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"The Royals" auf ProSieben: Shocking, die Yottas auf dem britischen Thron

Sexy, unkonventionell, unmoralisch: In "The Royals" schlägt eine fiktive britische Königsfamilie über die Stränge - mit Liz Hurley als Queen. Die Serie könnte das moderne "Downton Abbey" sein. Leider ist sie "Eis am Stil" mit Krönchen.

Liz Hurley

Keine schrecklich nette Familie: Queen Helena (Mitte, Liz Hurley) und King Simon (r., Vincent Regan) müssen sich mit ihrer royalen Brut rumschlagen.

Wow. So sexy war die britische Königin noch nie: Queen Helena geht mit ihren Dienern das Tagesprotokoll durch. "Sind Sie bereit Eure Majestät?" "Ich bin die Königin von England. Wann bin ich nicht bereit." Sagt's, verlässt den Kensington Palast und wird vom Volk jubelnd empfangen, während sie Hüfte schwingend in ihrem Minikleid den Wagen besteigt. Dazu läuft nicht Pomp and Circurmstances als Hintergrundmusik, sondern die Rolling Stones. Yes, please! So haben wir uns die Royals immer gewünscht.

Generationen weltweit sind mit dem Bild von einer weißhaarigen, gutmütigen Omi auf dem britischen Thron groß geworden. Und jetzt das: Liz Hurley als Queen. In der neuen US-Serie "The Royals" spielt sie das Oberhaupt einer fiktiven britischen Königsfamilie. Die befindet sich nach dem Tod von Prinz Robert, dem Thronfolger, in einer tiefen Krise. Denn außer Sex und Drogen scheint die Mitglieder des Königshauses nur der Hass auf die Krone zu einen. Zu allem Übel plant Ehemann König Simon (Vincent Regan) auch noch, das Volk per Referendum über die Zukunft der Monarchie abstimmen zu lassen. The Queen is not amused.

Prinz Liam

Prinz Liam (William Moseley) interessiert sich mehr für die Tochter des Sicherheitschefs als für die Krone.


Prinzessin Eleanor

Keine Prinzessin Lillifee: Eleanor raucht sich high.


Intrigen, Existenzängste, Sex - eigentlich ein guter Stoff für eine Serie, die einen Blick hinter die britischen Palastmauern werfen will. Ein "Denver-Clan" royal. Ein "Die Tudors" mit Paparazzi statt Kerker. Ein modernes "Downton Abbey ". Doch leider ist "The Royals" nichts von alledem. Die Serie arbeitet sich verkrampft und einfallslos am Klischee einer von Reichtum und Privilegien zersetzten Familie ab. Eine Art Yottas auf dem britischen Thron - immer halbnackt und immer im Partyrausch.

So realistisch wie England ohne Tea Time

Die Handlung ist so realistisch wie England ohne Tea Time. Selbst John Goodman als "King Ralph" war glaubwürdiger. Die Schuld daran haben nur zum Teil die Schauspieler: Zwar wären viele besser im "High School Musical" als in diesem Palast aufgehoben, doch Liz Hurley als sexy Königin und William Moseley ("Die Chroniken von Narnia") als Prinz Liam haben durchaus das Zeug zu Publikumslieblingen. Nur, das Drehbuch lässt sie nicht. Stattdessen werden die Zuschauer minutenlang mit lächerlichen Dialogen gequält.

Beispiel gefällig? Der Thronfolger ist gerade zu Grabe getragen, da entspinnt sich zwischen den Cousinen Prinzessin Penelope und Prinzessin Maribel folgender Disput: "Was stinkt hier bloß so? Sind das deine Füße?" "Ich dachte, das ist deine Muschi?" "Das wäre bei dieser Hitze kein Wunder." Das ist britischer Humor, so wie ihn sich die Amis vorstellen. Not funny. Es wird auch nicht dadurch lustiger, dass die beiden ungezogenen Hoheiten mit ihren roten Haaren und ihren Fascinators als Kopfbedeckung offenbar Anleihen bei den echten Royals genommen haben. Die Töchter von Prinz Andrew lassen grüßen.

Es fehlt an Ernsthaftigkeit und Anspruch

Dem gesamten Plot fehlt es an Ernsthaftigkeit und Anspruch. Statt die Charaktere zu entwickeln, begnügt sich Autor Mark Schwahn damit, sie möglichst oft miteinander ins Bett springen zu lassen. So verkommt "The Royals" zur billigen Teeniekomödie. "Eis am Stil" mit Krönchen. Doch nicht mal dieses Genre beherrscht die Serie gut. Denn der empathische Held, mit dem die Zuschauer mitfiebern können - er ist weit und breit nicht zu sehen. Da kann William Moseley noch so oft sein Shirt ausziehen. Prinz Lecker reicht nicht.

"Ein weiterer langweiliger Tag in der royalen Hölle", tippt Prinzessin Eleanor in ihr Handy. Genau dort finden sich auch die Zuschauer ab der zweiten Minute wieder. Bis zum Ende der Staffel ist es eine Tortur. Die Folterkammer im Tower Of London ist bestimmt vergnüglicher. 

"The Royals" läuft mittwochs um 20.15 Uhr auf ProSieben