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André Heller und die Fußball-WM 2006: Er will Quentin Tarantino und Eminem engagieren

André Heller will Künstler wie Quentin Tarantino und Eminem für Fußball-WM 2006 engagieren

Hamburg - André Heller, der als Kulturbeauftragter der Fußballball WM 2006 in Deutschland das Rahmenprogramm gestalten wird, "dreht zurzeit an dem Hoffnungsrad", dass Meisterregisseure wie Quentin Tarantino, Woody Allen oder Jean-Luc Godard Kurzfilme zum Thema Fußball erarbeiten. Und "statt der drei Tenöre könnten es diesmal die großen Weltmusiker sein wie Bob Dylan, Van Morrison oder Eminem", sagte er in einem Interview mit dem stern. Aber auch Naidoo oder Herbert Grönemeyer stünden auf seiner Liste.

Selbst ist der österreichische Aktionskünstler nicht unbedingt ein Fußball-Fan. Er sei dem Thema nicht hörig, aber als Massenphänomen habe es wirklich Magnetismus. "Ich glaube, nur die Erotik hat einen noch größeren gemeinsamen Nenner für Millionen und Abermillionen Wesen." Heller werde sich sicherlich die Spiele ansehen, "wenn die Herren großartig spielen. Ist das Match schlecht, werde ich aufstehen und gehen. Auch wenn die Tickets teuer waren, die ich selbstverständlich alle kaufen werde und mir nicht schenken lasse". Solange er nicht alles von Gustave Flaubert oder Karl Valentin gelesen und nicht jede Note von Mozart und Frank Zappa kenne, dürfe er seine Zeit nicht mit einem schlechten Fußballspiel vertrödeln.

Der Multimediakünstler zeigte sich im stern-Gespräch unbeeindruckt von der Tatsache, dass Milliarden Fernsehzuschauer in der ganzen Welt das von ihm inszenierte Eröffnungs- und Schlussspektakel verfolgen werden. "Es ist im Grunde egal, ob da eine Milliarde oder fünf zuschauen… Wenn man ein Buch schreibt, ein Lied singt, ein Fest inszeniert, sollte man nicht vergessen, dass das durchaus der letzte Eindruck eines Menschen sein könnte. Ich habe es im Theater erlebt, wie Leute in meiner unmittelbaren Nähe tot vom Sitz gerutscht sind. Und das Letzte, was diese armen Seelen wahrgenommen haben, war die quälende Hybris eines in die Irre gelaufenen Regisseurs." Trotz des angestrengten Spaßgesellschaftsgetues herrsche in Deutschland immer noch der Kult der schlechten Laune. "Ich will nicht drögen Spaß, ich will, wenn möglich, Freude und gute Energie."

Hart ging Heller mit der österreichischen Regierung ins Gericht. Sie sei "eine Art von Raserei des Nichtbegriffenhabens, was man einem Land wie Österreich schuldet, um es umfassend in einer ernst zu nehmenden Liga halten zu können". Im Gegensatz zu Bundeskanzler Gerhard Schröder, dem Heller Herzensbildung bescheinigte, sei der österreichische Kanzler Schüssel ein "zynischer Menschenbeschädiger, dem fast jede Niedertracht genehm ist, solange sie dem Machtgewinn und -erhalt dient".