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"Tatort"-Kritik: Es gibt kein richtiges Leben im falschen

Als verdeckter Ermittler taucht Batic in die Welt von Drückern und EC-Karten-Betrügern ab - zum Leidwesen des Kollegen Leitmayr. Der kriegt Ärger, während Batic sein eigenes Grab schaufelt.

Von Susanne Baller

Eine brutale Folterszene eröffnet die "Tatort"-Wiederholung des Münchner Kollegen-Duos Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl): Mit einem Strick um den Hals wird ein Mann neben einem Auto hergeschleift, so langsam, dass er erst sterben wird, wenn seine Kräfte nachlassen und er nicht mehr laufen kann. Er stolpert bereits. Doch sein Betteln um Gnade wird nicht erhört, denn bei der Quälerei handelt es sich um einen Liebesbeweis.

Die fatale Beziehung führen zwei Frauen: Isabella (erschreckend überzeugend brutal: Nina Proll), mehrfach vorbestraft wegen gewalttätiger Übergriffe und die ihr hörige Sandra (Mina Tander, die gucken kann wie Natalie Portman), die jedoch nicht nur Frauen liebt. Die beiden verdienen ihr Geld mit Betrug. Unter dem Namen Tierrettung Direkt geben sie vor, Spenden für ein Robbenreservat in Kanada zu sammeln. Dazu bilden sie aus, die mit niedlichen Robbenbildern und manipulierten mobilen EC-Geräten von Tür zu Tür ziehen. Doch wird den spendenwilligen Opfern nicht der Betrag abgebucht, den sie zu zahlen bereit sind. Tatsächlich speichert das Gerät deren Pin-Nummern für den großen Coup, der später ihr Konto leerräumt.

Verdeckt ermittelt

Die Hauptkommissare geraten mit den Betrügerinnen in Kontakt, als sie im Wald bei einer verkohlten Leiche eine Kamera finden. Ihr neues Teammitglied, Polizeischüler Gabriel Fechner (Maximilian Schafroth), kann den Datenchip retten und fördert ein Foto von einer Robbe zutage. Das allerdings bleibt der wertvollste Beitrag des "Neuen", der als linkisches Faktotum Leitmayrs Beschützerinstinkt weckt und Spott auf sich zieht. Fechners männliche Verwandtschaft scheint ausnahmslos hohe Positionen im Polizeipräsidium zu bekleiden, einer von ihnen ist gar der Chef der Kommissare. Doch das ahnt Leitmayr noch nicht, als der Polizeischüler ihn mit einem verbrüdernden "Mir zwei, mir halten z'samm" kurz aus der Fassung bringt.

Die einzige Spur im Fall des verbrannten Leichnams führt die Hauptkommissare also zu den Tierrettern. Bei denen schleust sich Batic spontan als verdeckter Ermittler ein und lässt sich zum Drücker ausbilden. In der Gräfelfinger Villa, westlich von München in einer bewaldeten Gegend, lernt er seine Kolonnen-Kollegen kennen: allesamt im Berufsleben auf der Strecke geblieben und verschuldet. Sie wollen in kurzer Zeit viel Geld verdienen, um danach ein neues Leben zu beginnen. Doch dafür, und um vielleicht sogar mit dem lächerlichen Titel "Salesman of the month" und 500 Euro Bonus bedacht zu werden, müssen sie nicht nur auf ihr Handy verzichten und den Namen Dr. Schmidt annehmen. Sie müssen auch die Intrigen im Team sowie die Launen der gefährlichen Chefin Isabella ertragen, deren Stimmung unberechenbar schnell umschlägt und die auch schon mal ihren Ledergürtel in die Hand nimmt, um Druck zu machen.

Gekonnt verwirrt

Durch die non-lineare Erzählweise schafft es Regisseur Elmar Fischer, die Spannung bis zum Schluss zu halten. Der entscheidende Abend, eine Feier beim Italiener, wird aus mehreren Blickwinkeln angedeutet und fügt sich erst gegen Ende zu einem vollständigen Bild zusammen: Sandra hatte Sex mit Arman (Navid Akhavan), ihrem heimlichen Liebhaber, und Isabella hat's gesehen. Die Abwesenheit der beiden Chefinnen nutzte Jörg und überspielte die Geschäftsdaten von Sandras Laptop auf einen USB-Stick. Das wiederum hat Kollege Fred (eigentlich Rupert: Florian Karlheim) gesehen und wollte am Erpressungsgeld beteiligt werden. Unter Stress geraten bekam der an Epilepsie leidende Jörg einen Anfall, starb und wurde noch in derselben Nacht in Panik von Fred in den Wald geschafft und mitsamt Auto verbrannt. Die Leiche von Arman, der eingangs so brutal gefoltert wurde, taucht gar nicht auf, die Frauen haben sie vermutlich im Wald verscharrt. Beim großen Showdown schließlich, zu dem Batic und Fred ihr eigenes Grab schaufeln, ruft die böse Isabella: "Mach sie weg!", doch Sandra erschießt ihre Geliebte. Puh.

Beim Casting hat Daniela Tolkien ausschließlich Volltreffer gelandet: Die stimmige Besetzung sämtlicher Rollen, die zum Teil überzeichnet interpretiert werden und dadurch wie auf der Theaterbühne wirken, sorgt für beste Unterhaltung. Dieser " " von 2012 schafft es, seinem ursprünglichen Konzept zu folgen und ohne großen Kunstgestus, anspruchsvollen Überbau, aber auch ohne den Zuschauer auf Grundschulniveau an die Hand zu nehmen, genau das zu liefern, was er soll: einen spannenden Sonntagabend und das klappt auch in der Wiederholung.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo