" an. Schließlich fragte Marianne Hehr, die stellvertretende Vereinsvorsitzende, nach, wo die Spende bleibe. Von RTL kam die Antwort: Das Geld wurde am 3. März überwiesen. Hehr: "Ich sagte, dass wir keinen Cent erhalten hätten."

Im Schreiben der RTL-Stiftung vom 25. Februar an "Animal Hope" war als Empfänger eine Frau vermerkt, die nicht zu "Animal Hope" gehört. Tatsächlich ist sie die Vorsitzende eines Vereins in Norddeutschland. Der Name: "Animals Hope". Peinlich, aber wahr: Das Geld, es wurde von RTL auf das falsche Konto überwiesen.

Die Bestätigung für den fatalen Fauxpas erhielt "Animal Hope" nun per E-Mail von einem Vorstandsmitglied der RTL-Stiftung: "In der Tat ist der zugesagte Betrag für "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" von Ross Antony in Höhe von 8.000 Euro auf ein falsches Konto überwiesen worden, wofür ich mich ausdrücklich entschuldigen möchte. Bei unserer Bank haben wir einen entsprechenden Antrag auf Rücküberweisung gestellt." Dies könne eventuell zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Und weiter: "Selbstverständlich werden wir umgehend die Überweisung auf das Konto Ihres Vereins in die Wege leiten, wenn das Geld wieder auf unserem Konto ist."

Antonys Jetlag sorgt für Spendenpanne bei RTL

RTL-Sprecher Frank Rendez spricht von "kleinen Missverständnissen". Wohl wahr: Fehler passieren, Irren ist menschlich. Warum aber läuft es lediglich auf 8.000 Euro heraus? Rendez: "Ross kam gerade aus dem Dschungel zurück, als er Ihnen das Interview gab. Im Gespräch mit stern.de hatte er die englische Staffel und deren Zahlen im Kopf. Dort werden wohl 30.000 Pfund gespendet. So brachte Ross missverständlich die englische Summe "30.000" ins Spiel und nicht die deutsche Spendesumme von 8.000 Euro für den Gewinner." Die gebe es für seine 16 Tage im Camp, bei 500 Euro pro Tag.

Auch diese Rechnung geht auf. Fakt ist allerdings auch, dass Costa Cordalis, der erste RTL-Dschungelkönig, noch eine Siegesprämie in Höhe von 28.000 Euro erhielt. Das Geld spendete der Sänger, der knapp bei Kasse war, der Kinderkrebshilfe. 8.000 Euro sind da nur ein Zuckerwasser. RTL-Sprecher Rendez: "Die Konditionen haben sich zwischenzeitlich geändert. Wir bündeln unsere karitativen Aktivitäten stattdessen im RTL-Spendenmarathon."

Romy Günther, die Managerin von Ross Antony meint zu den Vorkommnissen: "Dass es nur 8.000 Euro waren, haben wir erst erfahren, als die Summe von RTL gegenüber "Animal Hope" genannt wurde. Der Verein rief bei uns an und fragte: "Warum sind es jetzt plötzlich 8.000 Euro?" Dadurch haben wir erst von dem Betrag erfahren. Vorher wussten wir nur von einem unbestimmten Betrag, der für eine gute Sache gespendet wird." Über das Telefonat erinnert man sich bei "Animal Hope" allerdings anders. Günther weiter: "Die 30.000 Euro, die im Raum standen, waren die ganz große Hoffnung von Ross. Dass es eben so viel Geld wird."

Engagement mit negativem Beigeschmack

Laut Günther wurde eine genaue Gewinnsumme mit Granada, der TV-Produktionsfirma der Dschungelshow, vertraglich nicht vereinbart: "Es wurde immer nur von einer Summe XY gesprochen." Auch hier erinnern sich Beteiligte anders. Managerin Günther, die gerade mit Ross Antony in den Vereinigten Staaten weilt, sagt: "Es ist Ross wirklich wichtig, dass es nicht so aussieht, als ob er das eine sagt, aber das Geld dann an eine andere Organisation spendet. Tatsächlich wird er auch sein beim "Promi-Dinner" gewonnenes Geld "Animal Hope" spenden. Genau so den Betrag, den er durch die Versteigerung seines Dschungel-Outfits erhielt. Es wäre schade, wenn sein Engagement nun einen negativen Beigeschmack bekommt."

Das wohl nicht. Dennoch ist man bei "Animal Hope" ziemlich ernüchtert. Dass Ross Antony sich immer wieder für den Gnadenhof eingesetzt und ihn mehrmals besucht habe, wisse man zwar zu schätzen, meint Marianne Hehr. "Aber trotzdem hätte die hohe Summe nicht einfach so im Raum stehen dürfen. Im Interview mit stern.de war von 30.000 Euro die Rede - plus einem Teil der Gage. Ich wüsste nicht, dass Ross einen Teil seiner Gage gespendet hätte." 8.000 Euro seien immer noch viel Geld, so Hehr diplomatisch. "Aber ich frage mich, wie man einen solchen Betrag nennen kann und dann kommt ein anderer. Die Enttäuschung ist groß, wenn man mit anderen Dimensionen gerechnet hat."

Zukunft des Gnadenhofs steht auf der Kippe

Zumal die Zukunft des Gnadenhofs in Illingen nach wie vor auf der Kippe steht. Ein neues Zuhause für die vielen Katzen, Hasen, Schweine, Ziegen und Waschbären wurde noch nicht gefunden. Nach eigenen Angaben müsste "Animal Hope" über ein Kapital von wenigstens 300.000 Euro verfügen, um einen eigenen Hof kaufen zu können. Nicht einmal ein Hof zur Pacht ist momentan in Aussicht.

Derzeit beherbergt der Hof über 80 Tiere. Sie haben oft Schlimmes hinter sich: Ein Hund, der durch ständige Misshandlungen erblindete, ist dabei. Ein Esel mit verkrüppeltem Fuß. Viele der Tiere werden nun bereits weiter vermittelt, sollte es Ende des Jahres nicht weitergehen. Fest steht: Selbst die 30.000 Euro wären für "Animal Hope" nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen, so sie denn gekommen wären. Jetzt wartet man nur noch auf ein Drittel des Betrages, den der RTL-Dschungelkönig Ende Januar im Überschwang der Gefühle ankündigte - und der ihm in ganz Deutschland positive Schlagzeilen bescherte.


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