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TV-Film "Brennendes Herz": Ein Hauch von Romeo und Julia

Ein Neonazi verliebt sich in eine junge Türkin - und muss dafür teuer bezahlen. Das ARD-Drama mit Alexander Scheer in der Hauptrolle ist eine moderne Hommage an einen Klassiker der deutschen Literatur. Und erinnert dezent an Shakespeares Liebestragödie.

Qualm steigt auf. Flammen lodern. Eine Frau schreit. Schon stürzt sich der junge Mann in das brennende Haus und trägt ein junges Mädchen heraus. Als der Rückweg versperrt scheint, springt er aus dem Fenster, und die Errettete wird später meinen, sie sei geflogen und ein Engel habe sie getragen. Soweit Gotthold Ephraim Lessings Toleranzdrama "Nathan der Weise", in dem der Tempelherr Nathans Tochter Recha aus den Flammen rettet. Im ARD-Film "Brennendes Herz" ist es Kurt, ein junger Mann unserer Tage, der rechtsradikalen Szene verbunden, und das von ihm gerettete Mädchen ist Türkin. Der Brand wurde von Kurts Kumpanen gelegt.

Respekt für die Wahrheit des anderen

Mit diesem Film setzt der Norddeutsche Rundfunk die um 2000 mit Gerhart Hauptmanns "Vor Sonnenuntergang" begonnene Linie fort, sporadisch Klassiker der deutschen Literatur modern aufzubereiten. NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze: "Wir haben uns dann allerdings bei der Drehbuchentwicklung sehr weit vom Lessingschen Original entfernt, und es ist eine ganz andere Geschichte geworden."

Allerdings gibt es auch hier einen Appell an Toleranz und Miteinander: "Die mit der Ringparabel im Lessing-Stück ausgedrückte Botschaft, es gebe nicht die eine Wahrheit und jeder müsse die Wahrheit des anderen respektieren, steht auch hier im Hintergrund", meint Regisseur und Autor Manfred Stelzer. Der vielseitige Filmemacher, im "Tatort" ebenso erfahren wie im Komödienbereich, hat hier einen Stoff gefunden, der ihm besonders wichtig ist. Und nicht nur Lessingscher Geist weht dort. Dezent klingt auch Shakespeares Liebestragödie "Romeo und Julia" an.

Neonazi als "Verräter"

Denn natürlich verliebt sich der junge Mann in die Gerettete und sie erwidert seine Zuneigung. Das sehen seine Kumpane ebenso wenig gern wie die Familie des Mädchens. Bald schon steht Gewalt gegen Gewalt. Und die nächste Tragödie zeichnet sich ab: Kurts bester Freund bekommt von seiner Clique den Auftrag, den "Verräter" zu erledigen.

Im Winter 2006 wurde der Film in Hamburg gedreht. Nicht einfach für die jungen Darsteller, überzeugende Rechtsradikale zu sein, aber die innere Barriere war bald überwunden: "Wozu sind wir Schauspieler?" sagt Alexander Scheer, einst Hauptdarsteller in Leander Haussmanns "Sonnenallee" und hier nun der Kurt.

Das Wetter hatte ihm bei den Aufnahmen mehr zu schaffen gemacht als die Rolle: "Es war ja Februar und es durfte auf keinen Fall Schnee liegen. Das hätte die düstere Stimmung zu freundlich gemacht. Und der Wettergott hatte Einsehen: Erst genau am Tag nach Drehschluss setzten die gewaltigen Schneefälle des Winters '06 ein. Ich aber sauste ab nach Indien, im Uschi-Obermaier-Film einen der Rolling Stones zu spielen, und holte mir dort prompt einen Sonnenbrand."

"Brennendes Herz" läuft am Mittwoch um 20.15 Uhr in der ARD.

Paul Barz/DPA / DPA