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+++ TV-Kritik +++

Dschungelcamp 2018: Hurra! Sie leben doch!

Ausgelassene Stimmung im Camp unter den Verbliebenen: Tina lernt T-Werken, abends futtern alle ein Alpaka-Schwein, angeblich. Nur der Mangiapane darf nicht mehr mitspielen. Rokoko-Appläuschen!

Von Simone Deckner

Daniele Negroni kann es nicht fassen. Er hat die Prüfung mit Bravur bestanden.

Daniele Negroni kann es nicht fassen. Er hat die Prüfung mit Bravur bestanden.Alle Infos zu 'Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!' im Special bei RTL.de

Stellen Sie sich bitte aufwühlende Hintergrundmusik vor. D-r-a-m-a-t-i-k! Eine tiefe, dunkle Stimme spricht aus dem Off: der Mann, Der uns den Mais-kini brachte. Der Erfinder des Rokoko-Appläuschens (nur echt mit überdrehter Stimme!) Der Mann, der am liebsten stündlich mit einer Sagrotanflasche durchs Camp patrouilliert wäre. Der Mann, dessen Ehrgeiz aus jeder gefärbten Haarspitze quoll. Der Mann, dessen erweiterte Initialen "Mama" lauten. Matthias Mangiapane – er ist kein Star, die Zuschauer holten ihn trotzdem raus.

Matthias gab den Menschen daraufhin, was er ihnen schon in den vergangenen Tagen oft gegeben hatte: Er gab ihnen ein Gefühl von "Das glaubst du dir doch selbst nicht, Flitzpiepe!" Denn wie reagierte der just Geschasste auf die Nachricht seines Rauswurfs? Ganz so, als hätte Hubert (sein Bald-Gemahl) eine Lastwagenladung Schnapspralinen in Einhornform vor seinen Füßen ausgekippt. Matthias überschlug sich ob seiner Niederlage vor (gespielter) Freude. "Geil! Jetzt gibt es Champagner", kreischte er. Warf die Hände in die Luft wie beim Karneval in Bottrop-Kirchhellen. Schaltete sein Joker-Grinsen an. "Ich darf heim!" Was man halt so sagt, wenn man mit aller Macht seine Enttäuschung übertünchen möchte.

David und seine "Scheißegal"-Haltung 

Aber: "Ach, komm. Scheißegal!", wie Noch-Camper David sagen würde. Ein Spruch, der dem Bachelorette-Gewinner in nahezu jeder Lebenslage den Entscheidungsdruck nimmt. Quasi sein Mantra. Nach vier Tagen Nikotinentzug die Zichten wieder anzünden? "Lohnt es sich, lohnt es sich nicht?" To zieh' or not to zieh', that is here the question. Auftritt Daniele, die Fleisch gewordene Fluppe: "Das ist jetzt nicht dein Ernst, David!" David, nach zwei Sekunden: "Ja, komm. Scheißegal!" Langsam ahnt man, wie das damals alles mit der Bachelorette Jessica Paszka gelaufen sein könnte: "Ob ich mich im Fernsehen zum Horst machen soll für eine schmierige Rudel-Dating-Show? Lohnt es sich, lohnt es sich nicht? Ach, komm. Scheißegal!“

In Davids Welt ist nichts kompliziert. Es gibt immer nur gut oder nicht ganz so gut und "Ach komm. Scheißegal!" David ist die ehrliche, gut gebaute Haut. Einer, der sein Olli-Geißen-Gemüt auch dann nicht verliert, wenn alle anderen schon innerlich ihr Testament aufsetzen. Einer, der macht statt zu denken. So wird er es in die (Achtung! Finalprognose!) Top drei schaffen.

Dschungelcamp, Tag 14: Die Raucherlunge muss ins Spaßbad Murwillumbah
Daniele Negroni

Weil Matthias Mangiapane die Enge der Wasserkästen zu bedrohlich erschien, hatte der Deutsch-Italiener noch vor einer Woche gekniffen. Jetzt musste Daniele Negroni ran und insgesamt fünf Sterne sammeln. "Ich bin überrascht, dass man mir noch das Vertrauen schenkt, nachdem ich gestern verkackt habe", sagte der zweite Deutsch-Italiener im Camp, Negroni. Luft anhalten könne er aber richtig gut. Bei Nikotin-Negronis cholerischen Entzugsanfällen durfte das durchaus bezweifelt werden. 

MG RTL D

Die Dschenny kann auch bös'

Auf dem zweiten Platz wird aber, für sie selbst am meisten überraschend, die "Dschungel-Jenny" (Jenny über Jenny) landen, einigen Auserwählten bislang nur als "die Schwester von Daniela Katzenberger" bekannt. Ähnlich wie "Scheißegal!"-David geht sie mit sonnigem Gemüt durch die Welt und betrachtet jedes Lebewesen als ihren Freund. Die Dschenny formt ihre Finger zu Herzen. Die Dschenny glaubt, dass sie im Dschungel echte Freunde fürs Leben gefunden hat ("Kattia war hier drinnen meine Bezugsperson. Ich freue mich schon so darauf sie draußen wiederzusehen.") Die Dschenny legt im real life gern bunte Manga-Glitzer-Filter über ihre Instagram-Fotos, so dass sie aussieht wie eine 17-jährige Comic-Prinzessin, die "Träumen, Pferde und Zuckerwatte essen" als Hobbies hat.

Was die Dschenny aber gar nicht mag, ist, wenn ihr irgend so ein Jekyll-und-Hyde-DSDS-HB-Männchen sagen will, wann es Zeit ist, ins Bett zu gehen. "Schlaf!" hatte Daniele im Befehlston und mit ausgestrecktem Zeigefinger des nachts im Clinch um die Nachtwache am Lagerfeuer gesagt. Keine gute Idee. "DU sagst mir nicht, wann ich zu schlafen habe!", zeigte sie Macho-Männchen konsequent den verbalen Vogel. "Und nimm den Finger runter!", blaffte sie. Graue Haare einen, blaue Haare null Punkte.

Daniele triumphiert in der Dschungelprüfung

Dabei war die Harmonie zwischen ihr und dem einstigen Zigaretten-Zombie zuvor schon fast klebrig geworden. Er habe sich ja so gewandelt, sei "so ein lieber Junge" geworden, flötete die Dschenny im Dschungeltelefon. Was war geschehen? Kettenraucher Daniele hatte zuvor alle mit seinem immensen, wissenschaftlich schwer erklärbarem Lungenvolumen überrascht. In der Prüfung "Spaßbad Murwillumbah", (genau der Prüfung, die Matthias einst abgebrochen hatte) tauchte er keineswegs atemlos durch die mit Wassern und Getier gefüllten Kammern. Nein, er ergatterte souverän alle fünf Sterne.

Er tat dies zur großen Freude seiner Mitcamper – nur Matthias missgönnte Daniele den Triumph. Vor allem, weil der zunächst geflunkert hatte, Taucher hätten "die Scheiben einschlagen müssen", um ihn aus dem Wasser zu holen. Lucky-Strike-Lügenbaron Daniele: "Ich habe keine Luft mehr bekommen." Matthias, nachdem ihm seine Schmach dann doch noch klar wird: "Ganz so prickelnd fand ich die Verarsche nicht."

Tina lernt T-werken

Mehr Spaß hatte der Matthias (als er noch mitspielen durfte) bei der Schatzsuche. Die Gesichter kalkweiß geschminkt, die Körper in schwarze Anzüge gequetscht, mussten er und Tina pantomimisch Begriffe darstellen und erraten. Gängige Begriffe wie Frauenarzt, Kamelhirn, Klospülung, Intimpiercing und Twerken. Tina, die gerade Pantomine macht: "T-Werken? Was ist das denn? Kenn ich nicht." Auch Matthias muss passen, er habe vom aus Tanzvideos bekannten ruckartigem Popowackeln ebenfalls noch nie gehört. Tina kommentiert die Niete mit einem gelassenen „C'est la vie, wie der Engländer sagt." Später bringt ihr Sonja Zietlow in einem Crashkurs noch kurz das Twerken bei. Bilder, die sich einbrennen.

Abends gab es dank Daniele und der ansonsten beachtlichen Pantomimen-Performance endlich etwas Richtiges zu essen: Was genau, darüber herrschte jedoch Uneinigkeit bei den Campern. "Es gibt Alpaka-Rippchen", las Daniele den Inhalt des Fresskorbs vor. "Alpaka?" Kurzer Blick in die Runde. "Wir kriegen Alpaka-Schwein." Gut, man darf an Tag 14 nicht mehr jedes Wort auf die Goldwaage legen. Hatte doch auch Tina zuvor nach der Aussicht auf einen frischen Kaffee deliriert: "Der Kaffee ist bestimmt stark hier in Kolumbien."

Aber sie hatte zuvor ja auch schon "Bitte, vergesst mich!" gefordert. In einem letztem Verzweiflungsakt verschwieg sie einfach die Endziffern ihrer Telefonnummer, damit niemand mehr für sie anrufen möge. Zu spät, Tina! Das Ding wird jetzt bis zum Ende durchgezogen. Finale, die letzten Zwei, Dschungelkrone. Wenn das wider Erwarten doch nicht klappen sollte, muss Daniel Hartwich jetzt immer diese groteske Patchwork-Bastelarbeit von einem Karo-Hemd auftragen, mit der er gestern die Chuzpe hatte, zu moderieren. Rokoko-Appläuschen! 

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