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Hannover-Berichterstattung : Das war Nachrichten-Fernsehen wie vor 30 Jahren - einfach schlecht

Was möchte man im Fernsehen sehen, wenn ein Stadion in Hannover wegen akuter Terrorgefahr geräumt wird? Die Antwort von ARD und ZDF: Krimis. Die Öffentlich-Rechtlichen haben an diesem denkwürdigen TV-Abend versagt.

Ein Kommentar von Jens Maier

Katrin Müller-Hohenstein

Live zugeschaltet und doch nicht live dabei: Katrin Müller-Hohenstein im ZDF-Studio in Hannover.

Als Kind habe ich oft Nachrichtensprecher gespielt. Und das ging so: Vor mir stand eine Video8-Kamera - so ein Modell, das Papa damals im Urlaub vor sich hergetragen hatte -, hinter mir ein Bild des Kurhauses in Baden-Baden. Das hatten meine Eltern als Poster. Jetzt musste es als Studiokulisse herhalten. Ich hatte mir das von Reportern im Fernsehen abgeguckt, wenn sie von irgendwo zugeschaltet waren. Der kleine Jens berichtet live aus dem Sendezentrum in Baden-Baden, so habe ich mir das damals vorgestellt.

30 Jahre später sehe ich gestern Abend Katrin Müller-Hohenstein im ZDF. Um 19.55 Uhr hat der Sender ein "Heute Journal Spezial" eingeschoben. "Wahrscheinlich haben Sie es längst gehört", sagt Chefmoderator Claus Kleber und berichtet, dass das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande wegen einer Terrorwarnung abgesagt wurde. Dann die Live-Schaltung nach Hannover zu Müller-Hohenstein.

Sie schildert die Ereignisse des Abends, erzählt von der Räumung des Stadions und wie sie es erlebt hat. Bilder von vor Ort gibt es dazu nicht, stattdessen sitzt die Reporterin im Landesstudio des ZDF - Sie ahnen es - vor einem Foto. Es zeigt das Rathaus von Hannover. Aber nicht etwa an diesem Abend, wo das Gebäude in den französischen Nationalfarben angestrahlt war. Nein, nicht mal das hat das ZDF hinbekommen. Es ist ein schnödes Archivfoto. Und wäre das Ganze nicht in Hannover, sondern in Baden-Baden passiert, es wäre vermutlich ein Foto des Kurhauses eingeblendet worden.

Wie aus der Zeit gefallen

Liebes ZDF, das war Nachrichten-Fernsehen wie vor 30 Jahren - einfach schlecht. Während die kleinen Nachrichtensender N-TV oder N24 seit kurz vor halb acht, also seit Bekanntwerden der Spielabsage, live aus Hannover berichten und Reporter in unmittelbarer Nähe des Stadions live zugeschaltet sind, zeigen die Mainzer mit ihrer Schar an Mitarbeitern vor Ort, eine Sportmoderatorin im Studio vor einem Archivfoto. Das wirkt nicht nur wie aus der Zeit gefallen, sondern ist es auch. Nur in HD.

Die Berichterstattung über die Terrorwarnung in Hannover zeigt einmal mehr, dass die Nachrichtenkonzepte von ARD und ZDF überholt sind. Das fängt schon mit der trägen Reaktion auf die Ereignisse des Abends an. Während sich die Nachrichten überschlugen, sendete das Erste munter seinen Vorabendkrimi weiter. Das Zweite brachte es immerhin fertig, ein Laufband mit Informationen durchlaufen zu lassen. Wie gesagt, zu dieser Zeit waren N-TV und N24 längst live drauf - auch Sky sendete aus Hannover. Als dann das "Heute Journal" endlich live drauf war, wurde die Sendung nach 28 Minuten abgebrochen. Und zwar ausgerechnet dann, als das ZDF mal alles richtig machte. Eine Reporterin berichtete mit Live-Bildern aus der Wembley-Arena, wo das Spiel Frankreich gegen England stattfand. Doch Kleber unterbrach sie und beendete die Sendung.

Der wahnwitzige Grund: Das ZDF schob statt Fußball einen Krimi ein. Damit dieser pünktlich zur eigentlichen "Heute Journal"-Zeit um 21.45 Uhr fertig sein konnte, war nun offenbar Eile geboten. Raus aus Hannover, rein in den Krimi. Nachrichten-Kompetenz à la ZDF. Da half auch das Versprechen Klebers nicht, man werde "die nachfolgende Sendung sofort unterbrechen, wenn es wirklich interessante Neuigkeiten gibt". Denn es wurde nicht eingelöst. Die Pressekonferenz mit Innenminister de Maizière lief, da ermittelte Christian Berkel als "Der Kriminalist" noch immer. Genau das, was man im Fernsehen sehen möchte, wenn ein Stadion in Hannover wegen akuter Terrorgefahr geräumt wurde.

"Tagesschau24" zeigt Wiederholung von "Hart aber fair"

Bei "Tagesschau24" lief zur gleichen Zeit eine Wiederholung von "Hart aber fair". Da müssen sich die verantwortlichen Programmmacher der Öffentlich-Rechtlichen schon fragen lassen: Seid Ihr bekloppt? "Berichterstattung über Terroranschläge sind kein Rattenrennen und kein Schönheitswettbewerb", hatte Kai Gniffke, Chef bei "ARD Aktuell", am Dienstagmorgen auf einer Tagung in Mainz gesagt. Das stimmt. Aber sie sollten auch kein Wettbewerb sein, bei dem sich ARD und ZDF nicht der Herausforderung der schwierigen Live-Reportage stellen und die Zuschauer stattdessen mit Krimis einlullen.

Ja, die Lage war unübersichtlich. Ja, die bei N-TV und N24 zugeschalteten Reporter erzählten mitunter über Minuten das gleiche vor immer derselben Kulisse von Polizeiautos. Trotzdem haben sie ihren Job besser gemacht als ARD und ZDF. Denn sie duckten sich nicht unter Krimis weg, sondern sendeten unter schwierigen Bedingungen und einer mauen Informationslage Live-Berichterstattung. Das ist allemal besser, als im Studio die Erlebnisse von vor einer halben Stunde wiederzugeben. Denn Erkenntnisgewinn oder die viel beschworene Einordnung der Ereignisse oder gar Reflektion - bei Katrin Müller-Hohenstein war davon nichts zu sehen. Nur geschminkt war sie besser. 


Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.