WM-Eröffnungsgala Keine Party in Berlin


Riesen-Blamage für Deutschland: Die FIFA hat die Eröffnungsgala zur Fußball-WM 2006 in Berlin abgesagt. Der Grund: Das aufwendige Equipment für die Gala könne nicht rechtzeitig zum ersten Spiel in der Hauptstadt entfernt werden, so der Stadionchef Peter von Löbbecke gegenüber stern.de

Die FIFA begründete dies am Freitag in einer Pressemitteilung damit, dass eine erfolgreiche Verlegung des Rasens nach dem geplanten Termin am 7. Juni bis zum ersten Gruppenspiel nicht "ohne erhebliche Risiken" möglich sei. "Auf Grund einer erneuten eingehenden Analyse" sei man daher zu dem Schluss gekommen, die Veranstaltung abzusagen. Die Kosten für bereits erworbene Tickets für die Veranstaltung würden "vollumfänglich zurückerstattet", hieß es weiter.

Die "Berliner Zeitung" berichtet hingegen unter Berufung auf den Weltfussballverband FIFA, dass die für rund 25 Millionen Euro geplante Veranstaltung immer teurer geworden sei. Zudem habe der künstlerische Leiter Andre Heller die FIFA-Verantwortlichen bei einer Präsentation nicht von seinem Konzept überzeugen können. Inzwischen hat die FIFA mitgeteilt, dass die Feier auch nicht nach München verlegt werde. Sie sei "ersatzlos gestrichen".

Am Stadion liegt es nicht

Dass das Problem weniger der Rasen als das künstlerische Konzept ist, darauf deuten auch die Äußerungen des Geschäftsführers der Berliner Olympiastadion GmbH, Peter von Löbbecke. Gegenüber stern.de betonte er, dass man in Berlin selbstverständlich in der Lage sei, den Rasen sogar "über Nacht" auszutauschen: "Der Rasen ist nicht das Problem, den kriegen wir in einer Nacht ausgetauscht. Das haben wir nach der Turngala im letzten Jahr doch bewiesen."

Doch dafür müsste das Stadion frei sein. "Ich kann den Rasen doch nicht austauschen, wenn Andre Heller mit seinem ganzen Equipment alles blockiert. Das ist doch der Punkt: Seine Produktion ist zu umfangreich, er bekommt das alles nicht schnell genug abgebaut", so von Löbbecke weiter.

Bei der Olympiastadion GmbH ist man jedenfalls enttäuscht: "Die Absage ist traurig, man müht und schafft und am Ende passiert so was. Ich kann nur noch einmal betonen: Am Stadion liegt es nicht. Da muss man nach anderen Gründen suchen." Bei aller Solidarität zu den Vertragspartnern lässt sich von Löbbecke nicht zum Sündenbock abstempeln: "Das lass ich nicht auf mir sitzen."

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter erklärte, die späte Absage sei der FIFA nicht leicht gefallen, "aber für uns als Weltfußballverband müssen die sportlichen Aspekte schließlich Vorrang haben". Die FIFA und das lokale Organisationskomitee Deutschland bedauerten diese Entscheidung umso mehr, "als sie von dem unter der Führung des künstlerischen Leiters André Heller geplanten und seit Monaten in Probe befindlichen Ereignis stets begeistert waren und nach wie vor sind", hieß es in der Erklärung weiter. Eine Verlagerung in eine andere Stadt komme zu diesem Zeitpunkt aber nicht mehr in Frage.

Aus für Heller

Die Show unter der künstlerischen Leitung des Österreichers sollte der festliche Auftakt zur Weltmeisterschaft in Deutschland sein. Mit dem geplanten Spektakel mit Peter Gabriel und Brian Eno und Tausenden von Freiwilligen sollte erstmals eine Gala und nicht ein Spiel eine Weltmeisterschaft eröffnen. Die Karten sollten zwischen 100 und 750 Euro kosten. Wegen des Rasens war die Gala bereits einen Tag vorverlegt worden.

Noch im November war die Show in Berlin groß präsentiert worden. Heller wartete dabei mit weltweit klingenden Namen auf: Neben 132 Fußball-Weltmeistern, unter ihnen Sportlegenden wie Diego Maradona und Pelé, sollten auch die amerikanische Starsopranistin Jessye Norman, die HipHop-Band Black Eyed Peas und der Sänger Cheb Kahled aus Algerien auftreten. Die Regie sollte der französische Choreograf Philippe Decouflé übernehmen. Für die Weltmeisterschaft in Deutschland ist die Absage eine schwere Schlappe. Das Kulturprogramm zur WM ist aber laut der DFB-Kulturstiftung nicht davon betroffen.

AP/DPA/kbe/kra


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