"Wir sind schwanger" Mit Babybauch in die Glotze


In einer zehnteiligen Doku-Soap zeigen Model Jana Ina und Ex-Bro'Sis-Sänger Giovanni Zarrella ihr werdendes Familienglück. Das klingt nicht nur langweilig, sondern ist es auch. Denn das D-Promi-Pärchen will nur eines: unbedingt im Mittelpunkt stehen.
Von Sylvie-Sophie Schindler

Kinder werden irgendwann erwachsen. Und wenn sie längst raus sind aus dem Hosenmatz-Alter, dann könnte es unangenehm werden für die Eltern. Denn nicht selten kommen die ehemaligen Dreikäsehochs mit einem Fragenkatalog an. Sie wollen beispielsweise wissen: "Mama, wo hast du Papa eigentlich kennen gelernt?" Es soll Paare geben, die sich erstmals im Swingerclub über den Weg gelaufen sind. Mag sein, dass die bei einer Antwort arg ins Stottern kommen. Und wie wird es erst Jana Ina und Giovanni Zarrella aus Köln-Rodenkirchen ergehen, wenn der Sprössling eines Tages fragt: "Mama, warum war denn in deiner Schwangerschaft ständig ein Fernsehteam mit dabei? Und wie kamst du bloß auf diesen Blödsinn?"

Momentan ist Jana Ina noch überzeugt davon, dass sie der ganzen Welt etwas Gutes tut, wenn sie und Ehemann Giovanni sich für die zehnteilige ProSieben-Doku-Soap "Wir sind schwanger" filmen lassen. Teil Eins wurde am Donnerstagabend gesendet. "Wir wollen zeigen, dass es cool ist, eine Familie zu gründen", sagt die Mama in spe und es klingt fast, als plane sie, in die Fußstapfen von Familienministerin Ursula von der Leyen zu treten. Was aber, wenn der neue Erdenbürger das alles andere als cool findet? Noch gibt es keine Traumatherapie für Kinder, deren Eltern keinen Schritt ohne TV-Kameras tun. Insofern: Es könnte böse enden.

Bloß keine Überraschungen!

Und es fängt nicht einmal gut an. Denn wenn der Schwanger-Bauch unbedingt in die Glotze muss, dann bitte mit Unterhaltungswert. Das aber scheint allen Doku-Soaps gemein: Der Gähn-Faktor ist extrem hoch. Auch hier keine Ausnahme. Jana Ina teilte gleich zu Beginn mit: "Ich habe seit fünf Tagen keine Regel." Tatsächlich möchte man über solche Körpervorgänge lieber nicht informiert werden. Zumindest bleibt es dem Zuschauer erspart, zu sehen wie die 31-Jährige den Schwangerschaftsteststreifen in den Urin hält. Auch sonst passiert in der ersten Folge von "Wir sind schwanger" nicht viel. Die Hälfte der Sendezeit wurde damit verplempert, die Frage zu klären, ob Jana Ina denn nun schwanger ist oder nicht. Sollte der Zuschauer dadurch zum Mitfiebern angeregt werden, ging das gründlich daneben.

Wäre doch extrem absurd, eine Serie unter dem Titel "Wir sind schwanger" starten zu lassen, um dann zu verkünden: Ätsch, bätsch, stimmt ja gar nicht. Zwei Schwangerschaftstests und einen Frauenarztbesuch später schluchzte Jana Ina vor Glück. Giovannis Kommentar: "Nicht weinen, nachher wird unser Kind eine Heulsuse." Immerhin eine erste Überlegung zum Thema Spätfolgen für den Nachwuchs. Die Geburt soll übrigens im Oktober sein - ausgerechnet dann, wenn Giovannis brandneue Single in die Läden kommt.

Frisch gepudert vor die Kamera

Keiner ahnt natürlich, was da noch alles kommen wird. Ausgeschlossen hat das italienisch-brasilianische Pärchen bereits, dass die Fernsehleute mit in den Kreißsaal dürfen. Wahrscheinlich nicht deshalb, weil es zu intim wäre, - denn was heißt schon intim für ein so zeigefreudiges Duo - sondern wohl eher weil die stets wie für den Laufsteg gestylte Jana Ina dabei nicht besonders gut rüber käme. Verkrampftes Gesicht, dann das Blut, nein, das passt einfach nicht zur Louis-Vuitton-Tasche. Erst wenn es wieder hübsch sauber zugeht, dann kommet doch herbei, ihr lieben Kameramenschen.

Das Ergebnis, ein Propper-Baby, dürft ihr wieder zeigen. Und bleibt doch am besten gleich da, sonst bekommen die Zarrellas womöglich noch Entzugserscheinungen. Bereits im Jahr 2005 wurden Giovanni und Jana Ina infiziert, als sie für das "taff"-Special "Just married! - Frisch verheiratet" turtelten. Wäre es also nicht angebracht weiter dranzubleiben? Titelideen für kommende Doku-Soaps: "Unser erster Stuhlgang", "Unser erster Ärger mit der Kindergärtnerin", "Unser erster Chinesisch-Unterrricht", "Unser erster feuchter Kuss".

Das Kind wird natürlich nicht gefragt. Es hat ja jetzt schon kein Mitspracherecht. Sollte auch schwierig werden bei Eltern, die der Klasse der D-Prominenz angehören. Denn in dieser Liga ist es üblich, sich auf Teufel komm raus in den Mittelpunkt zu stellen. Davon leben schließlich auch die Macher der Doku-Soaps. Oder anders gesagt: Wer bereits Berühmtheit genießt, der muss die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht auf solch jämmerliche Weise erwerben. Aber, bitte ausdrückliche Nachsicht, anders haben es die beiden bisher noch nicht so richtig geschafft: Jana Ina nennt sich Model und versucht sich mit ihrem schlechten Deutsch als Moderatorin, unter anderem bei der TV-Seltsamkeit "Das Model und der Freak". Giovanni ist Mitglied einer Popgruppe, die es längst nicht mehr gibt und trägt deshalb die Berufsbezeichnung "Ex-Bro'Sis-Sänger". Übrigens, noch könnte das Pärchen die Kurve kriegen: Profilneurosen sind behandelbar.

"Jana Ina & Giovanni - Wir sind schwanger", immer donnerstags um 22:30 Uhr auf ProSieben


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