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"Ein Hauch von Amerika" Rosamunde Pilcher in der Pfalz: Ein Sechsteiler über eine Liebe im Nachkriegsdeutschland

"Ein Hauch von Amerika"
Szene aus "Ein Hauch von Amerika": Marie (Elisa Schlott) bringt dem US-Soldaten George (Reomy D. Mpeho) das Fahrradfahren bei.
© SWR/FFP New Media GmbH/Ben Knabe,
Schwarzer GI liebt junge Landfrau: Der Sechsteiler "Ein Hauch von Amerika" erzählt von der Begegnung zwischen US-Soldaten und Deutschen in der Nachkriegszeit - kommt aber über eine Aneinanderreihung von Klischees nicht hinaus.

Schon lange zieht das deutsche Fernsehen seine Inspirationen aus der deutschen Geschichte. Immer öfter werden dabei auch Phasen jenseits der zwölf dunklen Jahre thematisiert. Etwa die Kaiserzeit in der ersten Staffel von "Charité." Die späten 1950er und 60er Jahre in der "Ku'damm"-Reihe. Oder die 1970er Jahre in der Amazon-Serie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo".

Während alle diese Produktionen in Berlin spielen, geht der Sechsteiler "Ein Hauch von Amerika" in die Provinz. Die Geschichte trägt sich in dem fiktiven Städtchen Kaltenstein in der Pfalz zu und erzählt von einer bislang wenig thematisierten Episode der Nachkriegsgeschichte: der Begegnung der deutschen Bevölkerung mit den dort stationierten GIs - und den daraus entstehenden Liebesbeziehungen.

Im Mittelpunkt stehen zwei Familien: Das sind zum einen die wohlhabenden Strumms um den mächtigen Bürgermeister Friedrich Strumm (Dietmar Bär). Der hat sich, eben noch ein linientreuer Nazi, schnell mit den neuen Verhältnissen arrangiert und treibt bereits munter Geschäfte mit den im Ort stationierten Amerikanern. Auf der anderen Seite steht die bitterarme Bauernfamilie Kastner, die kaum über die Runden kommt und auf deren Land die Amerikaner ein Krankenhaus bauen wollen.

"Ein Hauch von Amerika" in der Pfalz

Beide Familien verbindet die Freundschaft ihrer Töchter, der lebenslustigen Erika Strumm (Franziska Brandmeier) und der ernsten, verschlossenen Marie Kastner (Elisa Schlott). Die zudem Erikas Bruder Siegfried (Jonas Ney) das Eheversprechen abgegeben hat. Obwohl der seit dem Krieg als verschollen gilt, fühlt sie sich weiter an das Gelöbnis gebunden.

Marie wird von dem schwarzen GI George (Reomy D. Mpeho) heftig bezirzt. Gerade als sie seinem Liebeswerben nachgibt, kommt Siegried aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Obwohl er schwer traumatisiert und zu keiner Beziehung fähig ist, entscheidet sich Maria zunächst für ihn. 

Das alles ist hübsch anzusehen. Die Besetzung ist grandios, in weiteren Rollen treten unter anderem Anna Schudt, Samuel Finzi, Julia Koschitz, Aljoscha Stadelmann und Nina Gummich auf. Es gibt berauschende Tanzszenen in der Dorfkneipe, Betrug, Verrat und dunkle Geheimnisse. Also alles, was Emotionen in die Geschichte bringt.

Doch genau das ist das Problem: Das Setting und das Thema von "Ein Hauch von Amerika" sind gut gewählt. Man würde gerne einen einigermaßen realistischen Einblick in das Leben jener Jahre bekommen. Stattdessen bekommt der Zuschauer einen gigantisch überzuckerten Bilderbogen serviert: Kaum ein Klischee wird ausgelassen, um das Publikumsinteresse zu wecken. 

Das alte Klischee: eine Frau zwischen zwei Männern

Doch auch wenn Zeit und Ort vielleicht neu sind: Die Geschichte von einer jungen Frau, die zwischen zwei Männern steht und sich zwischen Herz und Vernunft entscheiden muss, hat man einfach zu oft gesehen, um wirklich Interesse zu entwickeln.

Zudem ist schon sehr früh klar, wie die Geschichte verlaufen wird. Fast jede Wendung ist vorhersehbar. Und so denkt man nach 270 Minuten daran zurück, zu welchen Großtaten deutsche Filmemacher einst fähig waren. Etwa an Edgar Reitz, der mit seiner Reihe "Heimat" die Geschichte des nahe gelegenen Hunsrück präzise und lebensnah erzählt wie niemand zuvor. Oder an Rainer Werner Fassbinder, der 1979 mit "Die Ehe der Maria Braun" mit unvergleichlicher Wucht von der Begegnung deutscher Frauen mit schwarzen GIs erzählte. 

Niemand hätte eine derartiges Meisterleistung von dem Sechsteiler erwartet. Doch "Ein Hauch von Amerika" hängt die Latte so tief, dass selbst die Bezeichnung "Pilcherisierung" schmeichelhaft wäre. Denn so übel sind die sonntagabends im ZDF ausgestrahlten Filme gar nicht. 

"Ein Hauch von Amerika" wird am Mittwoch, 1. Dezember, Samstag, 4. Dezember, und Mittwoch, 8. Dezember, jeweils ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen ausgestrahlt.

Alle sechs Teile sind bereits jetzt in der ARD-Mediathek abrufbar


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