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Hannover-Berichterstattung: Schweigen ist Gold: Warum ARD und ZDF richtig gehandelt haben

Wegen Terrorgefahr wird ein Länderspiel abgesagt - und ARD und ZDF senden munter ihre Serien. Haben die sie noch alle? Ja, meint Carsten Heidböhmer - wenn es nichts zu berichten gibt, sollte man besser schweigen.

Claus Kleber im ZDF

Claus Kleber interviewt im ZDF-"heute journal" den Terrorismusexperten Elmar Theveßen

Der Terror erreicht Deutschland - und was machen die öffentlich-rechtlichen Sender? Berieseln die Zuschauer mit einer Anwaltsserie "Die Kanzlei" ( ) und mit "Der Kriminalist" (ZDF) - anstatt mit Schnappatmung über Stunden vorm Stadion zu stehen und mitzuteilen, dass es eigentlich gar keine neuen Erkenntnisse gäbe.

Darüber haben sich viele Menschen aufgeregt. ARD und ZDF müssten in einer solchen Situation doch umfassend und ohne Unterbrechung informieren. Wer so argumentiert übersieht, dass der öffentlich-rechtliche Senderverbund genau das getan hat - man musste nur die Fernbedienung in die Hand nehmen. So konnte sich der Zuschauer auf Phoenix permanent vergewissern, dass es eigentlich nichts zu vergewissern gab: Nichts Genaues wusste man nicht. Dort wurde auch die denkwürdige Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière ab 21.30 Uhr übertragen. Wer noch mehr erfahren wollte, den versorgte zudem der NDR auf seinem Internetportal mit Livebildern.

Wer ARD und ZDF geguckt hat, hat nichts verpasst

Das war aber nicht alles: ARD und ZDF stemmten derweil mehrere Sondersendungen: ab 20.20 Uhr gab es ein "Heute Journal" mit Claus Kleber, das Erste zeigte um 21.25 Uhr ein "Tagesthemen extra". Über die Qualität der Sendungen ließe sich einiges sagen. Die peinliche Schalte zu der wahnsinnig betroffenen Katrin Müller-Hohenstein war sicher kein Nachweis öffentlich-rechtlicher Nachrichtenkompetenz. Ansonsten gaben sich beide Sender redlich Mühe, das Geschehen einzuordnen. Was logischerweise nicht restlos gelingen konnte - wo fast nichts ist, kann auch nichts eingeordnet werden. So lässt sich festhalten: Wer ARD und ZDF geguckt hat, hat nichts Wichtiges verpasst.

Die Zuschauer gaben eine klare Antwort auf die Entscheidung, Unterhaltungsfilme statt Nachrichten zu senden: Während die beiden Serien jeweils deutlich mehr als vier Millionen Menschen einschalteten, verzeichneten die privaten Nachrichtenkanäle N-TV und N24 zur gleichen Zeit weniger als eine Million Zuschauer. 
Was nicht weiter verwunderlich ist: Wer zum 24. Mal die in Dauerschleife abgespulten Bilder von Rettungswagen vor dem Stadion gesehen hat, gepaart mit den hilflosen Versuchen des Reporters, irgendetwas Neues zu erzählen - der wird vielleicht sogar froh gewesen sein, dass es bei ARD und ZDF zwischenzeitlich auch Unterhaltendes gab.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann doch am ehesten dies: Dass die öffentlich-rechtlichen Sender auch im Jahr 2015 "Die Kanzlei" und "Der Kriminalist" noch immer für die Spitze der Fernsehunterhaltung halten - das ist das eigentliche Ärgernis.