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TV-Kritik "Absolute Mehrheit": Raab ist Raab

Stefan Raab krempelte das Schlager-Wettsingen um, den Politik-Talk aber wird er nicht revolutionieren. Das wird spätestens mit der fünften Sendung seines Polit-Wettkampfs "Absolute Mehrheit" deutlich.

von Nico Schmidt

In welche Richtung es geht, war klar, da war noch keine Minute Sendezeit verstrichen. Stefan Raab ruft Bernd Lucke auf die Bühne, Sprecher der Alternative für Deutschland (AfD). Das Publikum applaudiert laut, sehr laut. Raab kommentiert, "Herr Lucke, Sie haben eine ordentliche Fellowship am Start". Der Anti-Euro-Politiker distanziert sich in regelmäßigen Abständen vom rechten Rand. An diesem Abend lässt er sich vom Mob feiern. Missfällt dem Publikum eine Gegenrede, schreit es den Kontrahenten nieder. Etwa Gregor Gysi, als er Lucke rät, besser zu forschen statt "Sachen zu entscheiden".

Die nach wenigen Minuten eingeblendete, erste Umfrage weist Bernd Lucke mit 43 Prozent als den Führenden aus. Gefolgt von Gregor Gysi mit 39,4 Prozent. Die Kräfteverhältnisse ändern sich kurze Zeit später. Gysi übernimmt die Spitze und siegt, verfehlt aber die absolute Mehrheit. Auf dem Sofa neben ihm und Lucke sitzen der Chef der Bayern-SPD, Florian Pronold, Entwicklungsminister Dirk Niebel und der Börsenexperte Dirk Müller.

Uli Hoeneß - immer gut für einen Aufreger

Auf dem Sofa herrscht Chaos. Innerhalb weniger Minuten hat sich jeder mit jedem überworfen. Stefan Raab sitzt in der Mitte, grinst und schweigt. Es geht um Uli Hoeneß. Der FC-Bayern-Präsident und mutmaßliche Steuerhinterzieher wird seit einer Woche durch das mediale Dorf getrieben und hier bei Raab scheint er zumindest für einen Aufreger gut. "Man könnte meinen das Land liegt in Trümmern", sagt in seiner Pausenanalyse "Welt"-Redakteur Robin Alexander.

Raab ist Raab. Und Raab kann nur Raab. Er wartet darauf, seine Witzchen zu reißen, "Herr Niebel, wie gefällt ihnen unser Teppich?". Gänzlich fehl am Platz wirkt er, wenn die Stimmung kippt. Eine Gesprächsrunde moderieren, das ist nichts für Raab. So darf Bernd Lucke lange Monologe über das Ziel seiner Partei halten, die Auflösung des Euro-Raums. Die Langeweile hat die Couch fest im Griff. Florian Pronold hat vollkommen abgeschaltet. Er ist seit der ersten Umfrage abgeschlagen in der Todeszone und möchte daran wohl herzlich wenig ändern.

Peinliche Polemik

Für jedes Gesprächsthema hat die Redaktion einen Einspieler gebastelt. Die sollen ironisch-witzig sein, tatsächlich ist es peinliche Polemik. "Der Asi fühlt sich unter Asis am wohlsten", heißt es zum dritten Thema, Bildungschancen. Stefan Raab eröffnet das Gespräch zielführend: "Wie kriegen wir die Kids aus dem Ghetto?" Dirk Niebel lobt das Bildungspaket der Bundesregierung, Gregor Gysi macht Stimmung für eine Gemeinschaftsschule – und Bernd Lucke? Seine Show ist hier beendet. Die AfD sei keine Ein-Themenpartei, sagt Lucke. Doch zum Thema Bildung hat er kaum etwas beizutragen.

Am Ende steht Stefan Raab am Pult von Robin Alexander. Er witzelt, "Herr Gysi, sie könnten die absolute Mehrheit bekommen. Im echten Leben würden sie das nie schaffen." Der Linken-Fraktionschef grinst. Als das Ergebnis verkündet wird, sagt er artig "Dankeschön". Das ist in etwa so öde, wie die Sendung an sich. Bleibt sie in dieser Form bestehen, könnte Raabs Format seine Nische finden. Gemeinsam mit Illner-Will-Plasberg-Beckmann als Stütze der absoluten Langeweile.