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"Tatort" aus Wien Globuli-Gurus und Untergrundkämpfer: Ein wirrer Fall aus Wien

"Tatort: Krank" aus Wien
Oberstleutnant Moritz Eisner trifft auf seinen Widersacher Heinz Roggisch (Erik Jan Rippmann)
© ARD Degeto/ORF/Lotus Film/Anjeza Cikopano
Sechs Menschen sind tot und auch Oberstleutnant Eisner gerät ernsthaft in Gefahr – so viel ist klar in diesem Wiener "Tatort". Insgesamt bleibt die Geschichte aber völlig unübersichtlich.
  • 2 von 5 Punkten
  • Unstrukturierter Fall um die Debatte zwischen Schul- und Alternativmedizin

Worum geht's?

Peter Simon (Christian Schiesser) führt in Wien eine Praxis als Humanenergetiker. Dort verspricht er seinen Patienten spirituelle Heilung als Alternative zur Schulmedizin. Auch seine fünfjährige Tochter Rosa hat er bei einer Streptokokken-Infektion mit Tinkturen statt einem Antibiotikum behandelt. Doch das Mädchen bekam eine Hirnhautentzündung und starb. Dafür muss sich Simon vor Gericht verantworten, wird aber freigesprochen. Unmittelbar danach ist er tot: Beim Verlassen des Gerichtsgebäudes wird er von einem Auto überfahren. War es die Mutter des Kindes, die nach einem Sorgerechtsprozess keinen Kontakt mehr zu ihrer Tochter haben durfte? Oder haben die Globuli-Gurus des Unternehmens "Medicina Lenia" ihren Mitgründer Peter Simon auf dem Gewissen, weil der Tod seiner Tochter dem Image der sanften Medizin schadet? Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) wühlen sich durch einen komplexen Fall, an dessen Ende sechs Menschen und ein Hund tot sind.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Der interessanteste Aspekt an dem Fall ist der Glaubenskrieg zwischen Vertretern der Schulmedizin und der Naturheilkunde, der auch im deutschen Gesundheitssystem geführt wird. Der "Tatort" bezieht dabei aber eindeutig Stellung: Oberstleutnant Eisner spricht abfällig vom "Globuli-Glauben" und Gerichtsmediziner Professor Kreindl nennt homöopathische Arzneimittel "Zinober" und "Firlefanz". Ebenfalls spannend ist die Kommerzialisierung des Gesundheitssystems, die hier scharf kritisiert wird – und das gilt auch für die Naturheilkunde. "Sanfte Medizin ist ein hartes Geschäft", sagt einer der Anhänger in einer Szene.

Was stört?

Dem Fall mangelt es leider an einem stringenten Plot (Regie und Drehbuch von Rupert Henning) und auch die zeitlichen Abläufe sind für den Zuschauer nicht sofort zu verstehen. Eisner und Fellner sind eigentlich die ganze Zeit dabei, irgendetwas zu erklären, aus Akten vorzulesen und Zusammenhänge herzustellen. Genau das ist das Problem: Die Geschichte erschließt sich nicht von selbst, sondern muss umständlich erläutert werden. Das nimmt dem Fall seine Spannung und sorgt für reichlich Verwirrung. Es sind einfach zu viele Themen, Personen und Handlungen, die hier vermischt werden. Statt sich auf den Aspekt Schul- versus Alternativmedizin zu konzentrieren, geht es noch um familiäre Konflikte, die kolumbianischen Kampftruppe ELN, die Kapitalisierung des Gesundheitssystems und am Ende kommt auch noch Bibelgeschichte dazu - halleluja!

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Die Kommissare?

In ihrer gewohnt frotzelnd-freundlichen Art erledigen Eisner und Fellner ihre Arbeit. Der grantelnde Eisner behauptet, er sei neuerdings "menschenfreundlich, fast schon gesellig". Einer, der davon nichts zu spüren bekommt, ist Gerold Schubert, Kollege vom Verfassungsschutz. Mit ihm müssen die Kommissare zusammenarbeiten, auch wenn Eisner ihn für unfähig hält und als "Korinthenkacker" beschimpft.

Ein- oder Ausschalten?

Nach 90 Minuten haben nicht nur beide Kommissare einen Hexenschuss, dem Zuschauer ist auch ganz schwindlig von der wirren Handlung. Da hilft keine Medizin, sondern nur ein anderer Knopf auf der Fernbedienung.

Moritz Eisner und Bibi Fellner ermittelten auch in diesen Fällen:


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