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Bernhard der Niederlande: Trauer um den Skandal-Prinzen

Bis zu seinem Tod war Prinz Bernhard, ein gebürtiger Prinz zur Lippe-Biesterfeld, eines der beliebtesten Mitglieder des Köngishauses. Er war aber auch durch Affären, Lobbyismus und Bestechlichkeitsvorwürfe umstritten.

Er war eines der beliebtesten Mitglieder des Königshauses, und seine Hochzeit mit der späteren Königin Juliana hat aus dem deutschen Prinzen einen überzeugten niederländischen Patrioten gemacht: Prinz Bernhard der Niederlande, der Vater von Königin Beatrix, erlag am Mittwoch im Alter von 93 Jahren einer Krebserkrankung. Nach einem weitgehenden Rückzug aus der Öffentlichkeit war er bis zu seinem Tod vor allem als Goodwill-Botschafter für Umweltschutz und bedrohte Tierarten aktiv.

1937 Hochzeit mit der Kronprinzessin

Als Prinz Bernhard Leopold zur Lippe-Biesterfeld wurde er offiziellen Angaben zufolge am 28. Juni 1911 in Jena geboren. Allgemein wurde als Geburtsdatum allerdings der 29. Juni angegeben. Bernhard studierte in Lausanne, München und Berlin Jura und lernte während eines Studienaufenthalts in den Niederlanden die damalige Kronprinzessin Juliana kennen. Nach seinem Referendarexamen war er im Amsterdamer Büro der IG Farben tätig. Im September 1936 wurde die Verlobung mit Juliana bekannt gegeben, am 7. Januar 1937 heiratete das Paar in Den Haag. An diesem Tag erhielt Bernhard auch Namen und Rang eines Prinzen der Niederlande, elf Jahre später wurde seine Frau Königin.

Für Irritationen sorgte zunächst, dass Bernhard in Deutschland Mitglied der SS und der NSDAP war - die Zugehörigkeit zu der nationalsozialistischen Partei hat er öffentlich stets bestritten. Mit seiner offenen Art gewann Bernhard jedoch schnell die Herzen der Niederländer. Vor der deutschen Wehrmacht flüchtete er mit der königlichen Familie im Mai 1940 zunächst nach England und kehrte als Leiter der niederländischen Exil- und Widerstandsgruppen wieder zurück. Er trat in London in die Royal Air Force ein und beteiligte sich als Oberbefehlshaber der niederländischen Streitkräfte am Kampf der Alliierten gegen Deutschland.

Mitinitiator der "Bilderberg-Konferenzen"

Von 1970 bis 1976 war Prinz Bernhard Generalinspekteur der Streitkräfte und beriet die Regierung in Verteidigungsfragen. Er übernahm zahlreiche Ehrenämter und wurde in der High Society als Springreiter, Jäger, Amateurfilmer und Autoliebhaber geschätzt. Der niederländische Prinz aus Deutschland war 1954 Mitinitiator der so genannten "Bilderberg-Konferenzen", jährlicher Treffen von hohen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, und ab 1961 Gründungspräsident des World Wildlife Fund (WWF). Die Organisation würdigte den Prinzen als unbezahlbaren Unterstützer und Botschafter für den Naturschutz.

Seine über 50-jährige Fliegerkarriere beendete Bernhard erst 1994 mit einem letzten Looping über dem Amsterdamer Flughafen Schipol. "Ich sehe zufrieden auf mein Leben zurück", schrieb er in diesem Jahr in einem offenen Brief.

1976 in Lockheed-Affäre verwickelt

Zum Stolperstein wurde ihm 1976 die Verwicklung in die Lockheed-Affäre: Die Annahme von Schmiergeldern des amerikanischen Flugzeugbauers war ihm zwar nicht nachzuweisen. Er habe jedoch den Eindruck der "Empfänglichkeit für Bestechungsgelder" erweckt, urteilte eine Untersuchungskommission. Bernhard durfte in der Öffentlichkeit keine Militäruniform mehr tragen und gab die meisten seiner öffentlichen Ämter auf. Noch mehr zog er sich zurück, nachdem Juliana 1980 zu Gunsten von Beatrix, der ältesten der vier Töchter des Paares, abdankte. Erst 1991 wurde Bernhard von der Regierung rehabilitiert.

Auch privat gab es in seinem Leben etliche Turbulenzen, seine Affären stellten die Ehe mit Juliana auf schwere Belastungsproben. Bernhard sei immer "ein Taugenichts geblieben", sagte Juliana einmal in einem Interview. Als eine der größten Belastungen der Beziehung galt der Einfluss der Wunderheilerin Greet Hofmans am Königshof, wegen der Bernhard seine Frau in den 50er Jahren fast in eine Nervenklinik einweisen lassen wollte. Juliana wiederum hatte mit Scheidung gedroht.

Bereits in den Jahren 1994 und 2000 musste sich Bernhard Tumore aus den inneren Organen und dem Brustkorb entfernen lassen, im September hatte sich sein Gesundheitszustand erneut verschlechtert. Im November schließlich gab das Königshaus bekannt, dass der Prinz unheilbar an Lungenkrebs erkrankt war.

Anna Huber, AP / AP