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TV-Kritik

"Promi Big Brother" bei Sat1: Fusel-Fantasien und Fuß-Fetisch: Dieser Tag war zum Heulen

Kandidaten auf Eis, Drogenbeichten unter Tränen, Notarztwagen im Einsatz, Druckbetankung, Fußfetischisten, lange Nippel und Promille-Fantasien im Trockendock - die Promis im Container drehen schon jetzt völlig frei.

Promi Big Brother 2017: Diese 12 ziehen in den TV-Container

Wein. Ein Wein wär mal gut. Und Bier? Na ja. Lieber Wein. Oder gleich Schampanja. Dann mal einen Gin Tonic. Prosecco ist auch gut. Gerne auch ´n Rosé. Hmmm. Ach, mal einen Wein.

Wohl dem, der sich ein gerüttelt Maß an Vorpromillisierung angetan hat, um den zweiten Durchlauf Promi Big Brother durchzustehen, und nicht, wie Claudia (Nachname nicht gemerkt) im Trockendock darben muss. Caught in the Eck, ohne Saufi-Saufi. Wie schön wäre jetzt ein Drink. Ein Wein. Ein Wein wär mal gut. Bier. Aber das hatten wir ja schon. Wo soll man anfangen in diesem Wimmelbild der wirren Gefühle? Eines steht fest: Selten wurde nach wenigen Stunden Reality-Knast schon so viel geflennt wie in diesem Containerareal.

Begonnen hatte das noch harmlos - die Bewohner mussten sich barfuß auf einen Eisklotz stellen. Wer die Ötzisierung am längsten aushält, sollte in den "Alles"-Bereich ziehen dürfen. Dominik, Mr. Germany, machte schließlich das Rennen bei der Stechfrage und während der sich schon auf Hackbällchen, Smuhties und Coke Zero freuen durfte, klappte Evelyn unter Tränen zusammen und musste schließlich von einem Notarzt-Darsteller und ein paar Sani-Komparsen wieder fitgetröstet werden. On the Rocks, gut und schön, aber mit nackten Füßen draufstehen, das war dann doch zuviel. Nicht das einzige Mal, dass hier pedale Themen im Mittelpunkt standen.

Auch nackte Haut gab's zu sehen - in Form von Zehen

In einem kruden Dialog ergingen sich Maria Hering und Sarah Kern über die Fußfetischisten unter ihren Instagram-Followern, entblößten denn auch gleich die Mauken und winkten mit den Zehen in die Kamera. Waren das noch Zeiten, als man in ähnlichen Formaten einfach nur Harry Wijnvoord beim Pennen, Gottlieb Wendehals beim Furzen oder Rainer Langhans beim meditativen Ableben zuschauen durfte. Derlei Kontemplation gibt es hier nicht. Sarah Knappik rührt in der Kühlschrank-Schublade etwas an, das aussieht wie das Erbrochene eines Schimpansen und verfüttert es an ihre Mitbewohner, irgendjemand präsentiert seine Nippel und Willy Herren trinkt Kaffee aus dem Klo-Napf.

Wein. Ein Wein wär mal gut. Oder lieber gleich Kokain. So wie der Willy Herren. Jahrelang druff. Zwei Jahre Entzug. "Der Weg, den ich gegangen bin, den muss erstmal jemand nachmachen." Ja, möchte man schreien. Mach ich. Ich wär jetzt soweit. Noch einmal den Pimmel von Eloy sehen, die Rückenpartie von Zachi Noy oder die Nippel von Jens, der zum Entspannen einen Stoffaffen knetet, und ich bin reif für die Schlussszene von "Scarface". Ich mach das nach, Willy, ehrlich.

Tränen, Tränen, Tränen

Und immer wieder wird geweint: Milo, die immer mehr aussieht wie Helen Schneider nach dem Atomschlag, weint einfach nur so. Nicht, weil irgendwas schlimm ist. Nein, wegen der Gefühle. Weil alles so "overcoming" ist. Sarah heult, weil der Zachi sie so an ihren Opi erinnert. Und der wiederum hat Wasser in den Augen, weil, ganz genau, weil es endlich was zu saufen gibt. Mit Einzug in den "Alles"-Bereich lässt Zechi nur so reinlaufen, unglaublich, wie da das feine Zwieselglas mal eben mit einer halben Flasche Schatto vollgepullert wird. Wohl bekomm’s. Und schön aufpassen bei der Terrasse, die ist nämlich richtig slippery. Wäre doch schade, wenn der Bademantel von Hugh Hefner (echt jetzt) leidet.

Ein kurzes Konfliktgewitter gibt es auch, als Steffen (Elvers-Ex) den vermeintlichen Promi-Status von Zachi Noy preist, während andere ja "nur" Shoppingkanal-Ansagerinnen seien. Das lässt Sarah Kern nicht auf sich sitzen, denn die war, vielleicht ja schon allein wegen ihrer Füße, schon vorher ein Star und hat dann erst Shopping TV gemacht. Oder war es doch anders herum? Echt "disrespektlich", Herr Anwalt.

Am Ende wird wieder überzogen und dafür gibt es Gründe: Eine Viertelstunde lang gilt es, Jens und Steffen dabei zuzuschauen, wie sie einen Betonklotz zerhauen. Immer feste druff.

Ein Wein. Ein Schnaps wär mal gut. Oder gleich Batteriesäure.